Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

«Ich musste lernen, auch mal Nein zu sagen»

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Vor knapp zwei Jahren wurden Sie in Burgdorf zum eidgenössischen Schwingerkönig gekürt. Wie hat dieser Titel Ihr Leben verändert?

Ich konnte schon vor Burgdorf schwingerische Erfolge feiern und war dadurch den Umgang mit Medien und Sponsoren etwas gewohnt. Insofern kannte ich das Leben rund um den Spitzensport bereits ein bisschen. Mit dem Titel des Schwingerkönigs hat das ganze Drumherum eine andere Dimension angenommen. Alles ist viel intensiver geworden. Wer Schwingerkönig wird, braucht ein gutes Umfeld und eine professionelle Betreuung. Sonst gibt es ein riesiges Chaos.

 

 Wie sieht Ihr Umfeld aus?

Zu einen habe ich meine Partnerin Heidi, die mir im administrativen Bereich hilft. Zum anderen habe ich ein Management, das mir viele Arbeiten abnimmt. Das meiste kann ich auf andere Schultern verteilen, sodass ich Zeit für das Wichtigste habe: die Erholung und das Training. Dennoch ist es mir wichtig, dass ich in alles Einblick habe und sehe, was auf mich zukommt, seien es Treffen mit Sponsoren, Medientermine oder andere Verpflichtungen. Mit meinem Management arbeitete ich schon seit 2010 zusammen. Wir waren vertraut und eingespielt, als es nach dem Königstitel richtig losging. Das war ein grosser Vorteil.

 

 Sie sind ein gefragter Mann, rennen von Termin zu Termin. Bleibt da noch Zeit für die Familie?

Es ist wichtig, dass man sich die Zeit nimmt. Ich musste lernen, auch mal Nein zu sagen. Nur so kann ich für mich und meine Familie Freiräume schaffen.

 

 Ein Nein des Königs kommt aber sicherlich nicht überall gut an …

Die Zusammenarbeit mit Medien und Sponsoren braucht Zeit und muss professionell sein. Das bedeutet aber nicht, dass ich rund um die Uhr für alle verfügbar sein muss. Es braucht eine gewisse Erfahrung und ein gutes Fingerspitzengefühl bei der Auswahl der Termine.

 

 Als Schwingerkönig stehen Sie im Fokus der Öffentlichkeit. Wie gehen Sie damit um?

 In jungen Jahren war ich manchmal etwas zu offensiv in meinen Aussagen. Das ist nicht überall gut angekommen, obwohl ich immer ehrlich gewesen bin. Als öffentliche Person muss man aufpassen, was man sagt und wie man es sagt. Deshalb habe ich mich mit einem Medientraining geschult.

In Ihrer Vorbildrolle sind ausschweifende Partys ja wohl tabu …

Man wird schon beobachtet, und es wird geschaut, was man macht. In Zeiten von iPhone, Facebook, Twitter und Instagram verbreiten sich Neuigkeiten schnell. Mir ist aber wichtig, dass ich bleibe, wie ich bin, und mich deswegen nicht verändere. Ich war zum Glück auch in jungen Jahren nicht einer, der gross über die Stränge geschlagen hat. Ich habe schon immer versucht, mich positiv zu verhalten, damit ich abends mit einem guten Gewissen ins Bett kann.

 

 Wünschen Sie sich manchmal, ein «normaler» Schwinger zu sein?

 Diese Momente gibt es, aber sie sind eher selten. Ich bin gelernter Landwirt und Metzger, ich bewege mich gerne, schwinge gerne. Den Nachmittag im Büro zu sitzen und Sachen wie Buchhaltung oder Terminplanung zu machen, gehört nicht zu meinen Lieblingsaufgaben. Aber es gehört halt dazu. Unter dem Strich überwiegen dennoch die positiven Momente deutlich.

 

 Der Rummel um Ihre Person macht deutlich, wie sehr das Schwingen in den letzten Jahren an Popularität gewonnen hat. Wo sehen Sie die Gründe für den anhaltenden Boom?

 Swissness ist in den letzten Jahren sehr populär geworden. Nicht nur das Schwingen, Traditionen wie Jodeln, Volksmusik, Alphorn, auch Chüeli-Gurte sind allgemein im Trend. Die Gesellschaft sucht wieder vermehrt das Urschweizerische, das Bodenständige.

Zudem hat das Schwingen in den letzten Jahren gute Figuren wie Christian Stucki oder Kilian Wenger hervorgebracht, die das Schwingen attraktiv gemacht haben. Und sicherlich profitiert das Schwingen von den zum Teil negativen Schlagzeilen, die andere Sportarten in den letzten Jahren hervorgebracht haben.

 

 Der Boom findet in erster Linie neben dem Platz statt und weniger im Sägemehl selbst. Warum ist es so schwer, Nachwuchs zu finden?

Die Jungen haben heute ein breiteres Freizeitangebot, alles muss Spass machen. Es ist schwierig, junge Knaben zu finden, die die nötige Härte haben, um sich durchzubeissen. Sie verbringen ihre Zeit oft lieber auf Facebook als im Training. Vielen fehlt die Leidenschaft für ein Hobby, egal ob das Schwingen oder etwas anderes ist. Ich war früher auch im Ausgang, aber für eine Party ein Training sausen zu lassen, das kam für mich nie infrage. Zudem fällt mir im Training mit Jungschwingern immer wieder auf, dass viele keinen richtigen Purzelbaum schlagen können. Das stimmt mich nachdenklich.

 

 Kritiker sagen, dass es heute genüge, ein paar wenige Schwünge zu beherrschen. Früher sei das undenkbar gewesen …

Es gab auch früher schon Schwinger, die nur zwei Schwünge beherrschten. Insgesamt ist das Schwingen athletischer geworden. Wer heute konstant vorne mitschwingen will, muss mindestens 1,90 Meter gross und 110 Kilogramm schwer sein. Gegen so gross gewachsene Athleten ist es schwierig, x verschiedene Schwünge anzuwenden.

 

 Schwingen wird immer professionellerer. Die Kluft zwischen den Top-Schwingern, die Geld verdienen, ihr Arbeitspensum reduzieren und mehr Zeit fürs Schwingen haben, und den anderen, die neben ihrem Sport Vollzeit arbeiten müssen, wird immer grösser …

Bevor jemand profitieren kann, muss er erst investieren. Das ist sowohl im Sport so als auch im Berufsleben: Wer sich beruflich ständig weiterbildet, verdient später auch mehr als derjenige, der sich nach einer dreijährigen Lehre nicht fortbildet. Mir ist nichts in den Schoss gefallen, meine heutige Stellung habe ich mir hart erarbeitet. Ich habe zwei Lehren gemacht, in dieser Zeit gab es für mich nur selten Ausgang. Bis ich 22-jährig war, habe ich neben dem Schwingen zu 100 Prozent gearbeitet. Erst mit 23 Jahren hatte ich meinen ersten Sponsor.

 

 Als Schwingerkönig könnten Sie sich Profitum leisten. Dennoch arbeiten Sie zwei Tage pro Woche. Warum?

Ich bin überzeugt, dass mir die Arbeit gut tut. Meine trainingsfreie Zeit verbringe ich lieber bei der Arbeit, als irgendwo mit Kollegen abzuhängen oder zu gamen. Bezüglich Sponsoring hat sich in den letzten Jahren vieles verbessert. Wir Schwinger stehen im Vergleich mit anderen Sportarten heute gar nicht so schlecht da.

 

 Die Kommerzialisierung hat den Schwingsport in den letzten Jahren stark verändert. Das Eidgenössische 2013 war ein gigantischer Anlass mit 300 000 Besuchern. Es gibt viele kritische Stimmen, die diese Entwicklung hin zum Gigantismus bedauern. Dadurch gehe der Reiz des Schwingens, das Bodenständige, das Urchige verloren. Können Sie die Kritik nachvollziehen?

Mir ist es wichtig, dass Schwingen bodenständig bleibt, das macht den Reiz der Sportart aus. Ich sehe darin aber keinen Widerspruch zur aktuellen Entwicklung. Burgdorf 2013 war für mich ein perfektes Fest. Dass der dreitägige Anlass, der ein Budget von 25 Millionen Franken aufwies, am Ende einen Gewinn abgeworfen hat, ist fantastisch. Klar geht durch die Grösse das eine oder andere verloren, das vor zwanzig, dreissig Jahren besser gewesen ist. Man darf diese negativen Begleiterscheinungen nicht ausblenden, aber man sollte nicht nur davon reden. Alles in allem ist die Entwicklung positiv.

 

 Was erwarten Sie vom Eidgenössischen Schwingfest 2016 in Estavayer-le-Lac?

Ich denke, dass es von der Grösse her in einem ähnlichen Rahmen sein wird wie zuletzt in Burgdorf. Mein Ziel ist die Titelverteidigung. Momentan bin ich noch verletzt (Sempach hatte sich im Mai beim Oberaargauischen Schwingfest eine Sprunggelenks-Sprengung mit mehreren Bänderrissen am Innenknöchel zugezogen, Red.), die Heilung verläuft aber sehr zufriedenstellend. Es wird noch bis Oktober dauern, bis ich wieder zu 100 Prozent einsatzfähig bin. Ich hoffe, dass meine Verletzung für die Vorbereitung auf Estavayer-le-Lac keinen Einfluss hat.

«Es ist wichtig, dass Schwingen bodenständig bleibt.»

Matthias Sempach

Schwingerkönig

«Swissness ist in den letzten Jahren sehr populär geworden.»

Matthias Sempach

Schwingerkönig

«Viele Jungschwinger können keinen richtigen Purzelbaum schlagen.»

Matthias Sempach

Schwingerkönig

Schwingerkönig Matthias Sempach wird beim Eidgenössischen in Estavayer-le-Lac als Titelverteidiger antreten. Bild key/a

Zur Person

Matthias Sempach

Geburtsdatum:10. April 1986

Grösse:194 cm

Gewicht:110 kg

Schwingklub:Kirchberg

Beruf:Landwirt und Metzger

Hobbys:Sport allgemein, Reisen, Viehzucht

Kranzgewinne:93 Kränze, davon 3 eidgenössische

Siege:31 Kranzfestsiege, 25 Regionalfestsiege

Grösste Erfolge:Sieger Eidgenössisches Schwingfest 2013, Sieger Kilchberg-Schwinget 2014

Meistgelesen

Mehr zum Thema