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«Ich war nie dafür, dass es so strikt ist»

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19 Jahre lang führte Elisabeth Ruegsegger die Geschicke des Regionalverbands See (RVS). Den Verband, der sich für die Förderung des Tourismus und der Wirtschaft im Seebezirk einsetzt, gibt es seit 21 Jahren. Elisabeth Ruegsegger ist zweisprachig aufgewachsen, ihre Familie führte das Hotel Bel-Air in Praz. Ende dieses Monats geht die Mutter von zwei inzwischen erwachsenen Kindern in Pension.

 

Wie sind Sie vor 19 Jahren zu dem Job gekommen?

Ich war damals Gemeinderätin von Bas-Vully und hatte auch schon mit dem Regionalverband zu tun. Es zeigte sich, dass der damalige Geschäftsführer nicht die richtige Person war für diese Arbeit. Ich wusste, dass die Stelle ausgeschrieben war. Aber ich war damals nicht auf der Suche nach einem Vollzeitjob, mein Sohn war noch ziemlich klein. Ich dachte, ich geniesse es noch ein bisschen. Es war aber auch eine Zeit, in der wir in der Exekutive von Bas-­Vully Probleme hatten. Es war eine schwierige Situation. Jemand vom RVS fragte mich dann, ob ich nicht interessiert wäre an der Geschäftsführung. Ich nahm also Kontakt mit dem Vorstand auf und merkte ziemlich schnell: Doch, diese Arbeit würde mich interessieren. Aber ich hatte eigentlich nicht das richtige Profil – trotzdem hat sich der RVS für mich entschieden. Darüber bin ich heute sehr happy, denn es war spannend: Weil noch gar nichts vorhanden war, war es ein Aufbauen. Ich konnte sagen, wie ich es mir vorstellte. Natürlich mit einem Vorstand und mit Vertretern der Gemeinden, die gewisse Ideen hatten, aber im Alltag war es mein Job. Ich hatte recht freie Hand.

Das war kurz vor der Expo 02?

Ja, und auf regionalem Boden war noch gar nichts geplant für die ­Expo  02. Das Tourismusbüro in Murten war halb so gross wie heute, Murten Tourismus hatte noch nicht die Stärke wie jetzt, es war eine kleine Struktur. Es war meine grosse Aufgabe, die Hoteliers zusammenzubringen. Mit der Expo 02 landeten die Hoteliers in einer neuen Welt. Online-Booking gab es damals noch nicht, wir arbeiteten noch mit Faxgeräten.

Dieser Bereich hat Sie am meisten gereizt an dem Job?

Ja, denn ich bin ja auch vom Fach; ich habe die Hotelfachschule besucht. Weil ich 12 Jahre lang in einer Gemeinde mitgearbeitet hatte, war aber auch die Seite Wirtschaft für mich spannend. Die Problematik der Raumplanung, das Ganze mit der Wirtschaft zusammenzubringen und die besten Lösungen zu finden für die ganze Region. Das ist eine meiner Stärken: zu koordinieren. Die Leute zusammenzubringen und dazu zu bringen, am gleichen Strick zu ziehen in dem Bezirk, der vor 20 Jahren noch Schwierigkeiten hatte zusammenzuarbeiten. Ich kann verstehen, dass zum Beispiel Misery-Courtion nicht die gleiche Ausrichtung hat wie Kerzers. Es war ein Vorteil, dass ich wusste, wie eine Gemeinde funktioniert.

Wie hat sich die strategische Ausrichtung des RVS in all den Jahren verändert in Bezug auf Tourismus und Wirtschaft?

Die Gründung des RVS beruhte auf dem damaligen Tourismusgesetz. Der Seebezirk war der einzige Bezirk, der keine Unterstützung für touristische Bewerbung vom Staat abholen konnte, weil es keine Einheit gab, sondern mit Vully, Murten und Kerzers Tourismus drei Organisationen vorhanden waren. Es brauchte eine Dachorganisation, um die 80 000 bis 100 000 Franken pro Jahr für die Promotion zu bekommen. Der Seebezirk nahm dies nicht in Anspruch und machte dementsprechend auch wenig Werbung – weil kein Geld vorhanden war. Daniel Lehmann nahm dies in Angriff, als er sein Amt als Oberamtmann des Seebezirks antrat. Die Lösung war der Regionalverband. Man wollte aber eine Organisation, die über den ganzen Bezirk aktiv ist, und es gelten ja nicht alle Gemeinden im Bezirk als touristisch. Was fehlte, war ein Instrument für die Wirtschaftsförderung. Somit wurde beschlossen, diese beiden Zweige zusammenzuführen. Die beiden Bereiche sind innerhalb des RVS gleichwertig, aber im Tourismus gab es viel mehr Geld. Zudem sind Broschüren oder ein Inserat für ein Wochenende in der Region mit dem Velo für alle sichtbar. Das ist in der Wirtschaft ganz anders: Für die Wirtschaftsförderung braucht es andere Mittel. Nicht unbedingt mehr Geld, aber andere Möglichkeiten wie die Verfügbarkeit von Land. Ich sage wohl schon seit zehn Jahren, dass wir zwar Land haben, aber nicht am richtigen Ort, ungenügend gross und so weiter. Wirtschaftsförderung ist Knochenarbeit und nicht sichtbar gegen aussen. Aber wir machen gleich viel wie für den Tourismus.

 

Von Ihren 100 Stellenprozenten haben Sie je 50 Prozent für Wirtschaft und Tourismus aufgewendet?

Ja, wobei es in den fünf ersten Jahren mehr für den Tourismus waren. Aber eben: Ein Unternehmen legt es nicht auf den Tisch, wenn wir beispielsweise Gespräche über einen Erweiterungsbau führen – und das ist auch richtig. Wird das Projekt realisiert, spricht auch niemand vom RVS, der die Knochenarbeit gemacht hat. Zum Beispiel die Erweiterung der Saia in kürzester Zeit. Ich bin auch sehr froh über den Neubau der Firma Phonak in Murten, das war eines meiner ersten grossen Dossiers. Phonak suchte 14 Jahre lang einen neuen Standort. Sehr oft hiess es, dass wir im Tourismus viel aktiver sind als in der Wirtschaft.

«Alle Syndics, dieglauben, dass sie in jeder Gemeinde eine Arbeitszone schaffen können, haben das noch nicht kapiert oder wollen es nicht verstehen»

Sie entkräften also den Vorwurf, dass sich der Regionalverband zu wenig um die Wirtschaftsförderung kümmert – gerade auch in Bezug auf die Arbeitszone Löwenberg?

Diese Zone nimmt viel Zeit in Anspruch. Letztes Jahr gab der Kanton vor, wie viel Bauland jeder Bezirk haben darf. Der Seebezirk hatte aber bereits zu viel eingezont. Das bedeutet, dass wir die kleinen Grundstücke, von denen ich bereits seit Jahren rede, auszonen und unseren Richtplan dem kantonalen anpassen müssen. Die Arbeitszone Löwenberg werden wir in den nächsten 20 Jahren deshalb nicht so gross machen können, wie sie ursprünglich geplant war. Auf einem grossen Teil im Löwenberg kann aber schon jetzt gebaut werden. Nun braucht es einen Zonenmanager. Wir überprüfen derzeit das Profil einer Person, die dieses Gebiet entwickeln kann. Sehr wahrscheinlich im Herbst gründen die Landbesitzer dafür eine AG. Die Landbesitzer sind die beiden Gemeinden Muntelier und Murten, die SBB sowie Private. Die Idee ist, dass wir für diese Arbeit entweder jemanden anstellen oder ein Mandat vergeben. Diese Person wird dann mit den verschiedenen Verbänden zusammenarbeiten. Es handelt sich ja auch um die strategische Arbeitszone des Seebezirks: Wenn im Seebezirk an einem Ort neue Arbeitszonen entstehen können, dann ist es im Löwenberg. Das ist ganz klar. Alle Syndics, die glauben, dass sie in jeder Gemeinde eine Arbeitszone schaffen können, haben das noch nicht kapiert oder wollen es nicht verstehen. Es ist tatsächlich ein drastischer Unterschied: Einige Gemeinden sind sehr eingeschränkt. Da werden wir noch einiges daran zu beissen haben bei gewissen Gemeinden und auch bei gewissen Bürgern. Viele Familien verfügen über Landreserven, um sie später als Bauland zu verkaufen. Das sind Tempi pas­sati. Ich sage aber nicht, dass das der richtige Weg ist. Ich war nie dafür, dass es so strikt ist.

 

Sie wären also dafür, dass jede Gemeinde eine Arbeitszone haben darf?

Ganz klar. Es macht für mich keinen Sinn, dass alles am gleichen Ort sein muss. Natürlich müssen wir dem Verkehr Rechnung tragen. Typisches Beispiel dafür ist das Gartencenter. Das sollte es nicht in jedem Dorf haben, weil alle mit dem Auto hinfahren. Aber dass sich in jedem Dorf noch Kleinunternehmer ansiedeln können, fände ich sinnvoll.

Wollen Sie wieder in die Politik gehen?

Nein danke. Ich habe zwölf Jahre politisiert und meinen Teil gemacht. Ich wurde schon ein paar Mal angefragt. Auf der einen Seite würde es mich schon packen, aber nein.

Was haben Sie denn vor nach Ihrer Pensionierung?

Mein Mann und ich wollten eigentlich auf eine grosse Reise. Das fällt jetzt weg wegen Corona. Wir werden Projekte in der Schweiz in Angriff nehmen.

Für einzelne Ämter in Vorständen sind Sie aber noch zu haben?

Da bin ich offen und stehe zur Verfügung. Aber sicher nicht politisieren als Halbprofi, das werde ich nicht mehr tun.

Co-Leitung

Nachfolge steht fest

Der Nachfolger von Elisabeth Ruegsegger ist Stephane Moret (die FN berichteten). Der Geschäftsleiter von Murten Tourismus wird die Geschäftsleitung des Regionalverbands See (RVS) zu 50 Stellenprozenten übernehmen und zu 50 Prozent bei Murten Tourismus verbleiben. Beim RVS ist er für die Wirtschaftsförderung zuständig, wie er auf Anfrage bestätigte. «Nach zehn Jahren zu 100 Prozent bei Murten Tourismus freue ich mich auf eine neue Herausforderung», sagte Stephane Moret.

Zu je 50 Prozent wird es in den beiden Organisationen ab Juli zudem einen Marketingleiter geben, der auch die Co-Direktion übernimmt. Es sei geplant, dass dies ebenfalls in beiden Verbänden die gleiche Person ist. Wer es ist, wird laut Stephane Moret in etwa zwei Wochen bekannt sein. Die neue Leitung wird die Struktur des RVS und Murten Tourismus gemeinsam mit den Tourismusverbänden des Bezirks und dem Gemeindeverband überdenken und anpassen müssen, weil aktuell ein neues Tourismusgesetz in Arbeit ist.

emu

 

 

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