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«Justizpalast»: Rechtsprechung gegen das Chaos

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Petra Morsbach hat gut recherchiert, sie hat sich mit unzähligen Juristen ausgetauscht und über neun Jahre an ihrem neusten Roman gearbeitet. Das Resultat «Justizpalast» ist ein literarisches Juwel.

Thirza Zorniger, die Heldin von «Justizpalast», wächst in chaotischen Familienverhältnissen auf. Weil die Ehe ihrer Eltern, eines Schwabinger Bohempaares, bald in die Brüche geht, lebt sie fortan beim Grossvater mütterlicherseits. Dieser Grossvater war früher Richter, genau das will Thirza auch werden. Sie könne doch Anwältin oder Notarin werden, «vor Gericht erlebe man nur die dunkle Seite der Menschheit, Verbrechen, Wortbruch, Zwist und Zorn, man könne nichts gestalten, nur Urteile sprechen», so der Grossvater, der seiner Enkelin die Flausen austreiben will. Nur, Thirza ist von ihren Plänen nicht abzubringen, sie will für Gerechtigkeit sorgen.

Mythos Gerechtigkeit

Petra Morsbach beschreibt den Werdegang der jungen Thirza von der fleissigen Studentin bis zur Vorsitzenden Richterin im Justizpalast. Am Ende des Romans hat sie in zehntausend Fällen ein Urteil gefällt. Der Roman beschreibt etwa hundert dieser kleineren und grösseren Dramen, in denen sich das ganze Spektrum des menschlichen Zusammenlebens widerspiegelt. Jeder Fall birgt in sich eine Geschichte, manche sind an Absurdität kaum zu überbieten. Unerbittlich streiten die Parteien um lächerlich kleine Beträge oder Schuldfragen. Allzu oft bringen sie sich damit um ihre Seelenruhe – aber es geht ihnen um Gerechtigkeit.

Menschliche Richter

Auch unter Richtern kann es auf der Beziehungsebene hapern. Oft vermag Thirza mit ihren zwischenmenschlichen Fähigkeiten unter verfeindeten Kollegen zu vermitteln. Parallel zum Berufsalltag beschreibt Pet­ra Morsbach das Privatleben der Richterin. Mit den Männern will es nicht so gut klappen; Thriza ist eine hochgeschätzte Kollegin, ihr Liebesleben hingegen läuft auf Sparflamme. Schon mit Beni aus Kindertagen fand die Beziehung ein abruptes Ende. Damals hat der Grossvater mit der Gartenschuppenromantik kurzen Prozess gemacht und das in mühsamer Kleinarbeit errichtete Häuschen mit der Axt zusammengeschlagen. Auch spätere Beziehungen enden für die junge Thirza unschön, bis sie in reiferen Jahren ihrer grosse Liebe Max begegnet. Leider sind dem Paar nur ein paar Jahre beschieden, als Leserin hätte man der sympathischen Richterin etwas mehr privates Glück gegönnt.

Immer wieder einmal, nach vielen Lesestunden, hält man sie plötzlich in den Händen: Die Lektüre des Jahres, diesen einen Roman, der bedingungslosen Lesegenuss bereitet, das Buch, das einfach gut ist. Mit «Justizpalast» von Petra Morsbach mag es einigen Leserinnen oder Lesern genau so ergehen. Der Wälzer mit 480 Seiten ist brillant geschrieben und genau das Richtige für genussreiche Mussestunden im Liegestuhl, fernab aller Absurditäten des Alltagslebens.

Petra Morsbach: «Justizpalast», Roman. Knaus, München 2017, 480 S.

Silvia Häcki-Eggimann ist Erwachsenenbildnerin.

Zur Person

Mehrfach ausgezeichnet

Petra Morsbach, geboren 1956, studierte in München und St. Petersburg. Danach arbeitete sie zehn Jahre als Dramaturgin und Regisseurin. Seit 1993 lebt sie als freie Schriftstellerin in der Nähe von München. Für ihre Romane wurde sie mit unzähligen Preisen und zahlreichen Stipendien ausgezeichnet. Für «Justizpalast» recherchierte Petra Morsbach neun Jahre lang. Sie hat dafür den Raabe-Preis erhalten.

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