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Kanton soll Verantwortung tragen

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«Der Kanton spricht viel über die Unterstützung, die er wegen Corona der Wirtschaft zukommen lässt, den KMU, der Gastronomie, der Kultur. Aber die sozialen Einrichtungen scheint er vergessen zu haben.» Das sagt Pascale Michel, Direktorin von Espacefemmes-Frauenraum Freiburg. Sie vermisst eine klar ersichtliche Strategie des Staatsrats, um den sozial schwachen Menschen im Kanton wirklich zu helfen. «Ich sorge mich, dass wir in ein System der Wohltätigkeit verfallen, anstatt dass der Staat seine Verantwortung übernimmt.»

Anlass für diese klaren Worte ist die finanzielle Schieflage, in die der Frauenraum mit der Corona-Krise erneut geraten ist (siehe Kasten). Die Institution schliesst wichtige Lücken im Sozialbereich: Sie hilft Migrantinnen unter anderem mit Sprachkursen, in der hiesigen Gesellschaft Fuss zu fassen, und mit verschiedenen Themenateliers all jenen Frauen, die sich nach persönlichen Umbrüchen neu sortieren müssen.

«Kein Problembewusstsein»

Philippe Cotting, Direktor von Reper, teilt die Ansicht von Pascale Michel. «Der Staatsrat muss seine Verantwortung wahrnehmen und die Angebote der sozialen Einrichtungen im Kanton koordinieren.» Dessen sei sich Reper besonders bewusst geworden, als der Verein von Mai bis August die Nahrungsmittelausgabe für Bedürftige organisiert habe.

Doch mit dieser befristeten Aktion und einer Unterstützung des Kantons von 160 000 Franken zur Deckung des Defizits sei es nicht getan. Denn die Corona-Krise habe bloss ein bereits existierendes Armutsproblem in verschärfter Form offenbart. «Am schwersten haben es all jene Menschen, die zu viel verdienen, um Sozialhilfe beziehen zu können, und zu wenig, um sorglos über die Runden zu kommen.»

Äusserst schwierig sei die Situation aber auch für mittellose Sans-Papiers, für Sozialhilfeempfänger wie Obdachlose und andere sozial sehr verletzliche Personen. Cotting erinnert in diesem Zusammenhang auch daran, dass Freiburg zu den Kantonen mit den tiefsten Sozialhilfeleistungen gehört. «Um der Armut im Kanton zu begegnen, braucht es eine klare Strategie des Staatsrats.» Diesem scheine die Tragweite des Problems indes nicht ausreichend bewusst zu sein. Stattdessen springen Organisationen ein, wie etwa der Verein Reper, der sich für das Wohlbefinden von Jugendlichen und ihre Integration in die Gesellschaft einsetzt und in den Quartieren von Freiburg soziokulturelle Animationszentren betreibt, das Tageszentrum Banc Public, das Obdachlosenzentrum La Tuile, Caritas, das Rote Kreuz, Lebensmittelhilfen wie Tischlein deck dich oder kirchliche Hilfsorganisationen.

Aus diesem Grund haben sich nun unter der Leitung von Reper rund 30 soziale Einrichtungen zusammengetan, um einerseits ein Manifest gegen die Armut zu verfassen und andererseits eine Nahrungsmittelbank ins Leben zu rufen. Das Manifest soll Politikerinnen und Politikern sowie der Bevölkerung das Problem der Armut deutlich machen und konkrete Forderungen enthalten. Es soll im Februar der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Eine Nahrungsmittelbank

Bei der Nahrungsmittelbank geht es darum, im Kanton ein oder zwei zentrale Lebensmittellager zu schaffen, um von dort aus Bedürftige beliefern zu können. «Von Mai bis August haben wir teilweise bis zu 5000 Essenssäcke pro Woche verteilt. Das entspricht acht Tonnen Lebensmitteln», macht Cotting die Notwendigkeit eines solchen Lagers deutlich. Die Organisationsform der geplanten Nahrungsmittelbank sei noch unklar.

Generalversammlung

Ohne zusätzliche Gelder muss der Frauenraum schliessen

Das Dienstleistungszentrum Espacefemmes-Frauenraum Freiburg kämpft trotz der drastischen Sparmassnahmen, die es im Jahr 2018 in Absprache mit dem Kanton vorgenommen hat, wieder mit den roten Zahlen. Nach einem positiven Abschluss im Jahr 2019 geht der Verein für das laufende Rechnungsjahr von einem Verlust von schätzungsweise 20 000 Franken aus. Im Budget 2021 ist sogar ein Defizit von 75 000 Franken veranschlagt.

Es gebe mehrere Gründe für die erneut negative Entwicklung, sagt Direktorin Pascale Michel auf Anfrage. «Zum einen können wegen Corona weniger Frauen an unseren Kursen teilnehmen. Zum anderen gestaltet sich die Geldsuche bei Unternehmen wegen der Corona-Krise noch schwieriger.» Der Frauenraum hat nun bei den kantonalen Direktionen, die seine Angebote subventionieren, um eine erweiterte Unterstützung gebeten. Noch stehen definitive Zusagen aus.

«Wenn uns der Kanton nicht weitreichender unterstützt, müssen wir schliessen», macht Pascale Michel klar. Der Frauenraum beschäftigt im Umfang von acht Vollzeitstellen 18 Mitarbeiterinnen.

An der gestrigen Generalversammlung hiessen die Vereinsmitglieder das defizitäre Budget 2021 gut.

rsa

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