Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

«Ich will den Gegner nerven und ermüden»

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Ab morgen Samstag trifft Freiburg Olympic im Playoff-Final in einer Best-of-7-Serie auf die Genf Lions. Eine spezielle Affiche für Jérémy Jaunin. Der Olympic-Spielmacher ist in Genf aufgewachsen; bevor er 2016 nach Freiburg wechselte, spielte er sechs Saisons lang für die Lions und war dort eine der wichtigsten Identifikationsfiguren.

Doch nicht nur deshalb werden in diesem Final einmal mehr viele Augen auf Jérémy Jaunin gerichtet sein. Er zieht auf dem Parkett automatisch die Blicke auf sich. Mit seinen 1,70  Metern ist Jaunin der kleinste Spieler der Liga – und im Sport der vielen Zweimeter-Männer damit ein Exot.

Der Wirbelwind – der sich selbst in einem Interview einmal als «increvable», als unermüdlich, bezeichnete – ist ein wichtiger Taktgeber im Spiel Olympics. Droht das Spiel der Freiburger zu statisch zu werden, ist es nicht selten Jaunin, der mit seiner Art Intensität zurück in das Team bringt.

«Ich war immer der Kleinste. Aber ich war derjenige, der am schnellsten rennen konnte, das hat mich motiviert.»

 

Jérémy Jaunin, im Fussball und in vielen anderen Sportarten wären Sie mit Ihrer Körpergrösse einer von vielen. Wie kamen Sie ausgerechnet zum Basketball?

Ich war etwa sechs Jahre alt, da lief im Fernsehen der Film «Space Jam» mit Michael Jordan und den Looney Tunes. Danach wollte ich unbedingt in einen Basketballclub – und dort hat es mir sofort den Ärmel reingenommen. Ich habe zwar andere Sportarten ausprobiert. Mein Vater und mein Grossvater waren gute Fussballer, deshalb habe ich auch Fussball gespielt. Ich war zudem im Judo und machte Motocross. Aber nirgends hatte ich so viel Spass wie beim Basketball – und nirgends war ich so gut.

Gehörten Sie bereits im Juniorenalter zu den kleineren Spielern?

Ja, ich war immer der Kleinste. Ganz am Anfang spielte das jedoch keine Rolle, da waren ja alle relativ klein. Aber ich war derjenige, der am schnellsten rennen konnte, das hat mich motiviert. Weil ich mich auch mit dem Ball in der Hand nicht schlecht anstellte, wurde meine Liebe zum Spiel grösser und grösser.

Die Grössenunterschiede dürften jedoch immer mehr zugenommen haben.

Das ist so. Doch meine Trainer sagten mir immer, ich müsse halt stets weiter an meinen Qualitäten feilen, an meiner Schnelligkeit, meinem Dribbling. Von klein auf habe ich verstanden, dass ich nicht der Spieler sein werde, der dunkt oder blockt, und dass es nichts bringt, Zeit mit solchen Dingen zu verlieren. Ich habe nie versucht, mir Dinge von Shaquille O’Neal oder Dwight Howard abzuschauen, sondern eher geschaut, was ein Tony Parker macht. Das hat mir geholfen, Mittel zu finden, um mich zu wehren.

Heute sind Ihre Gegner bis zu 40  Zentimeter grösser, auch Ihre direkten Gegenspieler auf der Spielmacherposition sind nicht selten um die zwei Meter gross. Wie kompensieren Sie das?

Da hat sich seit den Junioren nicht viel geändert: mit meiner Schnelligkeit, meiner Ausdauer und meiner Beweglichkeit. Ich versuche, den Gegner defensiv sehr intensiv zu bearbeiten – ich will ihn dadurch nerven und ermüden. Und offensiv versuche ich, mit meiner Schnelligkeit Löcher zu reissen und gute Wurfmöglichkeiten zu schaffen. Ich hatte vor zwei oder drei Jahren eine Art Erweckungserlebnis. Wenn ich zuvor gegen grosse Aufbauspieler spielte, kam es vor, dass ich mir sagte: Oh, das wird hart und schwierig für mich. Irgendwann wurde mir aber bewusst, dass es für einen Grossen ebenfalls unangenehm ist, gegen einen Kleinen zu spielen. Er hat in der Offensive zwar den Grössenvorteil. In der Defensive muss er sich jedoch bücken und mir hinterherrennen. Das ermüdet schnell – womit er dann auch weniger effektiv in der Offensive ist. Das zu erkennen, hat mir viel Selbstvertrauen gegeben.

Sind Sie stolz darauf, es zum NLA-Stammspieler geschafft zu haben?

Ja, es freut mich zu beweisen, dass man nicht zwei Meter gross sein muss, um in der NLA zu reüssieren. Für einen jungen Spieler ist es bestimmt gut zu sehen, dass kleine Spieler auf hohem Niveau spielen können, das kann unter Umständen Motivation geben, um weiterzumachen. Wenn ein Kind nach dem Spiel Babacar Touré mit seinen 2,05  Metern sieht, sagt es sich vielleicht: Uff, das wird schwierig, so gross werde ich wohl nie. Doch dann stehe ich quasi als Gegenbeispiel daneben. Ich denke, dass ich auch deshalb manchmal als Identifikationsfigur diene.

Was bei Ihnen auffällt: Sie sind nie verletzt …

Bisher war ich in meinen acht Jahren in der NLA tatsächlich noch nie verletzt, habe bloss zwei Spiele verpasst, weil ich krank war. Das hat zum einen sicher mit meiner Grösse und meinem Spiel zu tun. Ich versuche gar nicht erst, besonders kraftvoll zu spielen oder hoch zu springen – das würde ja ohnehin nichts bringen. Hinzu kommt, dass ich wohl grundsätzlich das Glück habe, nicht besonders fragil zu sein, und mich immer sehr gewissenhaft vorbereite, sei es im Sommertraining oder vor den Spielen.

Im Final kommt es zum Duell gegen Ihr Ex-Team aus Ihrem Heimatkanton. War das Ihre Wunsch-Affiche?

Natürlich bringt ein Duell gegen Genf zusätzlich Würze in den Final. Erstens ist es mein Ex-Team, und ich werde wohl bei den Auswärtsspielen noch mehr Leute auf den Zuschauerrängen kennen als bei den Heimspielen. Zweitens haben wir letztes Jahr im Halbfinal gegen Genf verloren. Das war für mich schwer zu verdauen. Es freut mich deshalb, dass wir nun die Chance zur Revanche haben.

«Die Genfer Mentalität ist speziell. Alles dreht sich nur um Leistung. Bei Olympic kann man auf alle zählen.»

 

Warum haben Sie vor zwei Jahren Genf verlassen?

Der Club wollte um andere Spieler herum eine Mannschaft aufbauen. Ich wäre gerne geblieben, da Genf immer mein Lebensmittelpunkt war. Letztlich aber war das für mich ein Glück im Unglück.

Inwiefern?

Meine Komfortzone zu verlassen, hat mich als Mensch und als Spieler reifer werden lassen. Und ich habe mit Freiburg Olympic eine zweite Familie gefunden – mehr noch, als das bei den Lions der Fall war. Die Genfer Mentalität ist speziell. Alles dreht sich nur um Leistung. Bei Olympic kann man auf alle zählen. Am Dienstag zum Beispiel fand ich niemanden, der sich während des Trainings um meine kleine Tochter kümmert. Am Ende konnte ich sie zum Coach bringen, dessen «Nounou» schliesslich zu ihr schaute.

Wo liegen die grössten Unterschiede zwischen den Clubs?

Ganz klar in der Infrastruktur. Genf spielt in einer öffentlichen Halle, die tagsüber von Primarschülern besetzt ist. So bleiben für die Trainings oft nur die Randzeiten. Am Abend etwa trainierten wir oft von 20 bis 22  Uhr, was doch eher spät ist. Hier in Freiburg haben wir fixe Trainingszeiten während des Tages. Der Saal steht uns immer zur Verfügung. Wenn ich wollte, könnte ich diese Nacht um zwei Uhr einige Körbe werfen kommen. Auch sonst wird in Freiburg alles für die Spieler gemacht. Man hat mir zum Beispiel auch eine Wohnung organisiert.

Jaunin schaut öfters mal hoch zu seinen Teamkollegen. 😉

Sie haben mittlerweile eine eigene Familie gegründet und sind Vater einer bald neun Monate alten Tochter. Wie lebt es sich als Basketballspieler in der Schweiz?

Ich trage nun nicht mehr für mich alleine die Verantwortung, deshalb ist es nicht immer leicht, dass fast immer nur Einjahresverträge unterschrieben werden. Auch am Ende dieser Saison läuft mein Vertrag wieder aus. Ich hoffe, dass ich bleiben kann, aber sicher ist das nie. Persönlich habe ich das Glück, dass ich eine Ausbildung als Zimmermann habe und dass mein Vater in Genf ein Unternehmen hat, in dem ich arbeiten könnte, sollte ich plötzlich nirgends mehr einen Vertrag erhalten. Im Moment aber kann ich vom Basketball leben. Ich verlange ja nicht, dass ich 10 000 Franken im Monat erhalte und wie ein König lebe. Das Geld muss einfach reichen, um die Rechnungen zu bezahlen, ein bis zwei Mal pro Monat ins Restaurant gehen zu können und einen Hütedienst für die Kleine zu organisieren, wenn beispielsweise meine Frau arbeitet und ich für ein Auswärtsspiel unterwegs bin.

Nach den Spielen gehören Sie regelmässig zu den Spielern, die noch einmal in die Halle kommen, um mit den Fans zu reden. Und nach den Pressekonferenzen sind Sie gemäss meinen Erfahrungen der einzige Spieler, der bei allen Journalisten vorbeigeht, um zur Verabschiedung die Hand zu schütteln. Ist das Ihr Charakter, oder geben Sie sich schlicht Mühe, ein guter Profi zu sein?

Das gehört zu meinem Charakter. Ich war manchmal sogar zu nett in meinem Leben. Aber in diesem Fall ist es für mich nichts als normal. Die Journalisten kommen regelmässig an unsere Spiele, da ist es das Mindeste, sich von ihnen zu verabschieden und zu schätzen, dass jemand darüber berichtet, was wir machen. Jeder mag es, sich in der Zeitung zu sehen. Momentan machen wir beispielsweise ein Album mit Zeitungsartikeln über mich für meine Tochter, das wir ihr dann später zeigen können. Mein Vater arbeitet jeden Tag wie ein Verrückter und war vielleicht ein, zwei Mal in der Zeitung, wenn ein spezieller Event anstand. Deshalb vergesse ich nie, welches Privileg ich habe. Dasselbe gilt für den Umgang mit den Zuschauern, die uns immer unterstützen und sogar Geld bezahlen.

Olympic hat in dieser Saison erst zwei Spiele verloren, die Qualifikation gewonnen sowie die beiden Cups. Eine solche Dominanz war vor der Saison nicht zu erwarten gewesen. Wie erklären Sie sich diese unglaubliche Saison?

Die Transferkampagne hat perfekt funktioniert. Der Club hat nur Spieler geholt, die die Schweizer Liga bereits kennen. Alle neu verpflichteten Ausländer waren schon in anderen Schweizer Clubs dominant. Murphy Burnatowski in Basel, Babacar Touré war mehrmals MVP, Chad Timberlake war ein wichtiges Element bei Monthey und Genf. Hinzu kommen gute, aufstrebende junge Spieler, so dass der Mix von Anfang an stimmte. Jeder kennt seine Rolle, der Teamgeist stimmt, und jeder mag dem anderen die Punkte gönnen. Babacar ist unser Metronom, doch um ihn herum springt in jedem Spiel ein anderer Spieler aus seiner Box, um für den Unterschied zu sorgen. Das macht uns für den Gegner unberechenbar und sorgt dafür, dass wir so konstant sind.

Genf ist Herausforderer Nummer eins von Olympic. Welches sind die Stärken Ihres Finalgegners?

Genf hat viel Offensivtalent und das Potenzial für viele Punkte. Wenn es dem Team läuft, verteidigt es auch gut und kann schnell kontern. Es ist grundsätzlich eine sehr komplette Mannschaft. Wenn es aber nicht läuft, kann die Mannschaft schnell einmal in ein Loch fallen. Genf ist eine Stimmungsmannschaft, es liegt deshalb an uns, die Spiele und die Emotionen zu kontrollieren.

Karriere

Zahlreiche Titel

In seinen sechs Saisons für Genf und seinen knapp zwei Jahren in Freiburg hat Jérémy Jaunin schon zahlreiche Titel geholt. Die Bilanz des 27-jährigen Nationalspielers: zwei Schweizer Meistertitel, drei Siege im Schweizer Cup, zwei Siege im Liga-Cup. In den aktuellen Playoffs steht Jaunin für Olympic im Schnitt 26,5  Minuten auf dem Parkett und macht im Schnitt 5,3 Punkte und 3 Assists.

fm

 

 

Mehr zum Thema