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Ideen von heute und Ideen von gestern

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«Freispruch im Prozess zu Hexenprozessen» FN vom 5. April

 In der offensichtlich brillanten Übung, den Hexenprozessen den Prozess zu machen, scheint mir das Argument: «Man darf nicht mit den Ideen von heute über die Ideen von gestern richten» fragwürdig. Man kann ja, man muss es, wenn man sich bewusst ist, dass Recht und Gerechtigkeit oft zwei sehr verschiedene Dinge sind. Jede Gruppe hat ein geltendes Recht, ein deutsches, ein italienisches, ein schweizerisches. Es gibt aber nicht eine deutsche, eine italienische, eine schweizerische Gerechtigkeit. Recht wird von den Stärkeren (demokratisch von der Mehrheit) gesetzt. Gerechtigkeit ist raum- und zeitübergreifend und keine Frage von Mehrheiten. Die legal beschlossenen «Nürnberger Gesetze», die von 1935 bis 1945 jüdische Menschen zur Quelle allen Übels stempelten, waren legal gesetztes Recht. Sie wurden später als grosse Ungerechtigkeit verurteilt. Die Schweiz hat während der gleichen Zeit jüdische Asylsuchende zurückgewiesen. Das war damaliges schweizerisches Recht. Der Bundesrat hat diese Gesetze Jahrzehnte später als ungerecht verurteilt, weil es die Hilfe an Unschuldige in Todesnot verweigerte.

Die Hexengesetze liegen weiter zurück, aber wie im Zweiten Weltkrieg haben schon damals Minderheiten gesehen, dass die geltenden Gesetze ungerecht sind.

Die Hexenprozesse sind übrigens nicht typisch mittelalterlich. Sie kamen erst ganz am Ende des Mittelalters und in der frühen Neuzeit so recht in Fahrt durch eine Bulle von Papst Innozenz VIII. vom Dezember 1484 und den «Hexenhammer» von 1486, der als Handbuch zur Rechtfertigung und Durchführung der Prozesse diente. Bruder Klaus (1417–1487) hat genau damals einem Mann, der eine Frau der Hexerei anklagen wollte, dringend geraten, das zu unterlassen, denn es sei eine Sünde, eine Frau als Hexe zu bezeichnen.

Es ist gut, im Hinterkopf zu behalten, dass in der Menschheitsgeschichte Ungerechtigkeiten oft Rechtsstatus hatten. Es ist gut, sich ab und zu zu fragen, was an unserem Recht von späteren Generationen als Ungerechtigkeit wahrgenommen werden könnte. Es geht bei diesem Richten nicht um Menschen, es geht um Ideen.

«Es ist gut, im Hinterkopf zu behalten, dass in der Menschheitsgeschichte Ungerechtigkeiten oft Rechtsstatus hatten.»

 

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