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Jugendbrigade soll wieder auferstehen

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Jugendbrigade soll wieder auferstehen

Staatsrat macht Ernst mit der Bekämpfung der Jugendkriminalität

Eine neunköpfige Jugendbrigade und eine Sittenbrigade sollen sich innerhalb der Sicherheitspolizei der Jugendkriminalität annehmen. Dies ist eine der sechs Massnahmen, mit welchen der Staatsrat der zunehmenden Gewalttätigkeit der Jugendlichen begegnen will.

Von ARTHUR ZURKINDEN

Eine Jugendbrigade wurde zwar bereits im Jahre 1984 mit folgenden Aufgaben ins Leben gerufen: Behandlung aller Fälle, in denen ein Minderjähriger Täter oder Opfer einer Straftat ist sowie alle Vergehen sexueller Natur; Überwachung der Präsenz von Minderjährigen in öffentlichen Gaststätten und Spielsalons; Kontaktpflege mit den Schulen und den spezialisierten Einrichtungen. Heute sind noch zwei der ursprünglich neun Inspektoren für die Verfolgung von jungen Straftätern zuständig, wie der Staatsrat in seinem Bericht festhält. Er fordert deshalb die Anstellung von sieben neuen Inspektoren.

Vermittler anstellen

Anderthalb Stellen möchte der Staatsrat für die Anstellung von Mediatoren schaffen. Gemäss neuem Gesetz über die Jugendstrafrechtspflege kann der Richter in jedem Stand des Verfahrens, der Untersuchung, des Urteils oder der Vollstreckung einen Mediator in Strafsachen beiziehen. Aufgrund der Anzahl Fälle, die bei der Jugendstrafkammer hängig ist, geht der Staatsrat davon aus, dass das Büro für Mediation jährlich 300 Vermittlungsverfahren durchführen müsste.

Ein geschlossenes Erziehungsheim?

Um die Strafverfahren zu beschleunigen, will die Freiburger Regierung zudem eine dritte Sekretariatsstelle bei der Jugendstrafkammer schaffen.

Der Staatsrat denkt zudem an den Bau eines geschlossenen Erziehungsheims. Nach seinen Worten hat auch die Zahl der Jugendlichen zugenommen, die aus Sicherheitsgründen oder wegen schwerer Verhaltensstörungen in geschlossenen Anstalten untergebracht werden müssen. Für solche Unterbringungen verfügt der Kanton Freiburg heute einzig über das Zentralgefängnis.

Jeder zehnte Jugendliche
in ein Verfahren verwickelt

In seinem Bericht, den der Staatsrat aufgrund eines Postulates der FDP-Grossrätin Dominique Virdis Yerly ausarbeitete, musste er auf eine stark zunehmende Jugendkriminalität hinweisen. In den letzten zehn Jahren nahmen die eröffneten Verfahren von 863 auf 1257 zu. Im Jahre 2002 wurden 946 Verfahren allein gegen Jugendliche im Alter zwischen 15 und 18 Jahren eröffnet, also gegen jeden zehnten Jugendlichen im Kanton. Von den 1257 jungen Straftätern (189 Mädchen) waren 299 in Grossfreiburg, 837 in Bezirken und 109 ausserhalb des Kantons wohnhaft. Zwei Drittel waren Schweizer, ein Drittel Ausländer.

Verschärft hat sich der Anteil der Gewaltdelikte. Die Anzahl Inhaftierungen ist von 16 im Jahre 1999 auf 51 im Jahre 2002 angestiegen.

Terrorismus – Auch bei uns

Nach Worten von Dominique Virdis Yerly muss auch bei uns von einem Terrorismus gesprochen werden. Sie wie auch die übrigen Grossrätinnen und Grossräte, die sich am Dienstag zum Bericht äusserten, begrüssten die vom Staatsrat vorgesehenen Massnahmen.

Maria-Grazia Conti (SP, Schmitten) gab zu bedenken, dass sich bei vielen Jugendlichen schon früh Anzeichen eines auffälligen Verhaltens bemerkbar machen würden. Es gelte deshalb, sie rechtzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren, nicht erst, wenn es zu spät sei. Ausschlüsse aus der Schule seien zu vermeiden. Auffälligen Schülern müsse mit Hilfe von Fachpersonen aufgezeigt werden, dass ihr Verhalten für die Schule nicht tragbar sei.

Die Sensler Grossrätin wies darauf hin, dass all diese Massnahmen Kosten verursachen. Sie hoffte deshalb, dass dem Staatsrat auch die nötigen Mittel zur Verfügung gestellt würden und nicht das alte Lied zu hören sei, wonach die Eltern für die Erziehung verantwortlich seien und dass das Problem mit Strafen zu bekämpfen sei. «Eine gute Prävention und eine rasche Intervention sind kostengünstiger», meinte sie.

Laut CSP-Sprecherin Antje Burri-Escher müssen die Bezirke das Problem mit Gesamtvisionen angehen und dabei vom Staat finanziell unterstützt werden.

Jugendarbeiter nicht vergessen

Der Jugendarbeiter Albert Studer stellte fest, dass im Bericht der Einsatz von Jugendarbeitern nicht vorgesehen sei. Gerade diese aber seien wichtig, um Treffpunkte für Jugendliche zu schaffen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Laut Claude Grandjean wird der Staatsrat dem Grossen Rat demnächst ebenfalls einen Entwurf für ein Jugendgesetz unterbreiten. Darin würden auch eine Reihe von Massnahmen vorgeschlagen. Auch die Erziehungsdirektion werde im Rahmen der Kommission Wattendorf mit Vorschlägen aufwarten. Er hofft, dass auch für diese Massnahmen die notwendigen Gelder gesprochen würden.
Ja zu den «professionellen Pflegefamilien»

I m Kanton Freiburg können 25 Kinder mit einem schwierigen Hintergrund in professionellen Pflegefamilien aufgezogen werden. Der Grosse Rat genehmigte 25 solche Plätze mit 101 zu 0 Stimmen.

«Es handelt sich um Kinder, die bildungs- und beziehungsfähig sind, bei denen aber eine Rückkehr in ihre eigene Familie nicht möglich ist. Diese wäre überfordert», hielt Gesundheitsdirektorin Ruth Lüthi fest. Mit der Anerkennung der professionellen Pflegefamilie will der Staat so Kindern aus gestörten Familien oder mit Verhaltensproblemen eine Erziehung in einer Grossfamilie ermöglichen, als Alternative zu einem Heim.

Ruth Lüthi nannte einige Kriterien, welche die Pflegefamilien erfüllen müssen. «Sie müssen mindestens drei und dürfen maximal zehn fremde Kinder aufnehmen», hielt sie fest. Ein Zimmer pro Kind, Gemeinschafts- und Spielräume sind weitere Bedingungen, und auch ein Diplom im erzieherisch-pädagogischen Bereich wird verlangt. Und eine Platzierung muss von einer Fachstelle (Vormundschaftsbehörde, Friedensgericht usw.) angeordnet werden.

Gesunden Menschenverstand
walten lassen

Die Schaffung von 25 solchen Plätzen, die den Staat und den Gemeinden jährlich 1,08 Mio. Franken (120 Franken pro Tag und Kind) kosten werden, war im Grossen Rat nicht umstritten. Yvonne Stempfel-Horner (CVP, Guschelmuth) befürchtete aber, dass die professionellen Pflegefamilien am Ende «Heimen» gleichkommen. Nach ihren Worten dürfen die Grossfamilien nicht mit administrativen Aufgaben überflutet werden. «Der familiäre Charakter muss beibehalten werden», betonte sie und plädierte für einen gesunden Menschenverstand. «Den Kindern fehlen Geborgenheit und Nestwärme.»

Auch Josef Fasel (CVP, Alterswil) wollte nicht, dass bezüglich Ausbildung allzu hohe Anforderungen an die Pflegefamilien gestellt werden. Menschlichkeit und Erfahrung müssen – so Fasel – auch miteinbezogen werden. FDP-Sprecherin Raymonde Favre hoffte, dass es nicht zu Missbräuchen kommen werde. az

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