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«Ich weiss noch, dass ich das Messer sah»

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Heute ist er clean: Er nimmt keine Drogen, raucht auch nicht mehr. Zum Tatzeitpunkt aber sei er voller Drogen gewesen, sagte der 30-Jährige, der sich seit gestern vor dem Strafgericht des Saanebezirks verantworten muss. Das Gericht tagte in Granges-Paccot, in einem Raum, in dem die Abstandsregeln eingehalten werden können. Der Mann hatte im Januar 2017 eine Prostituierte erstochen, ihre Leiche in einen Koffer gelegt und sie einige Hundert Meter weit nach Hause getragen.

Computer als Pfand

Er konnte gestern nicht genau erklären, warum er damals so wütend wurde, dass er das Messer nahm und zwanzig Mal auf die Frau einstach. In der Nacht auf den 14. Januar ging er zu einem Massagesalon. «Ich ging oft zu Prostituierten», sagte er, auch wenn er ab und zu Freundinnen gehabt habe. «Ich finde das angenehm.» In dieser Nacht aber war nichts angenehm: Er hatte kein Geld und schlug vor, seinen Computer als Pfand dazulassen. Den Computer hatte er in seiner Tasche mitgenommen, ebenso ein Ausbeinmesser.

Nach dem Akt stritten die beiden – und er wollte den Computer wieder einpacken. «Sie hat mich angeschrien und mir dabei Sachen gesagt, die mich verletzt haben», so der Mann. «Ich stand seit vier Tagen unter Drogen, mir ging es nicht gut.» Er sei nicht in seinem Normalzustand gewesen. Sie habe ihn als Junkie beschimpft und gedroht, die Polizei zu rufen.

Als er den Computer in seine Tasche steckte, sah er das Messer – nahm es und stach zu. «Ich weiss noch, dass ich das Messer sah, aber an mehr kann ich mich nicht mehr gross erinnern.» Er könne sich noch heute nicht erklären, warum er zugestochen habe. «Es ist schwierig, mir einzugestehen, was ich getan habe.»

Er verbrachte noch gut zwei Stunden im Zimmer der knapp 50-jährigen Frau. «Ich habe geputzt», sagt er. «Nicht um Spuren zu verwischen. Aber da war so viel Blut.» Er habe einen Koffer gesehen und die Leiche hineingelegt. «Ich habe nicht viel überlegt. Ich wollte nur weg.»

Laut Anklageschrift hat er den Tatort gesäubert: Er entfernte die Leintücher, drehte die Matratze um und stellte Möbel um, um Blutflecken zu verstecken. Am Morgen nach der Tat habe er Zellophan gekauft; er habe damit den Koffer einpacken wollen, da Blut herausfloss. Als das nicht funktionierte, nahm er den Körper aus dem Koffer, umwickelte ihn mit einem Duvetanzug und legte ihn zurück in den Koffer.

Er bittet Kollegen um Hilfe

Er bat einen Kollegen, ihm zu helfen, den Tatort zu reinigen. Einen anderen bat er, die Leiche wegzubringen und zu verscharren. Eine Freundin, die er um Unterstützung bat, um Kleider des Opfers zu verbrennen, riet ihm, sich der Polizei zu stellen. Als er das nicht tat, informierte sie die Polizei, die den Mann in seinem Zuhause festnahm.

Gestern befragte Gerichtspräsident Benoît Chassot den Täter kaum zum Ablauf der Tat, sondern vor allem zu seinen Motiven.

Vier Zeugen sagten aus: der Adoptivvater des Täters, zwei Jugendfreunde und eine Freundin. Alle sagten, dass er sich im Gefängnis verändert habe: Er sei ruhiger, nehme keine Drogen mehr, wolle seine Ausbildung weiterführen. Und sie waren sich einig: Nie hätten sie erwartet, dass er eine solche Tat begehen könnte. «Ich weiss, dass er es war. Aber ich kann es mir nicht vorstellen», sagte einer der Freunde aus der Kindheit. Und die Kollegin sagte: «Was passiert ist und die Person, die ich kenne, das sind zwei verschiedene Dinge.»

Die Eltern besuchen ihren Adoptivsohn regelmässig. «Was er getan hat, hat er getan. Aber er ist unser Sohn», sagte der Vater. Als der Vater aussagte, weinte der Angeklagte hinter seiner Hygienemaske.

Als der Täter damals kurz vor sechs Uhr in der Früh mit dem Koffer zu seinem Wohnhaus kam, trug ein Kollege, der vorübergehend bei ihm wohnte, mit ihm den Koffer bis in den vierten Stock. Als der Kollege fragte, was denn in dem schweren Koffer sei, sagte der Täter, er habe elektronisches Material gestohlen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann nun vor, dass er hätte wissen müssen, dass sich eine Leiche im Koffer befand – wegen des Gewichts, aber auch, weil er ausgebeult war und kein Lärm entstand, als der Koffer von Stufe zu Stufe gehisst wurde.

Der Mann sass bis am 5. Dezember 2017 in Untersuchungshaft; danach trat er vorzeitig seine Strafe an und blieb bis im Juli 2018 in Haft. Ihm wird Störung des Totenfriedens und Behinderung eines Strafverfahrens vorgeworfen.

Heute geht der Prozess weiter mit den Plädoyers.

«Was passiert ist und die Person, die ich kenne, das sind zwei verschiedene Dinge.»

Eine Freundin des Täters

«Ich weiss, dass er es war. Aber ich kann es mir nicht vorstellen.»

Ein Jugendfreund des Täters

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