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Im digitalen Zeitalter angekommen

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Das 90 000 Franken teure Material ist in einer unscheinbaren Kabine versteckt. Im Innern flimmert ein Bildschirm, dahinter zwängen sich Computer und Projektor. Und natürlich der Ventilator, der die ganze Technik abzukühlen hat–die Temperatur darf nicht über 18 Grad steigen, sonst überhitzt der Beamer und fällt aus. Gerade bei Open-Air-Kinos sei das nicht zu unterschätzen, sagt André Köbeli.

Am ersten Abend des Open-Air-Kinos Freiburg braucht sich der Techniker darum freilich keine Sorgen zu machen. Anderthalb Stunden vor Filmbeginn verwandelt heftiger Regen den Innenhof des Bollwerks Freiburg für kurze Zeit in einen See. Doch dafür hat der Operateur keinen Blick übrig. Seine Augen sind auf den Laptop gerichtet, mit dem er bald den Startschuss für den saudi-arabischen Film «Wadjda» geben wird.

Applaus als Lohn

In diesem Jahr hat das Open-Air-Kino Freiburg den Sprung ins digitale Zeitalter getan. Damit gehört es zu den letzten, die die Veranstalterin Open-Air-Kino Luna AG ausgerüstet hat (siehe Kasten). Eine teure, aber nötige Investition, wenn man bedenkt, dass nur noch einzelne Filme im 35-Millimeter-Format gedreht und verliehen werden. «Die Digitalisierung bringt dem Zuschauer nur Vorteile», weiss André Köbeli, der seit vierzig Jahren Filme projiziert. Keine Staubkörner mehr auf dem Band, kein verwackeltes Bild und keine verzerrten Ränder, dafür schärfere Aufnahmen und besserer Ton. Trotzdem hat der St. Galler die Umstellung mit einem lachenden und einem weinenden Auge erlebt. «Operateure haben heute weniger zu tun–darum brauchen die Kinos sie weniger.» Köbeli weiss, wovon er spricht: Mit 57 Jahren ist er arbeitslos.

Über die kurzfristige Stelle am Open-Air-Kino in Freiburg ist er deshalb umso glücklicher. Dem Kino habe er sich bereits jung «mit Blut und Seele» verschrieben. «Es gibt keinen schöneren Moment als den, wenn das Publikum nach einer Vorstellung klatscht–auch wenn es hauptsächlich dem Film selbst gilt», so Köbeli, der zehn Jahre beim Filmfestival Locarno gearbeitet hat. Das, so der Operateur, habe die Digitalisierung zum Glück nicht ausgelöscht.

Mehr Spielraum

Die Nebenwirkungen des digitalen Filmemachens sind auch Xavier Pattaroni von Cinemotion nicht entgangen. Der Betreiber dreier Kinos in Freiburg, Payerne und Bulle hat das Open-Air-Kino Freiburg bei der Programmierung unterstützt–und setzt seit 2012 selbst auf «Dolby Digital». «Die Digitalisierung lässt mehr Spielraum, da viel mehr Filme zur Auswahl stehen», so Pattaroni. Allerdings sollte man es nicht übertreiben und auch weniger erfolgreiche Streifen ein paar Wochen laufen lassen. Unklar bleibt, welche Lebensdauer das neue und teure Material haben wird. Zum Stellenabbau in den Kinos sagt er: «Wir konnten einige Arbeitsstunden einsparen, entlassen haben wir aber niemanden.» Einen Techniker auch während der Vorführung vor Ort zu haben bedeute eine gewisse Sicherheit, denn: «Pannen können auch bei Computern auftreten.»

15 Minuten Nostalgie

Läuft alles nach Plan, hat André Köbeli nach Filmbeginn tatsächlich nicht mehr viel zu tun. Werbung und Vorschauen laufen automatisch ab, den Moment der Pause hat er im Vorfeld festgelegt. «Damit nicht plötzlich mitten im Dialog Schluss ist», lacht er. Früher wechselte der Techniker während dieser Viertelstunde das Band. Heute wäre die Pause eigentlich nicht mehr nötig. Aus Gewohnheit, Nostalgie oder wegen der willkommenen Einnahmen an Bar und Kiosk erinnert sie aber weiter an vergangene Kinozeiten.

Auftakt: Dauergäste waren «begeistert»

N eben den Open-Air-Kinos in Freiburg und Murten ist die Open-Air-Kino Luna AG mit Sitz in Luzern für 18 weitere Sommerveranstaltungen zuständig. Seit 2011 erneuert sie ihre Ausrüstung. «Weil nicht alle Open-Air-Kinos zur gleichen Zeit stattfinden, können sie die Technik untereinander austauschen», sagt LunaMitarbeiter Toni Kleinmann.

Mit 150 Zuschauern sei der erste Abend «den nassen Umständen entsprechend zufriedenstellend» gewesen. Dauergäste hätten «begeistert» auf die Bild- und Tonqualität reagiert. Und: «Weil die Lichtintensität so gut ist, überlegen wir, nächstes Jahr etwas früher zu beginnen.»

Dass die Digitalisierung Arbeitslose schafft, macht auch Kleinmann traurig. «Das ist die Tragik der Rationalisierung», meint er. Die Luna AG versuche, dies zu vermeiden. Dass man auf André Köbeli gesetzt habe, zeige, dass ein erfahrener Techniker unerlässlich sei. cf

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