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Im Hamsterrad der Zeit gefangen

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Mit Notizblock und Kugelschreiber sitzt Rita Raemy seelenruhig auf ihrem Sessel. Die Art und Weise, wie sie mit einem redet, ist behutsam und aufmerksam. Ihre Ausstrahlung vermittelt dem Gegenüber, dass jedes Problem gelöst werden kann, auch wenn es noch so aussichtslos scheint. Als Psychologin ist sie somit gewiss am richtigen Platz, wenn sie Studierende oder Sekundarschüler berät, die keinen Ausweg mehr aus ihrer misslichen Lage finden. Rita Raemy nimmt sie an der Hand und verschafft ihnen wieder Zugang zu Strukturen und Zeitkontrolle. Für die Universität Freiburg und die Erziehungsdirektion des Kantons Freiburg berät die Psychologin jene Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die ein drückendes schulisches Sorgenpäckchen auf den Schultern tragen. Wie eine Person in eine solch missliche Lage gerät, und wie man in kleinen Schritten wieder herausfindet, erklärt Raemy im Gespräch mit den «Freiburger Nachrichten».

Faktor «Zeit»

«Um überhaupt verstehen zu können, wie ein Schüler oder ein Student in eine derart stressige Situation geraten kann, muss zuerst der Ursprung verstanden werden», sagt Raemy. So sei «Zeit» ein Faktor, der von äusseren Gegebenheiten und körperlichen Bedürfnissen strukturiert werde: «Unser Rhythmus ist beispielsweise von aussen vom Licht und der Dunkelheit bestimmt, weshalb wir Tag und Nacht unterscheiden. Zudem strukturieren wir unseren Alltag nach dem Hungergefühl und setzen so die Zeiten des Mittags- oder Abendessens.» Ab der Oberstufe und erst recht im Studium gelten all diese Routinen nicht mehr unbedingt – genüsslich werden manchmal alle diese zeitlichen Regeln über den Haufen geworfen. Die Einteilung der Zeit wird freier und damit schwieriger, so Raemy. «Ab dem ersten Semester dürfen die Studierenden ihren Alltag selbst planen: rechtzeitig für die Prüfungen lernen, Abgabetermine wahrnehmen und eventuell einem Teilzeitjob nachgehen.» Eine neue Herausforderung, die für manchen Jugendlichen zu gross sei.

Wenn das Gehirn streikt

Generell glauben viele Menschen, dass jede Aufgabe zuerst geplant werden müsse, so die Psychologin. Zum Erstaunen ihrer Klientinnen und Klienten rät Raemy allerdings: «Zunächst nicht mehr planen, sondern einfach tun.» Den Leuten sei vielfach nicht bewusst, dass für unser Gehirn «planen» das Gleiche ist wie «tun» – das Gehirn setzt dieselbe Energie frei. «Vielfach planen Studierende ihre Lern- und Arbeitsphase im Voraus ausführlich durch. Wenn sie sich dann endlich dahinter setzen, sind sie energielos und unmotiviert. Meist ist das Gehirn der Übeltäter, das keine Energie mehr zur Verfügung stellen möchte, weil es bei der Planung schon genug arbeiten musste.» Deshalb empfiehlt sie, während den Planungsschritten Teile davon direkt zu realisieren, auch wenn es nur das Erstellen einer Word-Datei sei oder die Auflistung von Literatur. Handeln sei langsamer als Denken und für den Studierenden auch weniger lustvoll. Doch werde mit dem Handeln die Aufgabe immer konkreter, was die Studierenden zuversichtlicher werden lasse. Die Gefahr, zu viel Zeit bei einem Projekt zu verlieren, sei mit der umfänglichen Planung grösser, obwohl sie eigentlich der Zeiteinsparung dienen sollte.

Routine als Retter in der Not

Die meisten Studierenden kennen dieses Phänomen: Während der Lernphase bleibt der Fokus starr auf die Bücher gerichtet, alles andere wird auf später verschoben, und besonders Freizeitaktivitäten werden auf ein Minimum reduziert. Dies sei kontraproduktiv, sagt Rita Raemy. «Je mehr sich unser Gehirn anstrengen muss, umso wichtiger ist ein ausgeglichener Alltag mit einfachen Routinen. Besonders während der Lernphase sollte man seine Gewohnheiten beibehalten.» Sei es das Abendessen mit der Familie oder die kleine Joggingrunde im Wald: Der Mensch führe die Routinen ohne grossen Aufwand automatisch durch, und die angestaute Energie löse sich.

Sich bewegen

Wie wichtig es ist, angesparte Energie abzubauen, würden viele Studierenden unterschätzen, sagt Raemy. So sei Prüfungsangst nichts anderes als «übersäuerte» Energie: Sie wurde lange vor der Prüfung zu früh produziert, werde jedoch nicht gebraucht. Um diese Energie loszuwerden, müsse man sich bewegen, damit sich die Angst nicht bilden könne. «Ein kleiner Spaziergang am Abend würde genügen, um die Panik zu mildern.»

Lernen, richtig abzuschliessen

Dem eigentlichen Beginnen und besonders dem Beenden eines jeden Arbeitsschrittes werde viel zu wenig Priorität zugeschrieben, meint Rita Raemy. Mit einem bewussten Aufstehen könne man den Arbeitstag richtig einläuten. «Die Snooze-Funktion der heutigen Smartphones sollte beim Aufstehen gemieden werden. Besser ist es, mit einem bis zwei Weckrufen wach zu werden und sich im Bett so fest wie möglich zu strecken und zu dehnen, um danach mit einem wachen Körper aufzustehen», erklärt die Psychologin. Und am Schluss sollten alle Arbeitsutensilien weggeräumt werden, um einen Arbeitsschritt oder auch einen Arbeitstag richtig zu beenden. «Der Mensch muss versuchen abzuschliessen, damit ihn die Gedanken in seiner Erholungsphase nicht weiter in Anspruch nehmen», so Raemy.

In kleinen Schritten zum Ziel

«Der Studierende sieht die Masse an Lernstoff und verfällt in eine Blockade – ein Phänomen, dem ich oft begegne», sagt die Psychologin. Deshalb empfehle sie den Klientinnen und Klienten stets, in kleinen Schritten zu arbeiten. Alles einzuteilen, würde wieder ins Planen fallen, was kontraproduktiv wäre, weshalb Raemy den Studierenden zeitlich begrenzte Lerneinheiten empfiehlt. «Ich schlage ihnen vor, mit fünfzehn Minuten zu beginnen. Das mag nun sehr kurz klingen, doch so gelangen meine Klienten Schritt für Schritt ans Ziel», so die Psychologin. Die Studenten bemerkten, wie viel sie in diesen kleinen Zeiteinheiten erreichen könnten, und generierten neue Kraft und neuen Mut.

Nur ein Bereich

Zum Schluss rät die Psychologin: «Das Studium ist nur einer von fünf Bereichen, die zu einem Studentenleben gehören. Daneben gibt es noch die Familie, den Freundeskreis, den eigenen Körper und die persönliche Entwicklung. Deshalb, liebe Studierende: Lebt, und studiert nicht nur!»

«Der Mensch muss versuchen abzuschliessen, damit ihn die Gedanken in seiner Erholungs­phase nicht weiter in Anspruch nehmen.»

Rita Raemy

Psychologin

«Je mehr sich unser Gehirn anstrengen muss, umso wichtiger ist ein ausgeglichener Alltag mit einfachen Routinen. Besonders während der Lernphase sollte man seine Gewohnheiten beibehalten.»

Rita Raemy

Psychologin

Beratung

Hilfe bei Strukturierung

Rita Raemy ist Psychologin bei der Psychologischen Studierendenberatung der Universität Freiburg. Zusammen mit ihrem Arbeitskollegen Jean Ducotterd berät sie einerseits Studentinnen und Studenten der Universität Freiburg, andererseits Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II. Sie alle haben die Möglichkeit, freiwillig und kostenlos die Unterstützung von Rita Raemy und Jean Ducotterd in Anspruch zu nehmen, wenn sie in einer psychisch schwierigen Situation feststecken. Mittels psychologischer und psycho-therapeutischer Techniken beraten die beiden ihre Klienten, um sie aus der Krise zu führen. Am häufigsten unterstützen Rita Raemy und Jean Ducotterd die jungen Menschen bei der Arbeitsstrukturierung und im Umgang mit dem Zeitmanagement.

jp

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