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Im Dunkeln tappen

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Im Dunkeln tappen

Projekttag an der Primarschule Plaffeien

Der blinde Lukas Hendry absolviert zurzeit ein Lehrerpraktikum an der Primarschule in Plaffeien. Anlässlich eines Projekttages lernten die dritten und vierten Klassen, was es heisst, den Alltag mit einer Sehbehinderung zu bewältigen.

Seine Augen sind blassblau getrübt und nicht mehr in der Lage etwas klar zu fixieren. Für Menschen, die ihm das erste Mal begegnen, ist das irritierend. «Viele Leute sind am Anfang skeptisch und unsicher», weiss Lukas Hendry aus vielfacher Erfahrung. Er ist mit einer schweren Sehbehinderung zur Welt gekommen und seit drei Jahren vollständig erblindet. Trotzdem hat er sein Ziel, Lehrer zu werden, nie aufgegeben. Nach einem Zusatzjahr an der blindentechnischen Schule in Basel und einem einjährigen Vorbereitungskurs konnte er 2003 sein Studium an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg beginnen.

Mit anderen Sinnen leben

Die Augen sind für Menschen das wichtigste Sinnesorgan. Fällt das Sehen weg, gewinnen andere Sinneswahrnehmungen wie Tasten, Riechen, Hören und Schmecken an Bedeutung. Diese Erfahrung machten die Kinder am Projekttag der dritten und vierten Klasse in Plaffeien. «Gar nicht so einfach», stellten sie sehr schnell fest, als es darum ging, Gerüche zu erkennen. «Ich habe noch nie Maiglöckchen gerochen», musste eines der Kinder hilflos zugeben. «Du hast aber einen guten Geruchsinn.» Eine sonst wenig beachtete Fähigkeit löste auf einmal Bewunderung bei den Mitschülern aus.

Am Schluss waren sich die meisten einig: «Das gibt Kopfweh.» Und nicht nur, weil das intensive Riechen für Sehende ungewohnt ist, auch die Konzentration machte zu schaffen.

Erkennungszeichen Langstock

Dass eine Sehbehinderung verlangt, viel achtsamer zu sein und den Kopf bei der Sache zu haben, weiss auch die sehbehinderte Plaffeierin Erika von Gunten. Sie hatte für die Schüler einen Parcours mit dem Blindenstock zusammengestellt.

Sie hat es sich angewöhnt, sich jeden Weg mit seinen Hindernissen einzuprägen. Deshalb bewegt sie sich an ihrem Wohnort trotz der Sehbehinderung ohne den weissen Langstock. «Nur wenn ich euch nicht grüsse, dürft ihr das nicht persönlich nehmen», legte sie den Kindern nahe. «Es ist für mich sehr unangenehm, dass ich Leute auf Distanz nicht erkenne, doch wer das weiss, kommt selber auf mich zu.»

An einem weniger bekannten oder hektischen Ort ist Erika von Gunten froh um ihren Langstock. «Es ist wichtig, dass die Mitmenschen wissen, dass ich Schwierigkeiten habe, mich zu orientieren, sonst kann es schnell gefährlich werden, zum Beispiel wenn jemand in Eile ist und eine normale Ausweichreaktion von mir voraussetzt oder ein Rollerblader daherkommt.»

Trotzdem erlebte Erika von Gunten schon mehr als einen Zusammenstoss. Froh ist sie auch um die Markierungsstreifen, die bei den Bahnhoftreppen Anfang und Ende signalisieren. «Wenn ich diese Hilfe nicht habe, sieht für mich alles flach aus.»

Ein Geben und Nehmen

Mit Offenheit und gegenseitiger Achtung lassen sich viele Hindernisse überwinden. «Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen», sieht Lukas Hendry seine Rolle an der Schule. Am Anfang waren die Kinder gehemmt und unsicher, wie sie sich dem blinden Praktikanten gegenüber verhalten sollten, doch das legte sich schnell. Kinder sind da meist unkompliziert, hat Lukas Hendry erfahren.

Für die Schüler war es eine Bereicherung zu erleben, dass vieles trotz einer Behinderung möglich ist. Lukas Hendry ging sogar mit ihnen nach Düdingen Schlittschuh laufen. Heute stehen auch etliche technische Hilfsmittel zur Verfügung. Der sprechende Computer und die tönende Waage sorgten für Staunen.

Auch führen andere Wege zum gleichen Ziel. Mit der Blindenschrift, die aus sechs Punkten besteht, lassen sich alle Buchstaben und Zahlen bilden. «Ich sehe nur noch Pünktchen und Herr Hendry kann das mit seinen Händen so schnell lesen», war eine viel gemachte Erfahrung. «Wir waren schon erstaunt, wie einige Schüler, die sich sonst wild und wenig sozial aufführten, mit unserem blinden Praktikanten auf einmal fürsorglich und verständnisvoll umgingen», erklärte eine Lehrerin.

Die Bereitschaft der Lehrpersonen einen blinden Praktikanten aufzunehmen hat es den Schülern ermöglicht, sich mit seiner Behinderung auseinander zu setzen und Achtung vor seiner Leistung zu entwickeln. cny

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