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«Ich zweifelte an meiner Intelligenz»

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Grün, blau, kurz, lang – eine schnelle Recherche im Netz über Robin Gillon zeigt, dass er mit seinen Haaren gerne Experimente wagt. So erstaunt es nicht, dass stark blondierte, wild in die Luft stehende Haare zum Vorschein kommen, als Gillon beim Gespräch mit den FN seine Strickmütze auszieht. Er ist 24 Jahre alt, wohnt in Villars-sur-Glâne, ist niederländisch-schweizerischer Doppelbürger, professioneller Freestyle-Skifahrer – und fast taub. Die vergangenen zwei Jahre hat er mit der Freiburger Produktionsfirma Woop Productions zusammengearbeitet: Im Kurzfilm «Sound of Silence – born severely deaf» erzählt er seine Geschichte.

«In der Banklehre haben mich die Verantwortlichen vom Schalter abgezogen, weil ich schlecht höre. Sie liessen mich im Keller Geld zählen.»

Robin Gillon

Professioneller Freeskier

Hinter dem wilden Äusseren steckt ein ruhiger Mann. Er sitzt in einem Sessel und schenkt seinem Gegenüber volle Aufmerksamkeit, den Blick starr auf die Lippen fixiert, um von ihnen abzulesen. Florence Gross, Philip Kessler und Phi­lippe Woodtli, drei der neun Filmemacher des Kurzfilms, necken Gillon gerne, in dem sie die Hand vor den Mund halten, wenn sie mit ihm sprechen. «Solche Spässe macht unser Team aus», sagt Woodtli, der den Lead bei der Produktion des Films übernommen hat.

Im Keller Geld zählen

Erst mit fünf Jahren begann Robin Gillon zu reden, und erst dann sind die Ärzte auf sein schlechtes Gehör aufmerksam geworden. Gillon besitzt ein Hörvermögen von rund 20 Prozent; mit dem Hörgerät erhöht es sich auf 60 Prozent. Die Schulzeit war für ihn nicht einfach. Nicht, was die schulische Seite betrifft, sondern die soziale: Seine Mitschüler haben ihn diskriminiert, weil er anders war. Im Film sagt er versöhnlich: «Wer kann es den Kindern übel nehmen, ich war ja auch anders.»

Der Trailer zum Film:

Sound of Silence – Born severely deaf – Trailer from WOOP Productions on Vimeo.

Nach der Kindheit war er mit Erwachsenen konfrontiert, die mit der Situation nicht umzugehen wussten. «In der Banklehre haben mich die Verantwortlichen vom Schalter abgezogen, weil ich schlecht höre. Sie liessen mich im Keller Geld zählen», erinnert sich der Sportler, sichtlich bestrebt, sich seinen Ärger nicht anmerken zu lassen. Auch in der Berufsschule gingen die Lehrer nicht auf sein Handicap ein. Er brauchte länger, den Schulstoff aufzunehmen, weil er öfters nachfragen musste. «Ich zweifelte an meiner Intelligenz und hatte kein Selbstvertrauen mehr. Es war ein Albtraum.» Er brach die Ausbildung ab.

Leidenschaft Skifahren

Eines konnte ihm aber niemand nehmen: Freestyle-Skifahren, auch bekannt als Freeski, das er mit 15 Jahren entdeckt hatte. Die Sportart, bei der es um Kicker, Rails, Double-Corks, Shreds und manchmal auch um heftige Bails geht. Auf gut Deutsch: Diese Skifahrer springen auf verrückte, manchmal wahnsinnige Weise über grosse Schanzen, fahren über Stangen und Boxen und führen in der Halfpipe waghalsige Tricks vor. «Nicht nur der Sport an sich, sondern die Leute um mich mag ich sehr. Sie sind sehr tolerant und nehmen mich so, wie ich bin.»

An der Sportschule Brig-Glis schloss er die kaufmännische Berufsmatura ab und war Mitglied von Style Valais, ein Teil des Nationalen Leistungszentrums West von Swiss Ski. «Dieses Schulsystem ist genial. Die Lehrer investieren so viel Zeit in ihre Schüler, die können bei den Prüfungen gar nicht scheitern», erzählt der Freiburger.

Komfortzone verlassen

Dennoch, die Erlebnisse der Kindheit haben ihn geprägt. Er will aber daraus die Kraft schöpfen, allen zu zeigen, was in ihm steckt und Personen mit ähnlichem Handicap ermutigen, nicht aufzugeben. Er habe sich deshalb nach längerem Ringen für das Filmprojekt entschieden. «Indem ich meine Geschichte der Öffentlichkeit erzähle, verlasse ich meine Komfortzone. Davor hatte ich schon Angst», sagt Gillon. Das Filmteam erwischte den Freestyler im richtigen Moment: Die Produzenten besuchten ihn unangekündigt zu Hause in Villars-sur-Glâne und drehten ein erstes Interview unter dem Vorwand, das sei eine Probe. «Das Gespräch war so authentisch, wir mussten diese Szenen einfach für den Kurzfilm verwenden», sagt Woodtli und schaut hinüber zu Gillon, der verlegen beifügt: «Sie haben mich eiskalt erwischt. Ich weine sogar fast auf dem Film.»

Bei den Ski-Aufnahmen auf dem Berner Schilthorn ging es holprig zu. Gillon musste sich schonen, da er kurz zuvor ein Schlüsselbein gebrochen hatte. Und das kurz vor den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang, an denen er für die Niederlande hätte teilnehmen können. «Ich war am Boden zerstört und kurz davor, meine Freeski-Karriere zu beenden. Die Aufnahmen haben mich motiviert, dranzubleiben und weiterzumachen», erzählt Gillon.

Das Resultat ist der elfminütige Film «Sound of Silence – born severely deaf», den es ab 12. November im Netz gratis zu sehen gibt. Dieses Werk sei das Herzensprojekt des gesamten Unternehmens, weshalb die Produktion selbstfinanziert sei. «Wir wollten uns die kreative Freiheit bewahren. Der Film soll die Leute zum Nachdenken anregen und etwas bewirken», sagt Woodtli. Gillon nickt. «Wenn wir nur einem Kind mit meiner Geschichte helfen können, haben wir etwas erreicht.»

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