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«Ich weiss nicht, was in dieser Zeit passiert ist»

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«Ich weiss nicht, was in dieser Zeit passiert ist»

Dritter Prozesstag im Fall Daniela T.: Im Zentrum stand der Tag, an dem Walter Plüschke starb

Am dritten Verhandlungstag im Fall Daniela T. wurde versucht, den Ablauf des verhängnisvollen 16. Oktober 2000 zu rekonstruieren. Die Angeklagte erinnerte sich an ein Handgemenge, hat aber bezüglich der eigentlichen Tat eine Gedächtnislücke und erinnerte sich auch nur bruchstückhaft, was sie später mit dem Leichnam machte.

Von IMELDA RUFFIEUX

Daniela T. gab an, dass sie sich an diesem Tag kurz nach neun Uhr mit Walter Plüschke verabredet hatte. Zuvor holte sie von einer schwangeren Kollegin einen Becher Urin. Damit wollte sie den von ihrem Freund angekündigten Schwangerschaftstest fälschen. Die beiden unternahmen dann einen Spaziergang im Wald, wo Daniela T. den Test machte. Ihr Freund sei angesichts des Resultats zuerst wütend geworden, habe sie dann aber doch in den Arm genommen, sagte sie aus.

«Willst du mich umbringen?»

Später, etwa gegen zehn Uhr, gingen sie ins Haus der Familie T., wo die Angeklagte noch einen Schwangerschaftstest machte, um ihm das negative Resultat unter die Nase zu halten. «Ich wollte ihm zeigen, wie es ist, als Spielzeug missbraucht zu werden.» Sie sagte ihm, sie könne auch Spiele spielen. Er habe sie ausgelacht und gesagt, sie versuche wohl, sich zu wehren, erklärte die Angeklagte gestern vor Gericht.

Er habe dann versucht, sie in der Küche zum Sex zu überreden. «Er wollte nochmals seinen Spass haben», erklärte sie. Sie habe ihn abgewehrt. «Ich wollte nicht, dass er mir wieder wehtut», sagte sie aus. Da sie nach Stall roch, gingen sie nach oben, damit sie sich umziehen könnte. Beim Rückweg nahm sie den Revolver ihres Vaters aus der Schublade und zielte dann, unten angekommen, auf ihn. Er habe gefragt: «Willst du mich umbringen?», und sie habe geantwortet: «Nein, aber geh, lass mich in Ruhe.»

In Todesangst

Kurz darauf sei es zu einem Handgemenge gekommen, zwei Schüsse seien gefallen, dann hörte sie einen Knall und spürte, dass sie am Arm verletzt war. «Wir haben um die Waffe gekämpft.» Auf die Frage von Anwalt Patrik Gruber erklärte sie, sie habe Angst gehabt, sei in Panik gewesen, habe gefürchtet, sterben zu müssen.

Was dann geschah, konnte Daniela T. dem Gericht nicht schildern. Sie habe eine Gedächtnislücke gehabt und sei erst wieder zu sich gekommen, als Walter Plüschke reglos im Flur lag und sie daneben kauerte. Sie habe versucht, ihm den Puls zu messen, sei verwirrt in der Wohnung umhergeirrt, habe den Notruf wählen wollen, habe aber die Nummer auf dem Telefonapparat nicht lesen können. Sie habe ihm mit einem Tuch Blut abgewischt.

Weitere Gedächtnislücke

Darauf folgte eine zweite Gedächtnislücke. Sie sehe «in Sequenzen», dass ein Feuer brannte, dass sie draussen bei den Pferden gewesen sei und dass sie später ihre Mutter angerufen hatte, sagte die 34-jährige Frau aus.

Daran, den Rucksack des Opfers im Obergeschoss verstaut zu haben, Bezin aus dem Gartenhaus geholt und im Pferdehof einen Aushub vorgenommen sowie die Kleider gewechselt zu haben, erinnert sie sich nicht, wie sie auf entsprechende Fragen vor Gericht erklärte. Auch nicht, wie eines der sechs verschossenen Projektile in die Tasche ihrer Hose gekommen ist.

In ihrer Agenda fand sich eine Art Zeitplan, datiert auf diesen Tag, mit der Aufzählung, den Urin ihrer Kollegin holen zu gehen usw. Unter anderem hatte Daniela T. aber auch Begriffe wie Ohrenschmuck, Halskette, Geld, Uhr, Schlüssel, Hose vermerkt – genau diese Gegenstände, die man beim Leichnam später nicht fand. Darauf angesprochen, sagte die Angeklagte, diese Liste sei für sie eine Art Gedächtnisstütze gewesen, um Walter Plüschke im Gespräch daran zu erinnern, dass ihm materielle Dinge viel wichtiger seien als ihre Person.

Die Polizei fand auch einen Abschiedsbrief, den sie nach eigener Aussage geschrieben hat, als ihr Freund sie kurz vor der Tat unter Gewaltandrohung zum Beischlaf gezwungen habe . Damals habe sie an Selbstmord gedacht, der Mut habe sie dann aber verlassen, erklärte sie.

Nicht selber angeschossen

«Ich weiss nicht, wann welche Schüsse gefallen sind», betonte Daniela T. auf mehrmaliges Nachfragen von Gerichtspräsident Reinold Raemy und Staatsanwaltschaft, um den genauen Tathergang zu klären. Sie bestritt, sich selber in den Arm geschossen zu haben, wie dies von den Kriminaltechnikern als Möglichkeit in Betracht gezogen worden war.

Wenig Erinnerung hatte die Angeklagte auch an die Vorgänge, nachdem sie die Mutter angerufen hatte. Sie gab zu, dass sie die Geschichte des Raubüberfalls erfunden hatte. «Ich weiss nicht mehr, was in dieser Zeit passiert ist. Ich habe irgendetwas erzählt, da ich unter Schock stand.» Auf die Frage, wie lange dieser Panikzustand anhielt, antwortete sie, dass sie noch Wochen später total schockiert war.
Das Gerichtsverfahren wird am kommenden Montag fortgesetzt. Dann werden unter anderem die Eltern von Daniela T. einvernommen.
«Er konnte
auch lieb sein»

Bei der weiteren Befragung von Daniela T. sagte diese unter anderem aus, dass Walter Plüschke darauf bestanden habe, gegenüber Drittpersonen eine Schwangerschaft vorzuspielen. Sie erklärte auch, dass sie ihren ersten Freund (FN vom 19. Januar) nie mit einer angeblichen Schwangerschaft konfrontiert hatte. Daniela T. schilderte einen Vorfall, wenige Tage vor der Tat, als ihr Freund sie unter Gewaltandrohung (Messer) zum Sex gezwungen habe. Auf die Frage, warum sie dann wieder mit ihm telefonierte und sich mit ihm verabredete, antwortete sie: «Es war immer so. Er entschuldigte sich. Er konnte auch lieb sein.»

Sie sagte auch aus, dass ihr Freund in der ersten Phase der Beziehung nicht so offen über seine sexuellen Neigungen gesprochen habe, dass sich dies aber später – vor allem nach der Australienreise – verstärkt habe. «Er dachte immer an Sex.» Ihr Verteidiger legte mehrere Briefe und Zeichnungen anzüglichen Inhalts vor. Die Angeklagte sagte auch aus, dass sie sich vor gewissen Abbildungen in Sexheften ekelte und dass ihr Freund sie auch in Anwesenheit von anderen zu intimen Handlungen zwang.

Sie bestätigte, dass sie Walter geliebt habe, dass sie gut miteinander reden konnten und es auch lustig hatten. «Warum habt ihr euch nicht getrennt?», wollte Anwalt Gruber wissen. «Es ging einfach nicht. Wir waren voneinander abhängig.»

Am Schluss sei keine Liebe mehr vorhanden gewesen, erklärte Daniela T., aber auch keine Hassgefühle. «Er sollte mich in Ruhe lassen.» Sie habe Frieden gewollt und wieder so leben, wie sie zuvor gelebt habe. im
Antrag auf weitere Analyse abgelehnt

Die Befragung der Kriminaltechniker ergab u. a. einen Defekt an der Tatwaffe, der es verunmöglichte, dass mehrere Schüsse nacheinander abgeschossen werden konnten. Der Abzugshebel musste jeweils wieder zurückgeschoben werden.

Verteidiger Patrik Gruber beantragte, dass ein Stück mit Leder bezogener Schaumstoff – Reste des Sofas aus dem Hause T. – auf Schmauch- und DNS-Spuren untersucht werden soll. Er wollte damit beweisen, dass ein Teil des Kampfes sich in der Stube und nicht in der Küche abgespielt hatte und dass seine Mandantin allenfalls dort verletzt worden war. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft wies auf fehlende Verbre

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