Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

«Jemand muss auch die Knochenarbeit machen»

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

«Jemand muss auch die Knochenarbeit machen»

SP-Nationalrätin Liliane Chappuis gehört nicht zu den Stars des eidgenössischen Parlaments

Seit vier Jahren sitzt die Freiburger SP-Vertreterin Liliane Chappuis im Nationalrat. Auf der Frontseite der Medien erscheint sie eher selten. Sie gehört aber zu jenen Parlamentariern, die harte Knochenarbeit verrichten, wie sie sagt.

Mit LILIANE CHAPPUIS
sprach ARTHUR ZURKINDEN

Frau Chappuis, Sie sind vor vier Jahren neu in den Nationalrat gewählt worden. Was hat Sie im eidg. Parlament besonders beeindruckt, vor allem auch im Vergleich zu Ihrer Tätigkeit als Freiburger Grossrätin?

Im Grossen Rat kann man sich noch allen Themen widmen. Für neue Gesetze werden Ad-hoc-Kommissionen gebildet. Anders in Bern. Da gibt es nur ständige parlamentarische Kommissionen, die regelmässig tagen. Mit den Themen, die in Kommissionen behandelt werden, muss man sich sehr vertieft auseinander setzen. Man fühlt sich als Spezialistin. Sehr positiv empfinde ich den Rückgriff auf die Parlamentsdienste. Wenn man sich informieren, dokumentieren, Recherchen tätigen will, so ist dies sehr hilfreich. Dieses professionelle Umfeld betrachte ich als fantastischen Vorteil.

So haben Sie auch viel Kommissionsarbeit geleistet?

Ja, ich bin Mitglied der Kommission «Wissenschaft, Bildung, Kultur» und habe mich besonders mit Themen wie Berufsbildung, ETH, Gen-Lex, Expo, Pro Helvetia, Forschung usw. befasst.

Haben Sie auch das Gefühl, dass Sie mit Ihrem Engagement etwas bewirkt und bewegt haben?

Gewiss, ich habe mich gerade für das neue Berufsbildungsgesetz sehr stark engagiert. So habe ich beitragen können, dass die heutigen Schulen, wie wir sie in Freiburg haben, bestehen bleiben. Ich denke da an die Handelsschule, an die KDMS, aber auch an die Lehrwerkstätten. Ich habe viel mit den Verbänden und mit den Schulleitungen gesprochen. Dabei ist es mir gelungen, die Schulen nicht bloss zu erhalten, sondern auch deren Finanzierung zu sichern. Im Nationalrat selber habe ich 32 Anträge gestellt oder andere bekämpft. Sie wurden meist von Pierre Triponez, dem Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes, gestellt oder gekontert. Aber ich konnte mich jedesmal durchsetzen.

Und ausserhalb der Berufsbildung?

Ich habe mich auch stark für die 100 Millionen des Bundes für das Projekt «Schulen ans Netz» gemacht, ein Vorhaben, welches den Schulen ermöglichen soll, das Internet in den Unterricht zu integrieren. Die Gelder wurden auch gesprochen. Aktiv war ich bei der Gen-Lex. Leider wurde dieses Gesetz nicht nach meinem Gutdünken verabschiedet, weshalb ich auch die Initiative für eine gentechfreie Schweiz unterstütze. In dieser Session bin ich für den Jahresbericht der Pro Helvetia und die Finanzierung für die nächsten vier Jahre zuständig. Eingesetzt habe ich mich zudem für die Förderung der Partnersprache, aber auch für den Erhalt der Swisscom und Post als Service public.

Weshalb wurde Freiburg als Standort des Bundesverwaltungsgerichts nicht berücksichtigt?

Freiburg hat ein Identitätsproblem. In der Deutschschweiz weiss man nicht genau, ob der zweisprachige Kanton zur Westschweiz gehört oder nicht. In der Westschweiz wird Freiburg eher als Mitglied des Espace Mittelland betrachtet, der aber nicht die Westschweiz verkörpert. Freiburg gilt zwar als zweisprachiger Kanton, aber so zweisprachig ist er auch wieder nicht, wenn man ihn näher betrachtet. Selbst für die Sensler Jugend, die heute eher nach Bern ausgerichtet ist, ist Französisch als erste Fremdsprache nicht mehr eine Selbstverständlichkeit. Ich glaube, dass wir den Trumpf der Zweisprachigkeit viel zu wenig ausspielen. Etwas ist in Freiburg falsch gelaufen.

Aktiv waren Sie in Bern auch als Schauspielerin. Sie treten im Film «Mais im Bundeshaus» auf?

Ja, das Filmemachen ist für mich nicht ganz neu. Die Erfahrung war einzigartig. Aber ich werde keine Karriere als Filmschauspielerin anstreben. Der Film zeigt genau, wie in der Schweiz Politik gemacht wird, wie aktiv die Lobby hinter den Kulissen agiert und dabei viel Geld einsetzt. Wer den Film sieht, begreift dann auch, dass Gesetze nicht an einem Tag entstehen.

Trotz Ihres Einsatzes ist Ihre Medienpräsenz nicht sehr gross. Und gemäss eines Ratings der Sonntags-Zeitung figurieren Sie in den hinteren Rängen. Wie erklären Sie dies?

Es stimmt, dass mein Name in den Medien nicht sehr häufig erscheint, obwohl ich nicht nur in der Kommission sehr aktiv bin, sondern auch im Plenum des Öftern interveniere. Dies ist sicher darauf zurückzuführen, dass die Themen meiner Kommission weniger spektakulär sind als z.B. die AHV/IV, das BVG usw., obwohl sie für die Zukunft der Jugend ja auch sehr wichtig sind. Zudem stürzen sich die Medien auf gewisse Stars wie Blocher usw. Es muss aber auch Parlamentarier geben, die die Knochenarbeit verrichten. Ich gehöre nicht zu jenen, die nach jeder Intervention ihr Manuskript den Medien faxen. Weil die Freiburger Medien keine eigenen Korrespondenten in Bern haben, erscheinen wir auch in der einheimischen Presse weniger.

Zum Rating der Sonntags-Zeitung möchte ich nur sagen, dass dies nicht seriös gemacht wurde. Praktisch alle Westschweizer Parlamentarier sind im hinteren Feld klassiert. Ich finde, dass ich in den vier Jahren gute Arbeit geleistet habe, und ich bin auch bereit, mich weiterhin voll zu engagieren.

Zur Person

Liliane Chappuis ist am 27. Juni 1955 geboren, ledig, wohnhaft in Corpataux-Magnedens, der Gemeinde, der sie seit 1996 als Frau Ammann vorsteht. Sie ist seit 1986 im Gemeinderat.

Ihre politische Karriere begann bereits 1975 als Sekretärin, dann als Vize- und als Präsidentin der SP Saane-Land (bis 1993). Im Jahre 1990 nahm sie Einsitz im Grossen Rat. Von 1993 bis 1997 war sie Präsidentin der SP-Fraktion des Grossen Rates, von 1997 bis 2002 SP-Kantonalpräsidentin. Seit 1999 ist sie Nationalrätin und gehört der Kommission «Wissenschaft, Bildung und Kultur» an. Sie ist zudem Präsidentin von «La Traversée», einer Vereinigung, die sich psychisch kranker Menschen und Mädchen in Schwierigkeiten annimmt.

Beruflich ist sie als Vizedirektorin bei der «educa.ch» in Bern tätig und für die Finanzen und das Personal zuständig. az

Im Gespräch mit
den «Bisherigen»

Die Freiburger Nachrichten werden in den nächsten Tagen ein Gepräch mit jenen Kandidatinnen und Kandidaten für den National- resp. Ständerat publizieren, die sich einer Wiederwahl stellen. Dabei wird die Bilanz ihres Wirkens in der zu Ende gehenden Legislaturperiode im Vordergrund stehen. Heute stellen die FN SP-Nationalrätin Liliane Chappuis vor. Bereits erschienen: Thérèse Meyer-Kaelin, CVP-Nationalrätin (FN, 19. Sept.). FN

Mehr zum Thema