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«Im Zentrum stand immer der Mensch»

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Es sei die beste Vorbereitung gewesen, die er je gemacht habe, pflegte Gottérons Konditionstrainer Bruno Knutti vor dem Start in die Saison jeweils zu sagen. Was nicht wenige nur als platten Spruch abgetan haben, sagte der 54-jährige Düdinger aus Überzeugung. «Ich habe stets daran geglaubt. Die Physis ist aber in der Saisonvorbereitung nur ein Aspekt. Hinzu kommen die technischen und taktischen Komponenten und der Zusammenhalt im Team, auf den ich im Winter kaum mehr Einfluss nehmen konnte. Im körperlichen Bereich jedoch habe ich versucht, das Maximum aus jedem Spieler herauszuholen. Denn wenn ich es mache, dann will ich es perfekt machen.»

Schmerzhafte Entlassung

Das Optimum aus jedem Einzelnen herausholen, das war die Maxime Knuttis während seiner 25 Jahre bei Gottéron. Nachdem er 1990 das Amt des Konditionstrainers zum ersten Mal übernommen hatte, wurde der Sportlehrer 2002 vom damaligen TK-Chef Roland von Mentlen vor die Türe gestellt. «Das hat wehgetan.» Es war Trainer Serge Pelletier, der ihn vier Jahre später anfragte, ob er nicht mit ihm zusammen zu Gottéron zurückkehren wolle. So folgten weitere 13 Jahre im Club. Eine lange Zeit, in der sich die Arbeit des Konditionstrainers wesentlich verändert hat. «Früher war alles noch im semiprofessionellen Bereich angesiedelt. Die meisten Spieler arbeiteten wie ich auch den ganzen Tag über und trainierten erst am Abend.» Heute sei es kaum mehr denkbar, dass ein Spieler nebenher eine berufliche Tätigkeit ausübe – obwohl das durchaus wünschenswert wäre. «Wenn du nie in einem ‹normalen› Leben gesteckt hast, dann entfremdest du dich als Sportler immer mehr und lebst in einer fiktiven Welt. Und dann kommt der grosse Boomerang, wenn deine Karriere vorbei ist.» Die Grundstruktur des physischen Trainings sei hingegen über die Zeit ähnlich geblieben. «Allerdings musste ich feststellen, dass der Mensch heute weniger belastbar ist als vor 20  Jahren. Vielleicht ist das ein Zeichen dafür, dass unsere Gesellschaft etwas verweichlicht ist.» Früher seien die Spieler robuster gewesen. «Es wurde zwar weniger trainiert, dafür umso intensiver.»

Von den Spielern gelernt

Bruno Knutti hat diesem gesellschaftlichen Wandel Rechnung getragen, sich weiterentwickelt und sich den neuen Ansprüchen angepasst. «Die russische Trainerlegende Wiktor Tichonow sagte einst, dass man von allen etwas lernen kann und nie selbstzufrieden sein darf.» Im täglichen Austausch mit seinen Spielern suchte Knutti deshalb nach neuen Inputs und Ideen. «Von Slawa Bykow habe ich beispielsweise Einblicke darüber gewonnen, wie in Russland trainiert wurde. Die sieben Jahre mit ihm waren für mich eine sehr prägende Zeit.» Dank Bykow und dessen kongenialem Spielpartner Andrei Chomutow fand Knutti den Zugang zur Literatur aus dem Ostblock. «So gab es etwa in der ehemaligen DDR, gerade was die Leichtathletik anging, ein grosses Wissen. Vieles wurde dort richtig gemacht, man darf nicht nur an Doping denken.» Der lernbegierige Knutti war offen für Neues. Der schwedische Torhüter Thomas Östlund brachte ihm die skandinavische Herangehensweise näher, die Besuche bei Goalie David Aebischer in Denver gewährten ihm Einblicke in die amerikanische Arbeitsweise. «Mit all diesen Einflüssen habe ich dann meine ganz eigene Philosophie aufzubauen versucht. Dadurch konnte ich mir mein Grundgerüst von der Trainingslehre selbst erarbeiten. Im Vergleich zu vielen anderen Konditionstrainern bin ich authentischer, weil ich nichts kopiert habe, sondern meine persönliche Leitlinie kreiert habe.»

Absagen für den SC Bern

Geradezu elementar bei seiner Arbeit sei für ihn im Umgang mit den Spielern der zwischenmenschliche Faktor gewesen. «Im Zentrum stand immer der Mensch. Deshalb hatte ich nach der Saison Mühe loszulassen. Ich wollte immer einen familiären Zusammenhalt schaffen, habe die neuen Spieler willkommen geheissen und integriert. Das Training ist das eine, primär interessiert hat mich jedoch die Person hinter dem Sportler.» Den verschiedenen Charakteren gerecht zu werden, war sein Hauptanliegen. «Mir war es wichtig, mit jedem Spieler seinen ganz persönlichen Weg zu gehen. Einige wollen mehr von dir, andere etwas weniger. Es gibt Spieler, die du pushen musst, und andere, die du mit Samthandschuhen anpacken und womöglich über Umwege und mit Gesprächen zum Ziel führen musst. Dafür braucht es viel Empathie.»

Knutti sagt, dass er in den 25  Jahren viele wertvolle Freundschaften aufbauen konnte. Die Verbundenheit mit dem Verein ist auch deshalb fest – so fest, dass er gleich viermal finanziell lukrative Offerten des Erzrivalen SC Bern ausgeschlagen hat. «Ich glaubte, dass ich es schaffen konnte, mit Gottéron den Titel zu holen und den ganzen Kanton in Ekstase zu versetzen.» Das sei stets seine Triebfeder gewesen. Seinem Nachfolger Simon Holdener habe er gewünscht, dass dieser nicht so viele Jahre wie er auf den Erfolg warten müsse. Besonders lag Knutti am Herzen, Holdener über die Eigenarten des Vereins aufzuklären. «Der Club übt im Kanton die Funktion des Brückenbauers zwischen zwei Kulturen aus.» Der langjährige Präsident Jean Martinet habe ihm einmal gesagt: «Bruno, du bist der Hüter der Gottéron-Seele.» Diese Worte hätten in bis zum Schluss beeinflusst. «Das ist heute noch so. Wir müssen zur Geschichte des Clubs Sorge tragen. Denn Gottéron ist mehr als nur ein Sportverein.»

Neuer Job beim STB

Zurück zu den Wurzeln

«Ich wollte selber entscheiden können, wann Schluss ist», sagt Bruno Knutti zu seinem Abschied bei Gottéron. «Ausserdem bleibt die Klientel immer gleich jung, ich aber werde älter. Wenn ich noch etwas verändern will, dann jetzt. Ich habe noch zehn Jahre vor mir, in welchen ich in die Richtung Trainer-Coaching gehen kann.» Darum hat er beim Stadtturnverin Bern (STB) eine 40-Prozent-Stelle als Headcoach und damit die Leitung des 40-köpfigen Trainerteams angenommen. Für den ehemaligen Zehnkämpfer und Stabhochspringer – in beiden Disziplinen hält er den Freiburger Rekord – ist es eine Rückkehr zu den Wurzeln. Statt im St. Leonhard wird Knutti nun täglich im Berner Wankdorf anzutreffen sein – vorzugsweise auf dem Feld und nicht im Büro. «Primär geht es darum, die Fäden zu ziehen, die Trainer zu führen und zu coachen.» Zu den Aufgaben gehört auch, die Kar­riere­planung mit den Athleten zu machen. «Für mich ist das sehr spannend. Wie ist es möglich, die berufliche und die sportliche Ausbildung der Athleten zu entflechten, so dass sie einen Plan A, B und sogar C haben?»

In Bern wird Knutti von der Spitzenathletin Mujinga Kambundji bis hin zu Nachwuchshoffnungen die ganze Palette betreuen und zusammen mit Trainerinnen wie der ehemaligen Spitzenläuferin Sandra Gasser versuchen, den Leistungssport nach vorne zu bringen. Ein weiterer Aspekt, der Knutti wichtig ist, ist die Begleitung von verletzten Athleten auf ihrem Weg zurück. «Bei Gottéron konnte ich diesbezüglich viel Erfahrung sammeln. Ich kann Menschen rasch erfassen und erkennen, was sie brauchen – und sie somit auffangen.»

fs

 

«Ich glaubte, dass ich es schaffen konnte, mit Gottéron den Titel zu holen und den Kanton in Ekstase zu versetzen.»

TS Volley Düdingen

Eine Familie wie einst Gottéron

Die Anstellung beim STB ist nur ein Teil der beruflichen Tätigkeit Bruno Knuttis. Wie bisher auch schon wird er seine Dienste als Coach über seine Firma Optimal Coaching Knutti allen Interessierten anbieten. «Ich bin offen für alle Clubs aus der Region und gebe meinen Rat gerne in anderen Sportarten weiter.» Zudem wird er sich weiter um die Physis der Spielerinnen des TS Volley Düdingen kümmern. «In dieses Engagement stecke ich vor allem mein Herzblut und versuche, den Leistungssport in den Club hineinzutragen.» Die Arbeit sei jener, die er bei Gottéron gemacht habe, sehr ähnlich. «In Düdingen finde ich eine ganz flotte Truppe vor mit starken Persönlichkeiten. Vorstand, Trainer und Spielerinnen sehen sich als Familie. Diese Atmosphäre zieht viele Spielerinnen nach Düdingen, so wie ich es vor 20 Jahren noch bei Gottéron erlebt habe.»

fs

 

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