Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

«Ich stand unter Strom und hatte Angst»

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

«Er verbrachte viel Zeit mit uns»: Das sagte einer der Söhne über den Mann, der seinen Vater im Dezember 2011 erschossen hat. Gestern begann der Prozess vor dem Strafgericht des Greyerzbezirkes in Bulle. «Er war fast Teil unserer Familie.» Sein Vater, ein Antiquitätenhändler, habe dem Mann eine Wohnung angeboten, als dessen Mietvertrag gekündigt worden sei. Er habe wenig Miete gezahlt und regelmässig für seinen Vater gearbeitet. «Dafür erhielt er 150 Franken im Tag.» Der Mann habe Wochenenden mit der Familie verbracht.

Erst gut verstanden

Die beiden Männer hätten sich gut verstanden. Bis der Angeklagte wegen starker Rückenschmerzen nicht mehr arbeiten konnte. «Ab Sommer 2011 trank er nur noch und nahm Drogen», sagte der 21-jährige Sohn. Das habe seinen Vater gestört.

Kein Handgemenge

Der 23-jährige Sohn hat die Tat miterlebt. Er ging am Samstag, 3. Dezember 2011, mit seinem Vater zum Mieter, um ein Modem zu holen. Der Mann habe das Modem nicht hergeben wollen, da habe sein Vater ihn gestossen. «Aber es gab kein Handgemenge.» Sein Vater habe das Modem genommen. Als der Angeklagte zu seinem Zimmer gegangen sei, habe er seinen Vater dazu gedrängt, die Wohnung zu verlassen. Unter der eigenen Wohnungstür habe er gesehen, dass der Mann ein Gewehr geholt habe. «Ich hatte gerade noch Zeit, die Türe zu schliessen.» Aber er habe seinen Vater nicht mehr warnen können: Ein Schuss ertönte – und traf seinen Vater. «Warum hast du uns nicht gewarnt?», fragte er den Täter unter Tränen. «Einfach losschiessen – das macht man doch nicht.»

Der Täter beschrieb die Ereignisse anders. Er habe einige Biere eingepackt, um an ein Geburtstagsfest zu gehen. «Ich hatte zu wenig Alkohol intus, ich zitterte», sagt der Alkoholiker. Da seien sein Vermieter und dessen Sohn zu ihm gekommen. «Sie schrien auf mich ein und schlugen mich.» Nach lautstarken Diskussionen hätten sich die Eindringlinge das Modem geschnappt «und sind davongelaufen wie Diebe».

Da sei ihm das Adrenalin durch den Körper geschossen. «Ich bin angegriffen worden, ich musste mich verteidigen.» Den Einwand von Gerichtspräsidentin Frédérique Bütikofer Repond, die beiden Männer seien gar nicht mehr in seiner Wohnung gewesen, wischte der Mann beiseite: «Ich stand unter Strom und hatte Angst.» Er habe das Jagdgewehr gepackt und auf die Tür geschossen, ohne zu zielen. «Alles ging so schnell, dass ich nicht nachdenken konnte.» Er habe zwar gewusst, dass die beiden Männer und zudem der damals 14-jährige Sohn in der Wohnung seien. «Ich habe aber nicht gewusst, wo sie standen.»

Familie zerstört

Der 21-jährige Sohn sagte unter Tränen, der Angeklagte habe eine Familie zerstört. Seine beiden Brüder, die miterleben mussten, wie ihr Vater starb, litten sehr. Der 23-Jährige könne keiner Arbeit nachgehen, weil er immer wieder schwierige Phasen durchlebe; der 16-Jährige habe Schulprobleme. Er selber schlafe schlecht.

Sieben Kollegen des Angeklagten traten gestern als Zeugen auf. Sie bezeichneten das Opfer als Sklaventreiber. Er habe dem Angeklagten zu wenig Lohn bezahlt und ihm zu viel Arbeit aufgehalst. «Der Angeklagte ist zwar Alkoholiker, aber anständig», sagte ein Zeuge. Das Opfer hingegen habe mit seinem Geld und mit seinen Eroberungen in Thailand geprahlt.

Das Opfer hat fünf Kinder aus zwei Ehen. Sie treten als Privatkläger auf. Der Angeklagte wandte sich am Schluss an die Familie: Er entschuldige sich für seine Tat, die er bereue. Die beiden Söhne, die ausgesagt hatten, brachen in Tränen aus.

Bereits getötet

 Heute geht der Prozess mit den Plädoyers weiter. Am Abend sollte das Urteil bekannt werden.

Der Täter, der eine vorzeitige Haftstrafe angetreten hat, hatte bereits 1995 den Geliebten seiner Frau so heftig geschlagen, dass dieser starb.

«Warum hast du uns nicht gewarnt? Einfach losschiessen – das macht man doch nicht.»

23-jähriger Sohn des Opfers

Mehr zum Thema