Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Jeder Muslim kann das Gebet leiten

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Barbara Ludwig, Kath.ch

Um als Imam zu fungieren und das gemeinschaftliche Gebet der Muslime zu leiten, braucht es keine Ausbildung. «Jeder Muslim kann das», sagt der Islamwissenschaftler Abbas Poya, Gastdozent für Islamische Theologie und Bildung an der Universität Zürich. Die Mehrheit der Imame, die fest an einer Moschee in der Schweiz angestellt sind, verfügt jedoch über irgendeine Form von Ausbildung im Ausland, sagt Andreas Tunger-Zanetti, Islamwissenschaftler an der Universität Luzern. Es seien auch Personen ohne formale Ausbildung darunter.

Bei den Moscheen ohne festen Imam komme es oft vor, dass das Amt interimistisch von Männern mit einem zivilen Beruf ausgeübt werde. «Diese haben etwa auf dem Balkan ein Gymnasium mit Schwerpunktfächern im Bereich Religion besucht.» Dann gebe es Moscheen, in denen gelegentlich ein Gastprediger aus dem Ausland auftritt und sonst ein einfaches Gemeindemitglied das Gebet leitet.

Schwieriger Kontakt

Nach Ansicht des Wissenschaftlers sind die Imame generell ungenügend auf ihre Tätigkeit in der Schweiz vorbereitet. Das wisse man seit der Untersuchung zur «Imam-Ausbildung und islamische Religionspädagogik» in der Schweiz aus dem Jahr 2009. Erforscht wurden etwa die Bedürfnisse von Jugendlichen. Tunger-Zanetti hat festgestellt: «Zahlreiche Jugendliche können mit Imamen nichts anfangen. Ein grosser Teil der Imame redet in einem doppelten Sinne an den Jungen vorbei.» Denn zum einen beherrschten sie die hiesige Sprache nicht. Zum andern seien Imame, meist Herren gesetzten Alters, in einer «anderen Sprachwelt» unterwegs als die Jungen.

Dann spielt die unterschiedliche Lebenswelt eine Rolle: «Ein Imam in der Türkei hat heute ganz anders sozialisierte Moschee-Mitglieder als ein Imam in der Schweizer Konsumgesellschaft.» Der Aufgabenbereich von Imamen in Europa ist breiter als jener in islamischen Gesellschaften, so Poya: «Im Westen ist der Imam der einzige religiöse Funktionär. In muslimischen Ländern muss er keine weiteren Aufgaben übernehmen. Dort gibt es zahlreiche Religionsgelehrte, die man aufsuchen kann.»

Vergleiche werden gemacht

In muslimischen Ländern werde die Funktion der Moschee «eng auf das Kultische begrenzt», während die Kirchen in der Schweiz sich in vielen Bereichen engagierten: in der Jugendarbeit, in der Sozialarbeit oder in der Spitalseelsorge, so Tunger-Zanetti. Letzteres gebe es in muslimischen Ländern nicht, die Familie kümmert sich darum. Wenn eine neue Religion sich im Westen ausbreitet, frage man: Wer ist euer Pfarrer? Was ist euer heiliges Buch? Wie sieht euer Gebetsort aus? «Dann werden Gleichsetzungen gemacht, die zwar grosso modo stimmen, aber oft eben doch nicht ganz.» Man nehme an, bei neuen Religionen müsse es ähnlich funktionieren wie bei den Christen.

Bislang gibt es keine Ausbildung für Imame in der Schweiz. Eine solche ist auch nicht am Zentrum für Islam und Gesellschaft (SZIG) an der Universität Freiburg vorgesehen. Aus Sicht von Tunger-Zanetti wäre es zwar im Prinzip wünschenswert, dass «Imame von A bis Z in der Schweiz ausgebildet werden». Der Islamwissenschaftler hält das aber noch auf längere Zeit für «unrealistisch». Einerseits gebe es Zweifel, ob die Nachfrage vonseiten der Muslime gross genug ist, so dass sich die Einrichtung eines Departements für islamische Theologie finanziell rechtfertigen würde. «Andererseits sehe ich keinen Kanton, der von sich aus ein genügend grosses Interesse an dessen Einrichtung hat. Ganz abgesehen von der Frage, ob das politisch durchgebracht werden könnte.»

Das Angebot, das derzeit am SZIG entsteht, hält der Forscher für eine sinnvolle Alternative. Dort soll unter anderem ein Weiterbildungsangebot für ein breites Publikum entstehen. Imame seien eine Zielgruppe unter vielen. «Die Weiterbildung hilft ihnen, ihreArbeit auf das gesellschaftliche Umfeld abzustimmen.»

Zahlen und Fakten

Ausbildung für höhere Ämter nötig

Ein Muslim, der als Imam in einer Moschee das gemeinsame Gebet leiten will, muss unbescholten sein, sagt Islamwissenschaftler Abbas Poya. Er müsse einen guten Ruf und die Anerkennung der Gläubigen haben. Frauen dürften nicht als Imam wirken, ausser in einer reinen Frauengruppe. Vorbeter in Freitagsmoscheen müssten noch strengere Anforderungen erfüllen: Sie müssten den Koran gut rezitieren können, ins islamische Recht eingeweiht sein und über rhetorische Qualitäten verfügen.kath.ch

Meistgelesen

Mehr zum Thema