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Jüdische und christliche Hoffnungen auf eine messianische Welt

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wort zum sonntag

Autor: Hans Ulrich Steymans

Jüdische und christliche Hoffnungen auf eine messianische Welt

Im Advent warten Christen besonders auf das Kommen des Messias. Das Christentum verkündet: Jesus, dessen Geburt man an Weihnachten feiert, ist der Messias. Doch der Begriff des Messias und die mit seinem Kommen verbundenen Erwartungen gehören zum Judentum.

Das aramäische Wort Messias bedeutet «der Gesalbte». Das Buch Jesaja gehört zu den Schriften der Bibel, die Erwartungen wecken, dass Gott in Zukunft einen Fürsten für Israel schicken wird, der gesalbt ist wie König David am Anfang der staatlichen Geschichte des Gottesvolks. Mit dem Kommen des Gesalbten, des Messias, wird umfassendes Heil anbrechen. Dieser Fürst wird Israel zu der gerechten Gesellschaft machen, die es nach dem Gebot Gottes sein sollte. Dann wird Frieden sein zwischen allen Tieren und Menschen, so dass der Säugling am Schlupfloch der Natter spielen kann, ohne dass ihm etwas zustösst (Jes 11,1-10). Das Buch Jesaja hofft auf eine messianische Welt.

Davon spricht die Lesung: «Seht, hier ist euer Gott! Dann werden die Augen der Blinden geöffnet, auch die Ohren der Tauben sind wieder offen. Dann springt der Lahme wie ein Hirsch, die Zunge des Stummen jauchzt auf. Die vom Herrn Befreiten kehren zurück und kommen voll Jubel nach Zion» (Jes 35,4-6.10).

Als Johannes der Täufer wissen will, ob mit Jesus die messianischen Hoffnungen Wirklichkeit werden, wiederholen sich die Jesaja-Worte: «Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder, und Lahme gehen; Aussätzige werden rein, und Taube hören; Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet» (Mt 11,4-5).

Das ist zugleich mehr und weniger als die messianische Hoffnung im Jesajabuch. Es ist mehr, weil eine Zukunft über den Tod hinaus in der Auferstehung und das Anbrechen des Gottesreiches im Evangelium zugesagt wird. Es ist weniger, weil alle Hoffnung auf die Erfüllung in Jesus konzentriert wird. Jesus ist von den Toten auferweckt, Jesus als Messias ist der Inhalt des christlichen Evangeliums.

Die messianische Hoffnung des Judentums hält daran fest; so lange nicht auch die anderen Erwartungen, nämlich Friede, Ende der Krankheiten, Heimkehr des Volkes Israel und das Aufhören des Antisemitismus, erfahrbar sind, kann die Zeit des Messias noch nicht da sein.

Das jüdische Mehr an Erwartung gegenüber der im Christentum verkündeten Erfüllung wahrzunehmen, kann Christen bewusst machen, dass sie auf den Messias – sein Wiederkommen – und seine Heilszeit warten. Advent bedeutet: Von Gott her kommt Grosses auf uns zu!

Der Dominikaner Hans Ulrich Steymans ist Professor für Altes Testament und Biblische Umwelt an der Universität Freiburg und lebt im Kloster St. Hyazinth.

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