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Inszenierungen geniessen Freiheit

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Nachdem 2014 über 36 000 Menschen das Freilichtspiel «1476» gesehen haben, feiert am 18. Mai das Stück «Helvetische Revolution–eine Idee von Freiheit» oberhalb von Murten Premiere. Inszenierungen von Geschichte wie Freilichtspiele, Filme oder auch historische Romane treffen einen Nerv. Doch sie stossen auch auf Kritik. Oft lautet der Vorwurf, die Inszenierungen würden die historische Realität verzerren und damit ein falsches Geschichtsbild vermitteln.

Kunstgriffe sind nötig

Daniel Howald, Autor des Drehbuchs zur «Helvetischen Revolution», räumt ein, dass er sich nicht immer streng an die historischen Fakten hält. «Ich brauche eine gewisse künstlerische Freiheit, damit ich überhaupt eine bühnentaugliche Geschichte erzählen kann.» Gerade die Epoche der Helvetik sei verworren: «Zahlreiche Figuren tauchen auf und verschwinden kurze Zeit später wieder.» Würde er alle diese Brüche und Sprünge in seine Geschichte aufnehmen, könnte das Publikum wohl nur schwerlich folgen.

In seinem Stück lässt Howald Figuren länger erscheinen, als sie in der historischen Realität präsent waren. So wurde zum Beispiel der Basler Politiker Peter Ochs bereits 1799, ein Jahr nach Beginn der Helvetischen Republik, von der Macht verdrängt. Auf der Bühne erscheint er hingegen während des ganzen Stücks. Dazu hat Howald fiktive Personen wie die junge Daphne geschaffen. Der Vorteil: «Die fiktiven Figuren geben mir mehr Freiheit, da sie gar nicht historisch authentisch sein können.» Künstlerische Freiheit nimmt sich Howald auch beim Handlungsort. Das Zentrum der Helvetischen Revolution war zuerst Aarau, dann Luzern und schliesslich Bern. «Mehrere Ortswechsel würden aber den Rahmen der Bühne sprengen und das Publikum verwirren» so Howald. Deshalb siedle er die Handlung seines Stückes hauptsächlich in Bern an. Dies nicht zuletzt aufgrund der regionalen Nähe zu Murten.

Neben historischen Theaterstücken wirkte Howald auch bei der Filmserie «Die Schweizer» des Schweizer Fernsehens SRF mit. Auch im Film müsse er kohärente Handlungsstränge schaffen und dafür auch einmal fiktive Elemente einbauen. Er könne in Filmen aber eher einmal den Ort wechseln als im Theater, das stärker an einen Schauplatz gebunden ist.

Grenzen der Freiheit

Dass sich Drehbuchautoren und Regisseure einen künstlerischen Umgang mit historischen Fakten erlauben, stösst auch bei Fachhistorikern nicht durchwegs auf Ablehnung. «Geschichte braucht Gesichter und Schicksale», sagt Volker Reinhardt, Professor für Geschichte der Neuzeit an der Universität Freiburg. «Ohne das wäre sie für ein breites Publikum gar nicht vermittelbar.» Reinhardt zieht einen Vergleich zur Flüchtlingskrise. «Die Berichte über das Thema Flüchtlinge werden dann richtig erschütternd, wenn sie Einzelschicksale aufzeigen.»

Historische Inszenierungen, so Reinhardt, bestimmen die Geschichtsbilder der grossen Mehrheit der Bevölkerung. «Selbst historische Fachpublikationen, die sich an ein breiteres Publikum richten, erreichen im ganzen deutschsprachigen Raum im günstigsten Falle eine Auflage von 15 000 Exemplaren.» Historische Romane würden dagegen teilweise millionenfach verkauft. So hätten sie eine ganz andere Durchschlagskraft. «Ich habe selber als Berater bei historischen Filmen mitgewirkt, bei denen ich einige dramaturgische Konzessionen an das Medium Fernsehen eingehen musste», erzählt Reinhardt.

Historische Inszenierungen seien oft aus der Optik der Gegenwart geschrieben und dienten vor allem zur Selbstvergewisserung der heutigen Generationen. «Sie haben nicht den Anspruch, ein historisches Ereignis im Kontext ihrer Epoche abzubilden.» Das müssten sie aber auch nicht, findet Reinhardt. «Jedem Theatergänger ist klar, dass solche Inszenierungen keine wissenschaftlichen Darbietungen sind.» Historische Theater oder Filme könnten aber eine Vorstufe für eine ernsthaftere Auseinandersetzung sein.

Dennoch gibt es für Reinhardt Grenzen der künstlerischen Freiheit: «Diese liegt dort, wo historische Fakten bewusst und systematisch verfälscht werden.» Es sei aber legitim, auf der Grundlage historischer Fakten zum Beispiel Schicksale dazuzuerfinden oder Zeitzeugen auftreten zu lassen, die so nicht überliefert sind. Dabei solle man aber nicht gegen die Ergebnisse der seriösen Geschichtswissenschaft argumentieren.

Daniel Howald sieht es ähnlich: «Ich würde keine Fakten verfälschen, nur um das Stück interessanter zu machen.» Die Geschichte mit einem spektakulären Mord anzureichern, darauf würde er verzichten. Er stütze sich auf die historischen Linien: «Ochs erscheint im Stück zwar länger als er in der Realität an der Macht war.» Die Figur mit ihren politischen Positionen entspreche aber durchaus den Erkenntnissen der Fachhistoriker. «Ich schmücke die Geschichte aus, argumentiere aber nicht gegen die Fakten», betont Howald.

Was bedeutet Wahrheit?

 Doch was bedeutet überhaupt historische Realität? «Es gibt die Geschichte der Fachhistoriker und es gibt ihre politische Instrumentalisierung für die Gegenwart», sagt Volker Reinhardt. Für Daniel Howald ist auch die Geschichte der Fachhistoriker nicht immer eindeutig. Gerade die Würdigung einer Epoche sei oft widersprüchlich. «Ein pointiert links stehender Historiker sieht die Helvetik als Fortschritt, währenddem konservative Historiker eher von einer Besatzung sprechen.» Mit seinem Stück «Helvetische Revolution» wolle er einem breiteren Publikum Geschichte vermitteln. «Ich will den Zuschauern ein differenziertes Bild der Epoche zeigen», so Howald.

Definition

Helvetische Republik als Experiment

Helvetische Revolution bezeichnet die Vorgeschichte der Helvetischen Republik. Ausgangspunkt war die Französische Revolution zwischen 1789 und 1799. Sie verlieh in Europa Ideen von Freiheit und Demokratie Auftrieb. Sie brachte so auch die Alte Eidgenossenschaft ins Wanken. 1798 marschierten französische Truppen in die Schweiz ein. Sie förderten die Ausrufung der Helvetischen Republik, einem zentralistischen Einheitsstaat nach dem Vorbild von Frankreich. Die innerschweizerischen Konflikte liessen sich damit aber nicht beruhigen. Bereits nach fünf Jahren war die schwerfällige Republik am Ende. Napoleon löste sie 1803 mit der Mediationsakte ab. Nach einer weiteren Verfassungsrevision sowie dem Sonderbundskrieg zwischen konservativen und liberalen Kantonen begründete die Verfassung von 1848 den modernen Bundesstaat.sos

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