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Jetzt und in der Stunde des Todes

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Rote Nelken stehen auf dem alten Holzküchentisch im Sensler Museum in Tafers. Es sind «Totenägeli», Todesnelken. Sie sind häufiger Grabschmuck und ein Memento mori: «Gedenke, dass du sterben musst», lautet die Übersetzung des lateinischen Mahnrufs, der aber auch als Bezeichnung für Gegenstände dient, die an den Tod erinnern. Die aktuelle Ausstellung des Museums unter dem Titel «Schwester Tod» zeigt weitere Memento mori: Kreuze, Kerzen, Rosenkränze. «Wer einen Rosenkranz betet, wiederholt x-mal den Satz aus dem Ave Maria: ‹Bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes›», sagte Franziska Werlen, Leiterin des Sensler Museums, an der gestrigen Pressekonferenz. Die Vergänglichkeit werde so allgegenwärtig.

Objekte und Literatur

Die Ausstellung ist eine regionale kulturgeschichtliche Aufarbeitung des Themas Tod. «Zur Sammlung des Sensler Museums gehören viele religiöse Gegenstände und auch viele Objekte rund um den Tod», sagte Werlen. So gibt es etwa ein weisses Totenhemd, das keine Taschen hat; Ölflakons, Weihwasser und Kerzen, die es früher in jedem Haushalt gab, als die Verstorbenen noch zu Hause aufgebahrt wurden. Ebenfalls ausgestellt sind Perlkränze, die bis Mitte des 20. Jahrhunderts als Grabschmuck dienten, Eisenkreuze und Trauertrachten.

Literatur ergänzt die Ausstellung: Die Freiburger Autorin Fränzi Kern-Egger hat die Sensler Literatur nach dem Thema Tod durchforstet. In den «Sensler Sagen» von German Kolly oder auch des Franziskaner-Paters Niklaus Bongard sei der Tod ein wiederkehrendes Thema, sagte sie gestern. «Es geht oft ums Sterben, die letzten Sakramente, den Teufel und um Seelen, die keine Ruhe finden.» Ihr sei aufgefallen, dass alle Sensler Autoren in irgendeiner Form den Tod thematisierten. Für die Ausstellung hat Fränzi Kern-Egger eigene Texte und solche aus der Sensler Literatur gelesen und aufgenommen.

Fotos von Gräbern

Wie sehen Friedhöfe aus und wie schmücken die Leute die Gräber ihrer Verstorbenen? Diesen Fragen ging die Archäologin Lambrini Koutoussaki nach. Sie besuchte Friedhöfe im Sensebezirk und fotografierte Gräber und Grabschmuck. «Es sind keine Kunstfotografien, sie halten die Symbolik der Gräber fest», sagte sie. Die Archäologin interviewte auch den Pfarrer Moritz Boschung zum Thema Tod. Sie fragte ihn beispielsweise, wie er damit umgeht, wenn ein Mensch stirbt, der aus der Kirche ausgetreten ist. «Für einen Pfarrer ist das nicht einfach, er will die Angehörigen nicht vor den Kopf stossen und ihnen das Abschiednehmen ermöglichen; gleichzeitig war es der Wunsch des Verstorbenen, sich von der Kirche zu distanzieren», sagte Koutoussaki. Das Interview ist in der Ausstellung zu hören.

Die Texte von Fränzi Kern-Egger, die Fotografien von Lambrini Koutoussaki sowie eine Arbeit der Historikerin Kathrin Utz Tremp und Beiträge des ehemaligen FN-Redaktors Anton Jungo bilden die Begleitpublikation zur Ausstellung.

Friedhöfe auf Tablets

In der Sammlung des Museums befinden sich Objekte, die in Zusammenhang mit den katholischen Ritualen rund um den Tod stehen. «Heute bezeichnen sich jedoch nur noch etwa 65 Prozent der Sensler als katholisch», sagte Werlen. In der Ausstellung kommen deshalb auch kurz andere Kulturen und Religionen zu Wort.

Und die Ausstellung blickt in die Zukunft: In den USA und Deutschland sind «virtuelle Friedhöfe» verbreitet: Angehörige richten auf dem Internet ein Grab für ihre Verstorbenen ein, das dann von überall in der Welt besucht werden kann. Solche Friedhöfe kann man im Sensler Museum auf Tablets entdecken.

Intensive Gespräche

«Der Tod ist ein dankbares Thema», sagte Werlen. Habe sie jemandem erzählt, wovon die Ausstellung handeln werde, habe es immer Diskussionen gegeben. «Es waren intensive, tiefgründige Gespräche, in denen es schliesslich immer ums Leben ging.» Solche Gespräche soll auch die Ausstellung auslösen.

Sensler Museum,Tafers. Bis am 9. November. Do. bis So., 14 bis 17 Uhr, erster Freitag im Monat zu. www.senslermuseum.ch

Programm

Diskussion mit Berner Kollegen

Für die Ausstellung «Schwester Tod» tauscht sich das Sensler Museum mit dem Regionalmuseum Schwarzwasser aus. Nächsten Freitag diskutieren die Museumsleiter Franziska Werlen und Urs Rohrbach in St.Antoni über das Thema.mir

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