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«Ich war der Architekt der Armen»

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«Ich war der Architekt der Armen»

Der Freiburger Architekt Jean Pythoud ist kürzlich 80 geworden

Inspiriert von Le Corbusier baute der Freiburger Architekt Jean Pythoud in den 70er-Jahren die Wohnsiedlung Sicoop Schönberg, die Wohnblocks im Jura, Schulhäuser, Einfamilienhäuser. Bauten, die sich aufs Wesentliche beschränkten und dem gängigen Baustil im Kanton zuwiderliefen.

Von IRMGARD LEHMANN

Nein, Wasser trinke er keines. Nur Wein, und hiefür sei nicht die Zeit – so mitten am Nachmittag auf einer Redaktion. Jean Pythoud sagts und schmunzelt und man staunt, dass der Mann, der vor einem steht, 80 ist. Ein etwas rundlicher Herr von kleiner Statur im Architektenlook (schwarz), blauen Hemd und obligater Rundbrille.

Ruheständler im Unruhezustand

Ein rüstiger «Ruheständler» im Unruhezustand, der seine Überzeugungen vertritt wie eh und je. Jemand, der von seinen Visionen keinen Zentimeter abrückt und das mitgebrachte Dokument «Poyabrücke» nicht aus den Augen lässt. Das rund 30-seitige Dossier (eine Zusammenfassung von mehreren 100 Seiten) hat er fein säuberlich vor sich hingelegt, um es in der Schlussrunde des Gesprächs adäquat ins Spiel zu bringen. «Sieben Jahre habe ich daran gearbeitet – gratis und franko» (siehe Kasten).

Bei den Behörden liess er damit keine Ruhe und wird es auch in Zukunft nicht tun. Zu sehr ist ihm der Städtebau ein Anliegen. Der Architekt habe eine Verantwortung, die über den Wohnungsbau hinausgehe, meint er. «Er ist verpflichtet sich über die Zukunft einer Stadt ein Bild zu machen.»

Theaterplatz in Freiburg

Auch zum Bau des neuen Theaters – beziehungweise zur Strassenführung rund um den öffentlichen Theaterplatz – tritt er mit dezidierten Ansichten auf und plädiert für eine Unterführung (Trasse, das die Parkhäuser Manor und Alpenparking verbindet). Das Projekt habe man zur Kenntnis genommen – doch mehr liege vorderhand nicht vor.

Doch solches ist sich Pythoud gewohnt. «Wie viele Projekte habe ich in meinem Leben gemacht, die nie realisiert wurden.» Und wieder dieser Schalk in seinen Augen. Ist das wirklich der Mann, der angeblich überall aneckt? Der Bürger, der in den 70er-Jahren gar Berufsverbot aufgebrummt bekam? Ja, warum denn? Jean Pythoud will nicht darüber reden und gibt einzig zu, dass es manchmal schwierig war. «Nicht für mich, aber für meine Frau.» So schwierig, dass er – der doch während 12 Jahren im Freiburger Generalrat sass – aus der selbstgebauten Wohnsiedlung Sicoop im Schönberg auszog und sich in einem kleinen Mehrfamilienhaus in Villars-sur-Glâne niederliess.

Kinder und Katzen im Auge behalten

Pythoud will viel lieber von der Architektur reden. Vom «Espace» und vom Sonnenlicht, das für den Architekten so eminent wichtig ist. Und: «Die Bewohner müssen sagen können: »

Darum habe er im Wohnblock Schönberg mit den 60 Wohnungen nur einen Eingang gebaut. Bei drei Eingängen käme es keinem Kind in den Sinn das Haus als sein eigenes zu bezeichnen. «Der Mensch muss sich mit seinem Wohnraum identifizieren können.»

Überhaupt. Was ist das für ein Architekt, der beim Planen an Kinder und Katzen denkt? «Katzen und Kinder sind neugierig, spüren die Räume auf, in denen es ihnen wohl ist.»

Jean Pythoud ist in Neirivue, im Intyamontal aufgewachsen. Der Vater war Angestellter der Greyerzer Bahnen. Dass der Sohn «Chef de gare» werden sollte, lag somit auf der Hand. Mit dieser Absicht zog der 16-Jährige nach Basel, arbeitete in einer Bäckerei und lernte vorerst die deutsche Sprache kennen. Doch von «roter Mütze und grüner Kelle» wollte er bald einmal nichts mehr wissen.

Pythoud suchte eine Lehrstelle und fand sie in einem Architekturbüro. «Doch was die da machten, war nichts anderes als Heimatstil», erinnert er sich. «Unter Architektur habe ich mir ganz was anderes vorgestellt – Kathedralen und so.» Der Bauzeichnerlehrling griff kurzerhand zur Selbsthilfe, machte sich auf die Suche und entdeckte eines Tages das Buch von Le Corbusier «La ville radieuse». Das grosse Vorbild war gefunden.

Aufs Wesentliche beschränken

Nachdem Pythoud in Lausanne, Châtel-St-Denis und Vevey Berufserfahrungen gesammelt hatte, kam er mit 27 Jahren (1952) nach Freiburg zurück, arbeitete in verschiedenen Architekturbüros, bis er sich mit 34 Jahren selbständig machte. Eine erdrückende Wohnungsnot für minderbemittelte Schichten prägte die Zeit. Private und öffentliche Bauherren mit beschränkten finanziellen Mitteln fanden in Pythoud den Architekten, der es sich zum Ziel gesetzt hat kostengünstig zu bauen. Dies nicht ohne dabei seinen Prinzipien Licht, Einfachheit, Sparsamkeit und Reduktion zu folgen. «Ich avancierte zum Architekt der Armen.»

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