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Kanonen in den Gärten von Versailles…?

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Bäume und Pflanzen sind den Wetter- und Witterungsbedingungen ganz besonders ausgesetzt. Bei einem Kälteeinbruch können sie nicht einfach den Standort wechseln, um sich vor der Kälte zu schützen. Ein Baum besteht aus einem Wurzelwerk im Erdreich, dann aus dem Baumstamm und den Ästen, die zum Blattwerk bei Laubbäumen oder zu den Nadeln bei immergrünen Bäumen führen. Kleine Kapillarröhrchen, die von den Wurzeln bis zu den Blättern oder Nadeln gelangen, versorgen diese mit Nährflüssigkeit. Ein kleiner Unterdruck in den Kapillaren ist verantwortlich dafür, dass der Wasserfluss kontinuierlich von unten nach oben abläuft, entgegengesetzt zu den Gravitationskräften (Erdanziehungskräften). Nur Gaspartikel in den Kapillaren könnten den Fluss zum Stoppen bringen.

Natur sorgt vor

Sinkt im Winterhalbjahr die Lufttemperatur unter den Gefrierpunkt von null Grad Celsius, dann besteht die Gefahr, dass Wasser zu Eis gefriert. Eis dehnt sich aus, natürlich auch in den Kanälen von Pflanzen und Bäumen. Die Zellwände der Pflanzenzellen und die Wasserkapillaren werden gesprengt, was den Baum nachhaltig schädigt. Dass das nicht passiert, dafür sorgt die Natur schon früh im Jahr.

In dem Moment, wo sich die Sonne am 23. September, an der Tag- und Nachtgleiche, auf die südliche Halbkugel der Erde zurückzieht, beginnt bei uns nicht nur der Herbst als Jahreszeit, sondern auch das Winterhalbjahr. Die Intensität der Sonnenstrahlen nimmt ab. Für die Laubbäume ist dies das Zeichen, dem Blattwerk und den kleinen Ästchen langsam das Wasser und die Nährstoffe zu entziehen.

Die Blätter beginnen sich zu verfärben, bevor sie durch den Verwelkungsprozess abfallen. Das Wasser, das noch in den Baumkanälen und -kapillaren fliesst, wird rechtzeitig vor Wintereinbruch entleert. Der Baum beugt damit gegen Forstschäden vor. Man nennt das in der Fachsprache eine Frosthärtung. Mit dem Prozess der Frosthärtung wird das Wachstum bis zum Frühling eingestellt.

Durch intensive Forschung fanden Biologen vor einigen Jahren in Pflanzen und Bäumen ein ganz besonderes Gen, eine Erbanlage, die kälteregulierend wirkt. Sie nannten das Gen ein «cor-Gen» («cor» stammt vom Englischen «cold-regulated»). Dieses cor-Gen trägt eine Bauanleitung in sich, mit der es bei Kälteeinbruch sofort den ganzen Stoffwechsel der Bäume oder Pflanzen umstellen kann. Normalerweise bauen die Pflanzen und Bäume aus dem Kohlendioxid der Luft und aus Wasser unter Einwirkung der Sonnenstrahlung die Kohlenhydrate, Stärke und Zucker als Baustoffe auf. Damit wachsen die Pflanzen und Bäume im Sommerhalbjahr. Man nennt den Prozess Assimilationsprozess.

Ein grossartiger Trick

Wenn es nun im Winterhalbjahr kalt wird, schalten die Pflanzen ihren Stoffwechsel um und stellen Frostschutzmittel her. Aus den grossen Stärkemolekülen entstehen viele kleine Glucose (Zucker)-Moleküle. Aus der Glucose selber entsteht Glycerin, eine Art Zuckeralkohol. Diese kleinen Moleküle lösen sich dann in den Zellen der Pflanzen und binden das Wasser so fest, dass es nicht bei null Grad Celsius gefrieren kann. Je nach Menge dieser gelösten Stoffe wird der Gefrierpunkt um einige Grad Celsius unter null Grad abgesenkt. Mit diesem grossartigen Trick der Gefrierpunkterniedrigung schützen sich Pflanzen und Bäume vor Kältewellen.

Nur vorübergehend

Allerdings wirken die pflanzlichen Frostschutzmittel zeitlich beschränkt. Bei lang andauernden Kältewellen und Temperaturen weit unter minus zehn Grad Celsius, können auch Pflanzen und Bäume der Kälte nicht mehr standhalten. Das zu Eis erstarrte Wasser sprengt dann die Kapillaren und Zellen und lässt Pflanzen und Bäume absterben.

Ein bekanntes Beispiel der Geschichte geht auf das Jahr 1788 zurück. Der Winter 1788/89 war einer der kältesten der letzten tausend Jahre. Damals sanken die Temperaturen in Europa während sechsundachtzig Tagen weit unter den Gefrierpunkt und erreichten Tiefstwerte von minus 25 Grad Celsius. Die Flüsse froren alle zu. In den Kellern barsten viele Weinfässer wegen der Kälte. Chronisten schrieben, dass in den Gärten und Wäldern rund um Versailles die Bäume richtig gesprengt wurden. Das tönte jedes Mal wie die Knaller grosser Kanonen. Da konnte selbst der natürliche Frostschutz in den Pflanzen und Bäumen nichts mehr entgegenhalten.

Mario Slongo ist ehemaliger DRS-Wetterfrosch. Einmal im Monat erklärt er in den FN spannende Naturphänome­­­­ne. Weitere Beiträge unter: www.freiburger-nachrichten.ch, Dossier «Wetterfrosch».

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