Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Ist Jesus ein Medium?

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

wort zum sonntag

Ist Jesus ein Medium?

Autor: Ingrid Grave

Das Wort Medium weckt bei mir eher ungute Gefühle. Soll man einem Menschen trauen, der sich selbst als Medium versteht? Das heisst nach heutigem Verständnis: Ein Medium ist ein Mensch, der die Fähigkeit hat, uns Botschaften aus einer anderen Welt zu vermitteln. Aus einer jenseitigen Welt. – Im Wissen darum, dass auf diesem Gebiet viel Unfug getrieben wird, ist Vorsicht geboten und eine gesunde Skepsis angesagt. Nun sagt aber Jesus im Evangelium vom heutigen Sonntag (Joh 17, 1–11a) ganz seltsame Dinge: «Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart» (17,6); oder: «Die Worte, die du mir gegeben hast, gab ich ihnen» (17,8). Wird da nicht auch etwas vom Jenseitigen ins Diesseitige vermittelt? Diese Äusserungen sind Teile eines Gebetes, das Jesus an Gott, seinen Vater, richtet.

Jesus befindet sich in einer Abschiedsstimmung. Er weiss, dass er bald die Welt verlassen wird, für immer. Seine Jünger und Jüngerinnen werden zurückbleiben. In den vorausgehenden Kapiteln des Textes hat er versucht, sie darauf vorzubereiten. Aber so ganz haben sie ihn und seine Aussagen nicht begriffen.

Doch dann – so heisst es – «erhob er seine Augen zum Himmel» (17,1); das bedeutet, er begann zu beten, zu seinem Vater und für die Zurückbleibenden. In diesen Worten nun wird, wenn man sie gesamthaft betrachtet, bald deutlich, dass Jesus nicht einfach irgendwelche Worte oder persönliche Botschaften aus dem Jenseits empfangen und dann an bestimmte Personen «weitergereicht» hat.

Jesus war vielmehr innerlich zutiefst verbunden mit seinem Vater. Er konnte gar nichts anderes weitergeben als das, was auch der Vater den Menschen zu geben wünschte. Jesus hat uns, der Menschheit, einen Gott nähergebracht, der im Grunde nur einen Namen hat: Liebe. So darf er sagen: «Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart.»

In diesem Sinne hat er auch alles, was er von Gott her «hörte», getreu weitergegeben. Und dies wieder aus Liebe zu den Menschen. Jesus vermittelt Botschaften, aber er ist kein Medium im eingangs erwähnten Sinn.

Medium, Medien! Besteht da nicht eine verblüffende Ähnlichkeit zwischen den beiden Wörtern? Vom Wortsinn her haben sie auch wirklich etwas miteinander zu tun.

In der katholischen Kirche wird am heutigen Sonntag speziell der Medien gedacht. Medien sind keine Personen, jedoch immer sind es Personen, die in den Medien arbeiten. Über diese Personen, die Medienschaffenden, wird in der Kirche nicht selten geschimpft. Man traut ihnen nicht so recht. Sie verdrehen die Wahrheit, so heisst es dann.

Wie in jedem Beruf gibt es solche und andere! Die Medien nehmen in unserem Alltag einen breiten Raum ein. Darum ist es wichtig, an die Menschen zu denken, die in den Medien arbeiten, für sie zu beten. Nur, das Beten allein tuts ja auch nicht!

Wenngleich Jesus hier im uns vorliegenden Text für jene betet, die sein Evangelium – die guten Nachrichten! – weitersagen sollen, so hat er gleichzeitig grosse Mühe darauf verwendet, sie für diese Aufgabe vorzubereiten.

Das bedeutet für uns: Wenn uns die «Gute Nachricht» etwas wert ist, dann werden auch wir uns die Verbreitung dieser Nachricht im wahrsten Sinne des Wortes etwas kosten lassen.

«Ich bin nicht mehr in der Welt, doch sie sind in der Welt» (11 a) – so sagt Jesus. Die in der Welt, das sind wir. In irgendeiner Form tragen wir alle – im (Radio-)Hören, im (Fern-)Sehen oder im Weitersagen von Mensch zu Mensch – eine Verantwortung für das, was unsere Gesellschaft spirituell prägt, trägt oder nicht trägt.

Ingrid Grave ist Dominikanerin und lebt in Zürich, wo sie in der Ökumene und in der Arbeit mit Frauen engagiert ist.

Mehr zum Thema