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«Im Kosovo ist es meistens nicht viel gefährlicher als in Murten»

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Autor: Marc Kipfer

Karl Küng, am Donnerstag reisen Sie mit 220 Soldaten in den Kosovo. Ist das Kontingent bereit?

Absolut. Wir wurden gut ausgebildet, es ist ein guter Geist vorhanden, die Leute sind motiviert. Erstmals hat das ganze Kontingent im ersten Anlauf die Schlussprüfung bestanden.

Ist die Lage im Kosovo für die Swisscoy gefährlich?

Wenn wir uns so verhalten, wie wir dies im Ausbildungskurs trainiert haben, ist es nicht gefährlicher, als sich zum Beispiel in Murten oder in Bern zu bewegen. Der Kosovo ist ja nicht ein Kriegs-, sondern ein Krisengebiet.

Mit welchen Gefahren werden Sie im Einsatz konfrontiert?

Die grösste Gefahr sind Verkehrsunfälle, so seltsam das vielleicht tönt. Viele Kosovaren fahren ziemlich schlimm Auto. Die zweitgrösste Gefahr geht von Minen aus. Diesbezüglich hatten wir eine gute Ausbildung und bewegen uns nur auf freigegebenen Strassen. Die dritte Gefahr geht von der organisierten Kriminalität aus. Unberechenbar ist zudem, wie schnell sich die Lage ändern könnte. Es kann zu politischen Demonstrationen oder Anschlägen kommen.

Warum ist die organisierte Kriminalität so bedeutend?

Die Arbeitslosigkeit beträgt im Kosovo etwa 60 Prozent. Bei den jungen Erwachsenen sogar noch mehr. Da passiert die Abwanderung in die Kriminalität relativ schnell.

Als Berufsmilitär sind Sie zu Auslandeinsätzen verpflichtet. War der Kosovo Ihre Lieblingsdestination?

Ich arbeite seit drei Jahren auf Stufe Armeeführung im Pentagon in Bern und hatte das Gefühl, schon etwas weit weg von den Leuten zu sein. Also kam bei mir der Wunsch auf, jetzt einen Auslandeinsatz in einer Führungsposition zu leisten. Da drängt sich im Moment nur die Swisscoy auf.

Was werden Sie als Oberbefehlshaber an einem normalen Tag im Kosovo tun?

Grundsätzlich bin ich für die mir anvertrauten 220 Soldatinnen und Soldaten im Kosovo und in Mazedonien zuständig. Die Erfahrung zeigt, dass sehr viele Probleme aus dem sozialen Umfeld der Soldaten am Schluss bei mir als National Contingent Commander (NCC) landen. Wenn einem Soldaten die Freundin in der Schweiz davonläuft, kümmere ich mich darum. Zudem gilt es, das Netzwerk im Kosovo aufrechtzuerhalten. Daneben arbeite ich eng mit dem Schweizer Botschafter und mit anderen Kommandanten und NCC zusammen und tausche Informationen aus. Dazu kommen weitere Führungsaufgaben als Kontingentskommandant.

Ist die Arbeit der Swisscoy nicht bloss Hilfsarbeit, um die Kontingente anderer Länder zu unterstützen?

Zu einem Teil stimmt das. Wir leisten wertvolle Unterstützung, damit die K-FOR-Truppen ihren Job erledigen können. Wir Schweizer sind zum Beispiel absolute Cracks in Sachen Wasseraufbereitung. Zusätzlich stellen wir aber auch eine ganze Infanteriekompanie zu Gunsten eines österreichischen Bataillons. Das sind unsere zwei Säulen. Relativ stark ist die Schweiz auch in der Stabsoffiziersausbildung. Einige meiner Stabsoffiziere leisten im Brigadestab der Deutschen oder im Bataillonsstab der Österreicher ihren Einsatz.

Drei Monate lang wurde das Kontingent in Stans auf den Einsatz vorbereitet. Wie streng ist das körperliche Training?

In der Infanteriekompanie sind alle fit und müssen das auch sein. Zum Teil sind aber auch Fachspezialisten wie Ärzte, Krankenschwestern oder Wasseraufbereiter am Werk, bei denen es weniger um die körperliche Fitness geht.

Wie viel Wissen über diese Region eignen Sie sich an?

Bereits in der Ausbildung nimmt dies einen grossen Stellenwert ein. In Referaten hören die Soldatinnen und Soldaten, wie es im Einsatzgebiet aussieht. Geografische, historische und ethnische Kenntnisse sind wichtig. Mit dem Schlüsselkader war ich zudem schon im Kosovo. Jeder konnte sich mit dem Vorgänger in seiner Funktion austauschen.

Lernen Sie auch die lokalen Sprachen?

Nein, denn das ist im Kosovo heikel. Je nachdem, ob eine Antwort in Albanisch oder Serbisch erteilt wird, hat man schon Partei ergriffen. Wir kommunizieren auf Englisch oder Deutsch, das viele beherrschen. Manchmal ist man überrascht, wenn einem Kosovaren im breitesten Schweizerdeutsch antworten.

Sie leiten ausgerechnet das 20. Kontingent zum 10-jährigen Jubiläum der Swisscoy. Hatten Sie einen solchen Einsatz schon seit Beginn Ihrer Militärkarriere im Auge?

Als ich Berufsoffizier wurde, gab es noch keine Einsätze der Schweizer Armee im Kosovo. Jetzt ist der Einsatz eine gute Ergänzung zu den Führungspositionen, die ich in der Schweiz bereits innehatte. Er ist sozusagen die vorläufige Krönung.

Aber Entbehrungen wird es in diesem halben Jahr sicherlich auch geben?

Klar, schon jetzt während der Vorbereitung in Stans muss ich auf gewisse Freiheiten verzichten. Ich wohne und arbeite monatelang in einem Container. Bis jetzt schätzte ich es am Wochenende sehr, in einem sonnigen Wohnzimmer in einem angenehmen Polstersessel zu sitzen.

Ein halbes Jahr weg von Murten . . .

Ich bin extrem verliebt in diese Gegend. Als Glarner bin ich Berge und Schnee gewöhnt, aber seit ich hier wohne, geniesse ich tagtäglich die Offenheit. Das meine ich sowohl landschaftlich als auch von den Einwohnern her. Murten wird auch nach dem Swisscoy-Einsatz mein Heimathafen bleiben.

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