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Interview: «Lieber provokativ als langweilig»

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Als Leiter der Basler Plakatsammlung hat der kürzlich pensionierte Rolf Thalmann 25 Jahre lang Plakatmotive gesammelt, aus denen sein Buch «So nicht!» entstand. Ein Gespräch über umstrittene Plakate, Provokationen und Langeweile.

Rolf Thalmann, was fasziniert Sie an dem Thema der umstrittenen Plakate?

Dass der Ansatz bei der Wirkung in der Öffentlichkeit liegt. Ich bin bei meinen Forschungen für das Buch nicht von der üblichen kunsthistorischen «Schüler von»-Perspektive ausgegangen, sondern von den Reaktionen, welche die Plakate bei den Betrachtern und in den Medien auslösten – und das über einen Zeitraum von 130 Jahren hinweg.

Welche Entwicklungen haben Sie in diesem Zeitraum festgestellt?

Vor allem habe ich festgestellt, dass sich im Grunde wenig verändert hat. Die Themen, an denen die Gemüter sich erhitzten, sind die gleichen geblieben. Bestes Beispiel ist die Kampagne «Herrliches Arosa» mit der Dame im gelben Bikini, die bei der zweiten Auflage 2006 ganz ähnliche Kritik auslöste wie bereits 1935. Was sich geändert hat, ist die Absicht der Urheber. Bis in die 1960er-Jahre entstanden auch die umstrittensten Plakate in guten Treuen; niemand wollte diese heftigen Reaktionen auslösen. Spätestens ab 1980 kann man hingegen davon ausgehen, dass ein Plakat, das provoziert, auch gemacht wurde, um zu provozieren.

Mit welchen Themen kann man denn heute überhaupt noch provozieren?

Ich möchte den Werbern nicht die Arbeit abnehmen … Aber was sicher immer funktioniert, ist das, was die SVP seit einigen Jahren auf politischem Gebiet praktiziert.

Gibt es Plakatmotive, die Sie persönlich nicht sehen möchten?

Eigentlich nicht. Man kann sich zwar über vieles streiten, aber mir ist eine gute Provokation allemal lieber als ein blödes oder fades Plakat. Langweilige Werbung ist für mich die grösste Provokation!

Haben Sie umgekehrt eine Lieblingskampagne?

Keine einzelne Kampagne. Aber allgemein finde ich gute Textplakate mit geistiger Sprengkraft mindestens ebenso faszinierend wie Bildplakate, auch wenn sie im Buch und in der Ausstellung etwas zu kurz kommen. cs

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