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«Ich wuchs auf der Sprachgrenze auf»

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Als letzten Freitag die Oberamtmänner der Freiburger Bezirke vereidigt wurden, standen gleich zwei Seebezirkler im ­Staatsratszimmer: Neben dem amtierenden Oberamtmann des Seebezirkes, Daniel Lehmann, ist auch sein Kollege Nicolas Kilchoer, der ins Schloss von Estavayer-le-Lac einzieht, ein gebürtiger Seebezirkler. Zum Zeitpunkt seiner Geburt wohnte seine Familie in Courtaman. Sein Vater eröffnete von Kleinbösingen her kommend einen Malereibetrieb in Courtaman, seine Mutter war damals Lehrerin in Courtepin, erinnert sich der zukünftige Oberamtmann und aktuelle Syndic von Châtillon. Vor zehn Jahren hat Kilchoer seinen Wohnsitz vom Seebezirk in den Broyebezirk verlegt, da dessen Lage ideal war: Er war beruflich in Lausanne tätig, seine Frau pendelte nach Bern. Die Nähe zum Neuenburgersee war eine weitere Motivation für diesen Schritt. Um es der französischsprachigen Bevölkerung einfacher zu machen, schreibt sich Kilchoer mit «oe», nicht Kilchör.

Zweisprachigkeit als Gewinn

«Ich bin auf der Sprachgrenze aufgewachsen, zwischen zwei Kulturen gross geworden», sagt Kilchoer im Rückblick, «aber damals war das uns Kindern gar nicht bewusst.» Für sie sei es alltäglich gewesen, dass in derselben Schule auch deutschsprachige Kinder unterrichtet wurden. In ihrer Familie sei durchwegs Französisch gesprochen worden, so Kilchoer weiter, «mein Vater hat sich völlig an sein Umfeld angepasst, vollständig integriert». Zweisprachigkeit sei damals nicht so ein Thema gewesen wie heute.

«Je älter man wird, desto wichtiger wird einem das», sinniert er. Zwischen dem Schülerleben in Courtepin und Gurmels habe es damals grosse kulturelle Unterschiede gegeben. Deutsch habe er erst später in der Schule gelernt. Dann studierte er unter anderem in Basel und Freiburg im Breisgau. Er habe noch viele Verwandte in Kleinbösingen, in Liebistorf, oder auch weiter weg. «Wir besuchen die Verwandtschaft regelmässig», so Kil­choer. Und er besuche oft den Seebezirk. «Ich war etwa kürzlich am Weihnachtsmarkt in Murten, es war wunderschön.»

Heute ist Kilchoer nahezu perfekt zweisprachig, er fühlt sich auch in beiden Sprachen wohl. Für ihn sei wichtig, dass Verständnis zwischen den beiden Kulturen herrsche, sagt er. Er ist mit einer in Bern arbeitenden Österreicherin verheiratet. «Deshalb neige ich dazu, ‹ein bisserl› zu sagen statt ‹ein bitzeli›.» Anders als er sind seine beiden Töchter von Beginn an mit beiden Sprachen aufgewachsen; er rede Französisch mit ihnen, seine Frau Deutsch, «und Salzburger Dialekt», sagt Kilchoer und lächelt verschmitzt. Er hat ausserdem auch beruflich häufig mit Deutschschweizern zu tun ­(siehe Kasten).

Dafür, dass er auf der Sprach- und Kulturgrenze aufgewachsen ist, sei er heute dankbar. «Ich bin nie auf Übersetzer angewiesen.» Ausserdem: Die Sprach- und Kulturgrenze sei seit seiner Jugend breiter geworden. «Die Bevölkerung in den Gemeinden entlang eines Streifens an der Grenze zum Seebezirk bis hin zum Mont-Vully ist heute viel durchmischter, als man meint.» Viele Deutschsprachige seien in den Broyebezirk gezogen und hätten sich integriert.

So sehr, dass im Gemeinderat von Châtillon ursprünglich Deutschsprachige gemeinsam mit Welschen sassen. «Mit der Folge, dass wir unsere Gemeinderatssitzungen zur Abwechslung ab und zu auf Deutsch abhielten» – dies, obschon in der Gemeinde die Amtssprache natürlich Französisch ist. Dieser Vorteil der Mehrsprachigkeit zeige sich insbesondere im Sommer, wenn Touristen in die Region und in die Gemeinde kommen – denn «ein wesentlicher Teil ist ja deutschsprachig», weiss Kilchoer.

Zur Person

Nicolas Kilchoer, neuer Oberamtmann des Broyebezirks

Nicolas Kilchoer wurde 1973 als Nicolas Kilchör in Courtaman geboren. Er besuchte in Courtepin die Schule. Kilchoer hat Politikwissenschaft an der Universität Neuenburg belegt und auch in Basel und Freiburg im Breisgau studiert. Später hat er unter anderem bei der UBS als Business Developer gearbeitet und hatte dabei Kundschaft aus der ganzen Schweiz. Kilchoer war zudem beruflich beim Bundesparlament in Bern und beim Grossen Rat in Freiburg tätig. Heute ist er noch Direktor in einer Wirtschaftsberatungsfirma in Freiburg. Ende November wurde Nicolas Kilchoer im zweiten Wahlgang zum Oberamtmann des Broyebezirks gewählt. Er war als Unabhängiger gegen die Vertreter der vier grossen Parteien im Bezirk angetreten. Nun nimmt er seine neue Tätigkeit im Schloss von Estavayer-le-Lac auf.

fca

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