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Im Kabinett des Dr. Gurlitt

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Der Name Gurlitt wird das Berner Kunstmuseum wohl noch lange beschäftigen. Denn auch sechs Jahre nach der spektakulären Entdeckung der verschollenen Sammlung der Kunsthändler-Familie bleiben viele Fragen offen: Noch ist die Herkunft vieler Bilder ungeklärt, noch ist das Thema nicht in seiner Gänze erforscht. Ein weiteres Puzzleteil dazu liefert die aktuell im Kunstmuseum Bern laufende zweite Ausstellung zum Gurlitt-Komplex, die im vergangenen Jahr bereits in der Bundeskunsthalle in Bonn (DE) präsentiert wurde. Unter dem Titel «Bestandesaufnahme Gurlitt» widmet sich diese dem dunklen Kern der einst als «Nazi-Schatz» bezeichneten Sammlung und wirft schlaglichtartig einen Blick auf das Thema Raubkunst.

Dabei sind rund 120 Gemälde, Skulpturen und Grafiken zu sehen, die teilweise unter Raubkunstverdacht stehen und deshalb noch nicht in die Sammlung des Museums aufgenommen worden sind. Um sich dem Thema in seiner ganzen Vielschichtigkeit anzunähern, beleuchtet die kaleidoskopisch angelegte Schau neben den historischen Zusammenhängen auch die Arbeit der Prove­nienz­forscher, welche die Herkunft der Kunstwerke zu entschlüsseln versuchen. Dazu hat das Kunstmuseum sogar einen eigenen Raum eingerichtet – die sogenannte Werkstatt Prove­nienzforschung.

Vom Nazi-Kunstraub profitiert

Dreh- und Angelpunkt der Ausstellung ist die schillernde Persönlichkeit des Kunsthistorikers Hildebrand Gurlitt. 1930 als Opfer der Nazi-Hetze zunächst aus seinem Dienst als Mu­seums­direktor entlassen, konnte sich Gurlitt schliesslich mit einer eigenen Galerie – dem Kunstkabinett Dr. H.  Gurlitt – einen Namen machen. In den 1940er-Jahren profitierte er schliesslich massgeblich vom Kunstraub an den europäischen Juden.

Ab 1943 erwarb er zudem im Auftrag der Nazi-Regenten Kunstwerke für das geplante «Führermuseum» in Linz. Nach dem Zweiten Weltkrieg schaffte es Hildebrand Gurlitt schliesslich, sich in den Entnazifizierungsverfahren der Alliierten als Opfer und Mitläufer zu stilisieren, und entkam so den Konsequenzen für seine Partizipation am NS-Kunstraub. Bis zu seinem Tod im Jahr 1956 bestritt Hildebrand Gurlitt jede Schuld und Teilhabe an den Verbrechen der Nazis.

Umstrittene Persönlichkeit

Gurlitts Aufstieg vom Unterdrückten zum Kunsthändler von Hitlers Gnaden wird anhand von Texten und Dokumenten in der Ausstellung erfahrbar. Dabei wird deutlich, wie eng geflochten das Beziehungsnetz Gurlitts war und wie schwierig eine definitive Bewertung seiner Person letztlich ausfällt. Denn während ihn die einen als Retter der von den Nazis als «entartet» bezeichneten Kunst der klassischen Moderne feiern, schelten ihn die anderen als zentrale Figur im gross angelegten Kunstraub. Hildebrand Gurlitt steht damit exemplarisch für viele Künstler und Intellektuelle, die nach der Machtergreifung der Nazis in Deutschland blieben und sich in verschiedenem Ausmasse mit dem totalitären System arrangierten.

So janusköpfig die Biografie von Hildebrand Gurlitt ist, so heterogen ist auch seine Kunstsammlung. Als Experte für die deutsche Moderne sammelte Gurlitt Werke von Künstlern, die von den Nazis verfolgt wurden. Dazu gehören etwa Otto Dix, Franz Marc, Emil Nolde oder Max Beckmann, den Gurlitt persönlich unterstützte, obwohl dessen Gemälde unter den Nazis zu den meistgehassten gehörten. Zugleich orientierte sich Gurlitt in seiner Sammler- und Händlertätigkeit aber auch am Kunstgeschmack der Nationalsozialisten. So finden sich in seiner Sammlung auch Gemälde der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts sowie eine ganze Reihe von Genre- und Historiendarstellungen des 19. Jahrhunderts.

«Provenienz in Abklärung»

Die kunsthistorische Einordnung der Werke spielt in der aktuellen Ausstellung jedoch eine untergeordnete Rolle. Denn während die Kuratoren in der ersten Gurlitt-Schau zur «entarteten Kunst» noch versuchten, die Werke anhand der wichtigsten Strömungen der modernen Kunst zu ordnen, legen sie jetzt den Fokus ganz auf die rein historischen Fakten und auf den einstigen Werdegang der einzelnen Ausstellungsstücke. Minutiös werden die Geschichten der Kunstwerke erzählt, ehemalige Besitzer und involvierte Händler vorgestellt und Akten zu den Werken zusammengestellt.

Auf die Frage, ob ein Kunstwerk nun als Raubkunst identifiziert werden kann, vermag die Ausstellung in den meisten Fällen aber keine abschliessende Antwort zu geben. Das zeigt etwa der Fall von Claude Monets Gemälde «Waterloo Bridge» von 1903. Zwar findet sich in den Akten Gurlitts eine schriftliche Erklärung seiner Mutter, die besagt, dass sie ihrem Sohn das Bild 1923 zur Hochzeit geschenkt habe. Das Problem dabei: Die Erklärung stammt nachweislich aus dem Jahr 1938 – dem Jahr also, in dem die Judenverfolgungen intensiver und die Zwangsverkäufe der Opfer häufiger wurden. Versuchte Gurlitt, hier einen Fall von Raubkunst zu vertuschen? Noch ist der Status des Gemäldes unklar: «Provenienz in Abklärung», steht wie bei vielen Gemälden der Ausstellung auf der Erklärungstafel.

Anspruchsvoll, aber lohnend

Ob der vielen ungeklärten Fragen werden die Besucher der Ausstellung schliesslich selbst zu Forschern, die den oft verwischten Spuren Hildebrand Gurlitts folgen und dabei lediglich die Spitze des Eisbergs erahnen können. Diese «Bestandesaufnahme» ist anspruchsvoll und verlangt ein Publikum, das viel zu lesen bereit ist. Selten finden sich heutzutage Kunstausstellungen, in denen eine derart grosse Menge an Text zu bewältigen ist. Der Besuch im «Kunstkabinett Dr. H. Gurlitt» ist kein Spaziergang und lohnt sich gerade deshalb. Macht er doch die Knochenarbeit der Wissenschaftler nachvollziehbar, welche die Wege der Kunst in Zeiten der Barbarei freizulegen versuchen.

Kunstmuseum Bern. Bis zum 15. Juli. Öffnungszeiten: Di. 10 bis 21 Uhr, Mi. bis So. 10 bis 17 Uhr. Weitere Informationen unter: www.kunstmuseumbern.ch

Raubkunst

Die Aufarbeitung ist längst nicht abgeschlossen

Als Raubkunst werden Kunstwerke bezeichnet, die in den 1930er- und 1940er-Jahren im Zuge der Judenverfolgung durch die Nationa­lsozialisten beschlagnahmt und gestohlen wurden. Dazu gehören in einem weiteren Sinne auch Werke, deren Besitzer wegen ihrer Flucht vor den Nazis zum Verkauf unter Wert gezwungen waren. Mehr als 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ist die Rückgabe dieser Werke an ihre ursprünglichen Besitzer noch lange nicht abgeschlossen; das dunkle Kapitel der europäischen Kunstgeschichte harrt immer noch seiner kompletten Aufarbeitung. Seit 2003 befasst sich in Deutschland die sogenannte «Limbach-Kommission» mit der Raubkunst und mit der Rückgabe an die Erben der Bestohlenen. Der Kunstfund Gurlitt lenkte die Aufmerksamkeit auch auf die Rolle des Kunsthandels bei der systematischen Ausplünderung der europäischen Juden und zeigt, wie schwierig die Arbeit der Provenienzforschung ist.

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Chronologie

Anatomie eines Kunst-Skandals

Februar/März 2012: Im Zuge einer Ermittlung wegen Steuerhinterziehung durchsuchen die deutschen Behörden die Münchner Wohnung von Cornelius Gurlitt – dem Sohn des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt. Dabei beschlagnahmen sie wegen Raubkunstverdachts 1259 Kunstwerke. Der sogenannte «Schwabinger Kunstfund» bleibt zunächst geheim.

November 2013: Das Nachrichtenmagazin «Focus» macht den Fall Gurlitt publik und spricht von der Entdeckung eines «Nazi-Schatzes». Eine von der Bundesrepublik Deutschland und dem Freistaat Bayern eingerichtete Taskforce beginnt damit, die Herkunft der gefundenen Kunstwerke zu erforschen.

Februar 2014: In Cornelius Gurlitts Zweitwohnung in Salzburg werden zahlreiche weitere Kunstwerke sichergestellt. Der Kunstfund Gurlitt wächst damit auf über 1500 Werke an.

Mai 2014: Cornelius Gurlitt stirbt am 7. Mai mit 81 Jahren. Am Tag darauf erfährt die Stiftung Kunstmuseum Bern unerwartet, dass Gurlitt sie in seinem Testament als Alleinerbin eingesetzt hat.

November 2014: Nach langer Bedenkzeit beschliesst das Kunstmuseum Bern, die Erbschaft anzunehmen, betont aber, dass es keine als Raubkunst ausgewiesenen Werke in seine Sammlung aufnehmen wird. In der Folge geht die wissenschaftliche Aufarbeitung des Kunstfundes weiter, erste Werke werden an ihre ursprünglichen Besitzer restituiert.

November 2017: Zwei Ausstellungen zeigen erstmals Werke aus dem Kunstfund Gurlitt. Die Ausstellung im Kunstmuseum Bern beschäftigt sich mit dem Thema «Entartete Kunst», eine zweite Ausstellung in der Bundeskunsthalle in Bonn (DE) mit dem Thema Raubkunst.

April 2018: Die beiden Kunstmuseen wechseln die Ausstellungen: Bern zeigt die Bonner Schau über Raubkunst, während in Bonn die Berner Ausstellung zu sehen ist. Der Fall Gurlitt ist noch nicht abgeschlossen. Die Herkunft zahlreicher Kunstwerke bleibt unklar.

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