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Ist der Alpenraum in Gefahr?

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Seit 25 Jahren werden in den Alpen Feuer entfacht. Warum ist dies nötig?

Es sind Mahnfeuer. Denn der Alpenraum ist ein verletzlicher Raum. Nicht nur wegen Natur und Landschaft. Es geht auch um den Lebensraum der Bevölkerung, die in Berggebieten wohnt. Bei der Diskussion um die Alpen gibt es immer zwei Parteien: Eine Seite möchte den Raum für Wirtschaft und Entwicklung nutzen, die anderen warnen davor. Für eine gesunde Entwicklung braucht es beide Pole und vor allem den Dialog.

 

 Inwieweit ist der Alpenraum gefährdet?

Die entscheidende Frage ist: Was sind die grossen Herausforderungen unserer Zeit? Bezogen auf die Schweiz ist esdas Bevölkerungswachstum.Im Berggebiet nimmt die Bevölkerung zu. Die Leute brauchen Wohnraum, Boden, Wasser und verursachen Verkehr. Dann der Tourismus: Immer mehr Leute suchen Erholung in den Bergen. Das dritte Problem ist die Energiepolitik. Man will auf Wasser-, Wind- und Sonnenkraft umstellen. Da sucht man die Ressourcen in den Alpen. Und schliesslich macht sich der Klimawandel bemerkbar: Die Gletscher ziehen sich zurück, die Vegetation verändert sich und Naturereignisse mehren sich.

 

 Was kann Freiburg für eine gesunde Alpenwelt tun?

Auch im Berggebiet des Kantons Freiburg ist die Bevölkerung angestiegen. Vielerorts sind Einfamilienhaussiedlungen entstanden. Das verändert die Landschaft stark. Mit dem Bodenverbrauch muss man vorsichtig umgehen. Denn die Schweizer möchten keinen überbauten Alpenraum, sondern ein landschaftlich intaktes Naherholungsgebiet.

 

 Worauf muss Freiburg besonders achten?

Im Vergleich mit dem Berner Oberland oder dem Wallis ist Freiburg noch sehr naturbelassen. Das bietet die Chance, einen sanften Tourismus zu entwickeln. Mit Schwarzsee, Charmey, Moléson und Les Paccots gibt es erst vierkleine Tourismuszentren. Freiburg darf jetzt nicht die Fehler anderer Gebiete nachmachen. Es braucht einen sanften Tourismus, der die Landschaft und die Natur ins Zentrum stellt.

 

 Welche Fehler gilt es da zu vermeiden?

Ein Beispiel: Die Freiburger Verkehrsbetriebe TPF haben es bis heute verpasst, einen Touristenbus ohne Zwischenhalt nach Schwarzsee anzubieten. Viele Leute nehmen deshalb das Auto. Potenzielle Besucher aus der Stadt Bern brauchen mit ÖV eineinhalb Stunden bis nach Schwarzsee. In dieser Zeit sind sie längstim Wallis, umgeben von einer spektakulären Landschaft. Deswegen muss Freiburg qualitativ gute Angebote entwickeln. In Schwarzsee hat es ein neues Hotel am See, aber der ganze Charme und die Intimität sind weg. Man muss sich fragen: «Was passt am besten zu uns?» Der Freiburger Tourismus darf sich noch mehr auf die Wurzeln und die Identität der Region konzentrieren.

 

 Was hat Freiburg denn zu bieten, was andere nicht haben?

 Man muss auf die schöne Voralpenlandschaft und dasNaturerlebnis setzen. Aneinem schönen Tag sieht man vom Mont-Blanc bis zum Säntis. Das ist einmalig. Was Freiburg nicht tun darf, ist einfach Funparks zu bauen und auf Infrastruktur zu setzen wie andere Bergdestinationen. Hängebrücken zum Beispiel: Alle Regionen versuchen, sich gegenseitig zu überbieten. Aber eine Hängebrücke wirkt nur so lange, bis es eine längere, schönere gibt. Da kann man nur verlieren.

 

 Nachzuahmen bedeutet also, kurzfristig zu denken?

Ja, und langweilig sind diese Superlativen auch. Der Massentourismus ist in Freiburg noch nicht angekommen. Das ist eine grosse Chance.

 

 Freiburg hat nun zwei anerkannte Naturparks: Greyerz und Gantrisch. Wofür sind diese Parks wirklich gut?

Sie setzen auf Natur- und Landschaftsschutz. Daneben versuchen sie, die touristische Entwicklung und Wertschöpfung zu verbessern.

 

 Wirtschaft, Tourismus und Naturschutz – man möchte alles haben. Wie ist das vereinbar?

«Schützen und nützen» ist möglich. Unsere traditionelle Kulturlandschaft zeigt, dass all diese Elemente sehr wohl vereinbar sind. Die Schwierigkeit ist nur, etwas daraus zu gestalten, was unsere Nachkommen noch schön finden. Daran habe ich meine Zweifel: Moléson Village zum Beispiel ist ja grotesk. In 50 Jahren findet dies niemand mehr schön. Und in Schwarzsee baut man immer mehr Einfamilienhäuser. Das ist nicht die Kulturlandschaft, die wir schätzen. Und die Generationen nach uns werden uns daran messen, in welchem Zustand wir ihnen die Natur hinterlassen.

 

 Welche momentanen Prozesse gilt es aufzuhalten?

Ein grundsätzliches Umdenken muss stattfinden. Irgendwann gibt es genug Funparks und Heliskiing. Diese alten Methoden haben ausgedient. Dann die erneuerbaren Energien: Die Politik möchte den Alpenschutz lockern, um Energie daraus zu gewinnen.

 

 Man möchte sowohl Atomausstieg als auch Naturschutz–ist das nicht ein Widerspruch?

Man muss versuchen, den Schaden an der Landschaft zu begrenzen. Sprich: Effizientere Anlagen, Staumauererhöhungen, keine einzelnen Windräder, sondern Windparks. Es macht Sinn, dort zu investieren, wo am meisten Energie gewonnen werden kann.

 

 Muss man da über die eigenen Grenzen hinausdenken?

Genau, sowohl kantonal wie national.

 

 Welche Risiken und Chancen bestehen für Freiburg bezüglich Energie?

Freiburg ist nicht gerade prädestiniert für erneuerbare Energien. Der Sensegraben ist ein Biotop von nationaler Bedeutung. Den darf man auf keinen Fall antasten. Windkraft auf dem Schwyberg ist ein Thema, aber auch da kommt man der Natur in die Quere. Wir haben hingegen viel Landwirtschaft und somit Biomasse. Dies könnte man in Zukunft nutzen. Auch Sonne haben wir genug.

 

 Vor einiger Zeit war Wandern noch unpopulär, jetzt hat ein Hype eingesetzt. Woher kommt dieses Phänomen?

Ich vermute die Ursache in unserem Lebensstil. Der Alltag und die Städte sind viel hektischer als noch vor 20 Jahren. Internet und Mobiltelefone haben sicher auch einen Einfluss auf das zunehmende Bedürfnis nach Entspannung. Unsere Augen und Ohren brauchen manchmal Ruhe. Da bieten die Berge einen guten Ausgleich.

 

 Beim Bergwandern trifft man mehr Schweizer an als Ausländer. Warum sind die Berge bei Ausländern weniger beliebt?

 1968 wurde der erste Vitaparcours eingeweiht. NurSchweizer machten davon Gebrauch, wie Studien zeigten. Die ganze italienische Einwanderungsgruppe hatte andere Prioritäten: Denn das soziale Leben und die Familie waren für sie wichtiger. Vielleicht ist dies mit den heutigen Einwanderungsgruppen und den Bergen ähnlich. Dazu kommt, dass die Alpen ein wichtiger Teil unserer Identität sind. In Italien oder Frankreich werden die Berge als Grenzgebiet oder als Ort für Hinterwäldler wahrgenommen.

An diesem Wochenende werden in Europas Alpen 30 Höhenfeuer entfacht. Bild Keystone/a

Der Massentourismus ist in Freiburg noch nicht angekommen. Das ist eine grosse Chance.

Zur Person

Expertin für die Freiburger Bergwelt

Freiburg dürfe die Fehler anderer Regionen nicht wiederholen, sagt die Geografin Elsbeth Flüeler. Die Freiburgerin ist Expertin für die regionale Berglandschaft. Von 2001 bis 2011 war sie Geschäftsführerin von Mountain Wilderness, einer Alpenschutzorganisation.daf

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