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«Ich versuche, damit Gutes zu tun»

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Sichtlich begeistert präsentiert Andrej Nicholas Lushnycky das Buch «Ukraine after the Euromaidan: Challenges and Hopes». Es ist der neueste Band der Serie «Interdiscipliary Studies on East and Central and Eastern Europe», die er in Zusammenarbeit mit Nicolas Hayoz, Professor für Politikwissenschaft und Direktor des Instituts für Zentral- und Osteuropa an der Universität Freiburg, vor zehn Jahren gestartet hat. In den symbolischen Farben Blau und Gelb ist die Publikation gehalten. Gesammelt sind Beiträge von 25 ukrainischen Autoren, welche die aktuelle Lage einschätzen und Herausforderungen und Hoffnungen für das Land formulieren.

Eine besondere Ehre

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Lushnycky, der als Kind ukrainischer Flüchtlinge in den USA aufgewachsen ist (siehe auch blauen Kasten), mit der Ukraine auseinandersetzt. «Als ich 1990 in die Schweiz gekommen bin, wurde ich sofort in verschiedenen ukrainischen Organisationen aktiv und habe beispielsweise begonnen, Kolloquien zu organisieren und Artikel zu publizieren», sagt der 44-Jährige. Durch diesen Einsatz wurde die ukrainische Botschaft auf ihn aufmerksam und liess ihm eine besondere Ehre zuteilkommen: Er wurde zum Honorarkonsul für die Ukraine ernannt.

Im Gegensatz zu Konsuln kommen Honorarkonsuln oft aus demjenigen Land, in dem sie stationiert sind. Zudem arbeiten sie auf ehrenamtlicher Basis. «Die Botschafter mögen uns: Wir arbeiten viel, sie müssen uns aber nicht entlöhnen», meint Lushnycky lachend, fügt dann ernster hinzu: «Leichtfertig wird der diplomatische Status aber dennoch nicht vergeben.» So gibt es in der Schweiz neben dem Konsul nur zwei Honorarkonsuln für die Ukraine; einen in der Deutschschweiz, einen in der Romandie. «Für mich ist die Ernennung eine grosse Ehre und ich versuche, damit etwas Gutes zu tun.»

Workshop mit Journalisten

Zu seinem Pflichtenheft gehören Aufgaben wie beispielsweise das Ausstellen von Visa und die Betreuung der ukrainischen Bevölkerung in der Romandie; in der gesamten Schweiz leben rund 6000 Ukrainerinnen und Ukrainer. Daneben hat Andrej Nicholas Lushnycky aber auch viele kleinere und grössere Projekte, mit denen er auf verschiedenste Arten die Verbindung zwischen der Schweiz und der Ukraine stärken will.

So plant er einen Workshop mit hiesigen Journalisten und solchen aus der Ukraine. Damit will er Wissen und Verständnis fördern. Die Nachrichten hier unterschieden meist zwischen pro-russisch und pro-europäisch. «Dies ist falsch. Die Leute sind nicht pro-russisch eingestellt, sondern vielmehr pro-sowjetisch. An manchen Orten herrscht eine gewisse Nostalgie für die gute alte Zeit, als alle Arbeit hatten und gerade genug zum Leben», erklärt Lushnycky. Zudem soll der Workshop bei der Bildung eines Netzwerks helfen. «Haben die Zeitungen niemanden vor Ort stationiert, sollen sie wissen, wen sie kontaktieren und von wem sie verlässliche Informationen erhalten können.»

Schweiz als Vorbild?

Auch im wirtschaftlichen Bereich hat sich Andrej Nicholas Lushnycky hohe Ziele gesteckt: Er möchte lokale Unternehmen dazu animieren, mit der Ukraine zusammenzuarbeiten und zu investieren. Er habe auch bereits Kontakt mit Volkswirtschaftsdirektor Beat Vonlanthen und verschiedenen Unternehmen gehabt, erklärt er. «Die Ukraine ist in einer Phase der Veränderung, sie braucht Investitionen. Für Schweizer Firmen haben solche enormes Potenzial – bergen aber natürlich auch enorme Risiken.»

Und schliesslich will der frisch ernannte Honorarkonsul auch im wissenschaftlichen Bereich Kontakte fördern. Dank der Universität Freiburg bestehe schon seit längerem eine besondere Verbindung zwischen Freiburg und der Ukraine. «Freiburg ist de facto zu einem Kulturzentrum für die ukrainische Bevölkerung geworden», sagt er. Diesen Austausch von Studenten, zwischen Professoren und Wissenschaftlern möchte er vereinfachen und intensivieren. «In der Schweiz haben wir ein sehr gutes Bildungssystem. In der Ukraine braucht es eine totale Reform des Systems, da könnte die Schweiz eine Vorbildrolle übernehmen.» Natürlich seien solche Veränderungen nicht von heute auf morgen realisierbar, sagt Lushnycky, der je nach Projekt bis zu zehn Stunden pro Woche für seine Aufgabe als Honorarkonsul einsetzt. «Ich glaube aber fest daran, dass wir etwas bewirken können.»

Konflikt: Noch keine Lösung in der Ostukraine

I m November 2013 kündigt die ukrainische Regierung unter dem damaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch an, das Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union nicht unterzeichnen zu wollen. Neben einem zollfreien Zugang zu den Märkten der EU und der Ukraine hätte dieses auch zur Folge gehabt, dass die Ukraine die rechtlichen und wirtschaftlichen EU-Standards übernimmt. In den folgenden Tagen versammeln sich auf dem Majdan Nesaleschnosti, dem Platz der Unabhängigkeit in Kiew, Demonstranten, die den Rücktritt des Präsidenten fordern. Während der unter dem Namen Euromaidan bekannten Proteste kommt es immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Im Februar 2014 eskaliert die Situation, Janukowitsch flüchtet und wird vom Parlament als abgesetzt erklärt.

Ruhe findet das Land damit aber nicht. Auf der Halbinsel Krim und im Osten des Landes entfacht sich ein neuer Konflikt. Dort fordern Demonstranten eine Abspaltung und eine Wiedervereinigung mit Russland. Im März spricht sich eine Mehrheit der Bevölkerung auf der Krim in einem umstrittenen Referendum für einen Anschluss an Russland aus, die Krim wird in die Russische Föderation aufgenommen. Der Westen verurteilt Russlands Annexion als völkerrechtswidrig. Derweil gibt es im Osten der Ukraine gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen der westlich orientierten Bevölkerung und den Separatisten. Diese initiieren im Mai in Donezk und Lugansk ein Referendum für die Abspaltung von der Ukraine. Bei der umstrittenen Abstimmung spricht sich eine deutliche Mehrheit in der Region für eine Abspaltung aus. Im Gegensatz zu Russlands Präsidenten Wladimir Putin wollen die ukrainische Übergangsregierung, die EU und die USA die Abstimmung nicht anerkennen.

Am 25. Mai wird Petro Poroschenko zum neuen Präsidenten der Ukraine gewählt. Er kündigt eine Offensive gegen die Separatisten an. Es kommt immer wieder zu Schusswechseln und zu Toten. Die EU und die USA verhängen wirtschaftliche Sanktionen über Russland. Sie werfen Putin vor, die Separatisten in der Ostukraine mit Waffenlieferungen zu unterstützen. Moskau weist die Vorwürfe zurück und kritisiert die Massnahmen als feindselig. Am 5. September vereinbaren die Regierung in Kiew und die Separatisten eine Waffenruhe. Diese erweist sich jedoch als brüchig: Auf beiden Seiten kommt es zu Verstössen. Ende Oktober wählt die Ukraine ein neues Parlament. Die pro-europäischen Parteien siegen, die Separatisten lehnen die Wahl aber ab. Trotz einer von Poroschenko im Dezember ausgerufenen Waffenruhe gehen die Kämpfe auch im neuen Jahr weiter.

Gemäss der Uno sind seit April in der Ostukraine mehr als 4600 Menschen getötet worden, rund 10 000 Soldaten und Zivilisten wurden verletzt. Um über eine Lösung des Konflikts zu beraten, hat Poroschenko für den 15. Januar einen Krisengipfel mit Wladimir Putin, der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsidenten François Hollande angekündigt. rb

Zur Person

Stark mit der Ukraine verbunden

Die Grosseltern von Andrej Nicholas Lushnycky, die zur geistigen Elite der Ukraine gehörten, waren während des Zweiten Weltkriegs nach Nordamerika geflohen. Im Jahr 1970 wurde Andrej Nicholas Lushnycky in den USA, in Philadelphia im Bundesstaat Pennsylvania, geboren. Obwohl er keinen ukrainischen Pass besitzt–die Doppelbürgerschaft ist in der Ukraine nicht erlaubt–, sei er mit der ukrainischen Sprache und Kultur aufgewachsen und sehr stark verbunden. «Erst als ich zur Schule ging, habe ich richtig Englisch gelernt und realisiert, dass ich nicht in der Ukraine bin», sagt der 44-Jährige lachend. Im Rahmen seines Universitätsstudiums kam er 1990 in die Schweiz – und blieb. Heute leitet Lushnycky das Austauschprogramm «American College Program» an der Universität Freiburg und unterrichtet an der Berufsschule. Er ist Schweizer Bürger und mit einer Schweizerin verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt in Hauterive.rb

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