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Islam-Zentrum bleibt weiter auf Kurs

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Das Resultat ist deutlich, nicht aber die Erkenntnis daraus. 52 Grossräte wollten den Staatsrat damit beauftragen, dass er die Universität Freiburg anweist, die Planung für das Islam-Zentrum zu stoppen. 38 stellten sich hinter Staatsrat und Rektorat. Doch die Mehrheit gegen das Projekt reichte nicht: Die Regeln sehen vor, dass sich 56 Grossräte für einen Auftrag aussprechen müssen. Deshalb ist er gestern im Rat gescheitert. Die Planung geht nun weiter, die Uni will dem Bund ein konkretes Projekt vorlegen. Wie Emanuel Waeber (SVP, St. Antoni) auf Anfrage erläutert, erwartet seine Partei vom Staatsrat eine Intervention bei der Uni. Je nach Ausgang dieser Demarche droht er mit der Lancierung einer Initiative zur Änderung des Unigesetzes.

Politik und Emotionen

Im Vorfeld gab es hitzige Aussagen, und die Emotionen gingen hoch. Die Gegner des Zentrums warnen vor Risiken, die mit dem Zentrum verbunden seien. Nicolas Kolly (SVP, Essert) warnte davor, dass auch andere Religionen ihre Geistlichen an staatlichen Universitäten ausbilden lassen wollten. Die Finanzierung durch den Bund sei zudem nicht gewährleistet. Er äusserte seine Befürchtung, dass der christliche Charakter der Universität verloren gehen könnte. Auch Ueli Johner (SVP, Kerzers) warnte: «Wollen wir am Ast unserer abendländischen Kultur und an unseren christlichen Wurzeln sägen?» Für Roland Mesot (SVP, Châtel-St-Denis) gibt es zu viele Widersprüche im Konzept. Aus seiner Sicht ist nicht einmal klar, ob es sich nun um eine Imam-Ausbildung handelt. Stéphane Peiry (SVP, Freiburg) zweifelte daran, dass es beim wissenschaftlichen Austausch bleiben würde. Er warf dem Staatsrat Heuchelei vor; er sei sicher, dass im Zentrum bald eine Brutstätte für fundamentalistische Prediger entstehen werde. Er warnte auch vor Geldern aus dunklen Quellen, die nach Freiburg fliessen könnten.

 «Der Steuerzahler hat für solche Abenteuer kein Verständnis», zeigte sich Ruedi Vonlanthen (FDP, Giffers) überzeugt. Die Imam-Ausbildung öffne der Einführung des islamischen Rechts in Freiburg Tür und Tor. Yvan Hunziker (FDP, Semsales) kritisierte das finanzielle Engagement der Uni. Er sehe darin keine Priorität. «Wir brauchen Ärzte und Apotheker statt Menschen, die den Islam studieren.»

Thomas Rauber (CVP, Tafers) kritisierte, dass der Senat, dessen Mitglied er ist, zu spät informiert worden sei. «Ich bin masslos enttäuscht.» Er habe erst aus der Presse davon erfahren. «Die Universität hat den Bezug zur Bevölkerung verloren, es mangelt ihr an Sensibilität», so Rauber. Der Ansatz sei richtig, doch der Weg und die Zeit seien falsch.

Toleranz und Respekt

Xavier Ganioz (SP, Freiburg) bezeichnete den Auftrag als populistisch und provokativ. Die Finanzierung sei sehr wohl gewährleistet und die Theologische Fakultät werde die Entwicklung des Zentrums ganz genau beobachten. «Das Zentrum ist keine Bedrohung für unsere Universität und unsere Werte.» Nur durch den Dialog könnten Konflikte und Kriege vermieden werden, so Ganioz. Bernadette Haenni (SP, Murten) wies auf die lange Forschungs- und Wissenschaftstradition der Uni Freiburg hin und auf den interreligiösen Dialog, der dort gepflegt werde. Das Zentrum würde als Anerkennung der Kompetenzen der Uni verstanden. Olivier Suter (Grüne, Estavayer-le-Gibloux) betonte die Bedeutung des Dialogs für den Frieden auf der Welt und in der Schweiz.

Den Ausschlag gaben elf Vertreter von CVP und FDP, die sich gegen den Auftrag aussprachen. Emanuelle Kaelin (CVP, Bulle) kritisierte den islamfeindlichen Charakter vieler Äusserungen. Sie seien unverhältnismässig. Sie betonte die Bedeutung der Autonomie der Uni. Antoinette de Weck (FDP, Freiburg) zeigte Verständnis für Ängste. Doch gerade diese müsse man im Gespräch angehen: «Dialog bekämpft den Fundamentalismus.» Die Uni trage dazu bei, die Radikalisierung von Muslimen zu verhindern. Das Zentrum sei ein positives Zeichen gegenüber den Muslimen im Kanton. Antoinette Badoud (FDP, Le Pâquier) bat um Toleranz und Respekt. «Menschen gegeneinander auszuspielen und Unterschiede hervorstreichen führt nicht weiter.»

CVP-Erziehungsdirektor Jean-Pierre Siggen warb damit, dass ein Kompetenzzentrum dieser Art die Strahlkraft der Uni in theologischen Fragen erhöhen würde, und versprach, ein wachsames Auge auf die Entwicklung des Zentrums zu haben. Er wolle schauen, dass die Uni die Planung mit Bedacht weiterführt, sagte er nach der Sitzung. Man müsse keine Angst haben: «In Freiburg entsteht keine Koranschule. Wir leben in einem christlichen Rahmen, und die muslimischen Vertrauensträger werden in diesem Rahmen ausgebildet.»

 

Kommentar

Die Kirche soll im Dorf bleiben

 Bärtige Konvertiten, verhüllte Massenmörder, unterdrückte Frauen im Ganzkörperschleier: Das ist es, wovor Herr und Frau Schweizer Angst haben. Kritik mag in vielen Fällen berechtigt sein. Sie trifft aber den Falschen, wenn es um die Einrichtung eines Zentrums für Islam und Gesellschaft an der Universität Freiburg geht. An der renommierten Universität mit engen Banden zum Katholizismus werden keine Gotteskrieger ausgebildet, nicht einmal Imame. Es geht lediglich darum, dass Menschen, die einer anderen Religion angehören als die Mehrheit im Kanton, die Fundamente ihres Glaubens erschliessen und sich über seine Umsetzung im Alltag informieren wollen. Dass die Uni ihnen diese Möglichkeit geben will, verdient Anerkennung.

Bei allem Respekt gegenüber berechtigten Bedenken: Die Fundamentalkritik vieler Grossräte gestern zeugt von einer Engstirnigkeit und Kurzsichtigkeit, die wir eigentlich als überwunden wähnten. Viele Äusserungen schiessen weit über das Ziel hinaus und haben nicht selten eine Tonalität, die unserer aufgeklärten Demokratie und diesem «hohen Haus», wie es sich oft bezeichnet, nicht würdig ist. Die Haltung der Parlamentsmehrheit gegen das Zentrum darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es wichtig ist, auch das Andersartige und Fremde als Teil Freiburgs und der Schweiz verstehen zu lernen. Denn wahrscheinlich wird in den Strassen Freiburgs bald wieder häufiger ein vertrautes Bild zu sehen sein: Frauen mit Kopftüchern. Nicht immer werden es Nonnen sein.

Guido Vergauwen: Rektor der Universität sieht sich in seinem Kurs bestätigt

D er Rektor der Universität Freiburg setzt sich mit Verve für die Einrichtung des Zentrums für Islam und Gesellschaft ein. Für den Dominikanerpater und Dogmatikprofessor Guido Vergauwen würde die akademische Auseinandersetzung mit dem Islam auch einen bedeutenden theologischen Gewinn abwerfen.

 

Zwar können Sie mit der Planung des Islam-Zentrums weitermachen, doch die Mehrheit im Rat gegen das Projekt ist nicht gerade ein Vertrauensbeweis. Was haben Sie von der gestrigen Debatte gelernt?

Ich stelle fest, dass Fragestellungen und Themen, welche sich mit dem Islam befassen, die Bevölkerung beunruhigen und heftige Diskussionen auslösen. Es ist klar geworden, dass wir das Schiff durch ein stürmisches Fahrwasser führen. Und dass wir noch lange nicht in einem sicheren Hafen sind.

 

Mehrere Grossräte haben die Kommunikation der Universität im Zusammenhang mit der Lancierung der Vorarbeiten kritisiert. Gibt es hier Verbesserungsbedarf?

Wenn wir mit dem Projekt weitermachen – und das müssen wir – , werden wir unsere Kommunikation im Zusammenhang mit dem Islam-Zentrum möglichst umsichtig und transparent halten müssen. Wir werden alle unsere Schritte offen legen. Aufgrund der gestrigen Debatte habe ich aber Angst vor Stimmen, die sagen, dass die Universität sich von der Bevölkerung entfernt, dass sie sich abhebt und den Anschein macht, gegen die Interessen des Kantons zu arbeiten. Das Gegenteil ist aber der Fall. Wir sind uns bewusst, dass wir mit dem und für den Kanton arbeiten müssen. Es wäre verhängnisvoll für uns, wenn wir das Vertrauen der Bevölkerung verlieren würden. Das wollen wir nicht.

Gab es Fehler in der Kommunikation? Zum Beispiel gegenüber dem Senat?

Wir haben das Projekt gegenüber dem Senat offen kommuniziert. Ich weiss nicht, woher die Kritik kommt. Abgesehen davon müssen wir solche Projekte gegenüber dem Senat auch nicht zwingend kommunizieren.

 

Mit den bevorstehenden Wahlen erhält das Thema Islam-Zentrum eine zusätzliche Brisanz, es kann als Wahlkampfinstrument dienen. Macht Ihnen das Sorge?

Wir haben uns den Zeitpunkt nicht ausgewählt, die Suche nach einem Standort für das Islam-Zentrum läuft ja auch schon seit 2009. Wissen Sie, es gibt Momente, da muss man entscheiden und vorwärtsmachen.

 

Wie geht es nun weiter mit dem Projekt?

Wir bereiten die Kandidatur vor. Für die Ausarbeitung des Dossiers haben wir auch schon Geld gesprochen bekommen. Das Ziel ist, das Gesuch bis Ende Jahr einzureichen. Die Entscheidung über den Zuschlag des Zentrums sollte dann 2016 fallen. fca

Fakten

Eine harzige Vorgeschichte

Der Bund hat der Universität Freiburg die Planung und den Aufbau eines Zentrums für Islam und Gesellschaft in Aussicht gestellt. Vorgesehen sind Weiterbildungen für islamische «Vertrauenspersonen» und eine Plattform für den wissenschaftlichen Dialog, wie es gestern im Rat hiess. In einem zweiten Schritt sollen auch Nicht-Moslems Kurse belegen können, zum Beispiel christliche Geistliche oder Pflegerinnen, die Moslems als Patienten haben. Die Vorplanung für eine Kandidatur hat nun begonnen und kann nach dem Entscheid von gestern weitergeführt werden, zurzeit läuft auch eine Machbarkeitsstudie. Zehn Grossräte aus SVP, FDP und CVP wollten das Projekt mit einem Auftrag stoppen, unter anderem, weil die Finanzierung noch ungesichert sei. Der Beitrag des Kantons an das Zentrum beträgt laut dem Staatsrat maximal 270000 Franken pro Jahr. Der Bund unterstützt das Projekt mit 180000 Franken. Nach aktueller Planung sollte das Islam-Zentrum in Freiburg im Januar 2017 den Betrieb aufnehmen können.fca

 

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