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Im Land der mächtigen Königinnen

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Der Galmwald ist in der Schweiz ein Unikum: Er bildet eine eigenständige geografische Gemeinde ohne Einwohner. Oder besser: Die Eichen sind die Einwohner. 1713 pflanzte der Schultheiss von Murten auf Befehl der Obrigkeiten von Bern und Freiburg auf rund 150 Hektaren einen Eichenwald an. Rund sieben Hektare dieses Waldes bestehen bis heute, über 300 Jahre später. «Wir sind bekannt für unsere Eichen», sagt Thomas Oberson, Revierförster und Betriebsleiter der Revierkörperschaft (RK) Galm, und blickt zu einer mächtigen Eiche. Für ihn sind die Eichen die Königinnen der Bäume.

«Die Eichen im Galmwald sind ein Mythos», erklärt Oberson. Deshalb sei deren Holz sehr gesucht, «und wir können das Eichenholz zu einem guten Preis verkaufen». Auch das Kunstwerk vor dem Museum Murten ist aus Galm-Eichenholz: Der Künstler Beat Breitenstein hatte sich die Bäume bewusst als Hülle für seinen lebensgrossen Elefanten ausgesucht.

Die Herausforderung für die RK Galm sei, den Eichenwald zu erhalten und gleichzeitig gut zu wirtschaften. «Wie in vielen Fällen stehen wir zwischen Ökologie und Ökonomie», sagt Oberson, der seit 2010 im Galmwald arbeitet, «es ist ein ständiges Abwägen». Sie hätten nicht mehr so viele Eichen, gibt der Förster zu bedenken. Gleichzeitig sei der Verkauf von Eichenholz wichtig für die RK Galm. Einerseits wegen der Einnahmen und andererseits, um den guten Ruf als Lieferant von besonderem Eichenholz nicht zu verlieren.

Eichen brauchen Licht

Es ist ein leises Knarren zu hören, die Lautstärke steigt an – und es folgt ein dumpfer Aufprall auf dem weichen Waldboden; fröhlich flattern Herbstblätter durch die Luft, und ein zarter Holzduft breitet sich aus: Die Waldarbeiter haben eine Buche gefällt. «Damit die Eichen wachsen können, müssen wir den Wald auslichten.» Denn Eichen brauchen Sonnenstrahlen. Im Gegensatz dazu haben Buchen kein Problem damit, im Schatten zu wachsen. «Würden wir keinen Einfluss nehmen, hätten wir hier fast ausschliesslich Buchen», erklärt Oberson. Ein erster Blick auf die Ringe zeigt: Die Buche war etwa 160 Jahre alt. «Der Förster erntet das Holz, das vor über 100 Jahren zu wachsen begann. Und er arbeitet für die nächsten 100 Jahre», sagt Oberson.

Der Forwarder HSM 805F rückt näher, die Maschine mit ihrem Kran wiegt knapp 15 Tonnen und kann rund zehn Tonnen Holz aufladen und transportieren. Es vergeht kaum eine Viertelstunde und der Stamm einer zuvor gefällten Fichte ist in Stücke geschnitten und aufgeladen. «Mit Maschinen kommen wir schneller voran», erklärt der Betriebsleiter, «zudem ist die Arbeitssicherheit deutlich grösser.» Grössere Unfälle habe es in seiner Zeit bei der RK Galm glücklicherweise keine gegeben. Jeder Waldarbeiter trägt eine spezielle Schutzkleidung und einen Helm, an dem ein Funkgerät angebracht ist. «So können wir ständig kommunizieren, das hilft uns sehr», sagt Oberson. Seine Leute könnten es sich wohl gar nicht mehr vorstellen, ohne technische Hilfsmittel zu arbeiten. Doch die grossen Fahrzeuge haben auch einen Nachteil: Mit ihrem Gewicht pressen sie den lockeren Waldboden zusammen. Waldboden ist wie ein Schwamm mit unzähligen Poren, Bodendruck ist schlecht für ihn. «Da sind wir auch unter Druck», sagt Oberson. Inzwischen seien die Forstwarte darauf sensibilisiert, den Boden möglichst zu schützen. «Denn der Waldboden braucht etwa 50 Jahre, bis er sich wieder erholt hat.» Sie achteten darauf, immer an denselben Stellen mit dem Forwarder in den Wald zu stechen und auch nur so weit, wie es wirklich nötig ist. Und der sechsachsige Forwarder drücke den Boden nicht massiv zusammen, das Gewicht verteile sich. Ohne Maschinen zu arbeiten sei heute finanziell schlicht nicht tragbar. Und dennoch: «Wir arbeiten in der Natur und mit der Natur zusammen», es gebe für ihn keinen schöneren Beruf, sagt Oberson.

Erlebnispfad

Infos zu Eichen und Geschichte

Ein Teil des Galmwaldes gilt heute als Reservat für die Lokalart Trauben­eiche. Wer im Galmwald spaziert, erfährt auf den Infotafeln von «Galmelin’s Erlebnispfad» mehr über die Geschichte der mächtigen und teils sehr alten Bäume. So können die Waldbesucher zum Beispiel erfahren, dass Napoléon Bonaparte den Galmwald 1803 dem Kanton Freiburg zuteilte. So wurde er zum Staatswald und zum Schweizer Unikum. Der Eichenpfad befindet sich im Obereichelried und startet beim Forsthaus der Revierkörperschaft Galm.

emu

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