Freiburg 31.07.2020

Der erste grosse Quarantäne-Fall

In Bars und Clubs ist es nicht immer möglich, die Kontakte zurückzuverfolgen.
Letzten Freitag- und Samstagabend hat eine mit dem Coronavirus infizierte Person drei Bars und Clubs besucht. Alle Personen, die an diesen Abenden ebenfalls in den Lokalen waren, müssen in Quarantäne.

Die Folgen, welche eine Infektion mit dem Coronavirus einer einzelnen Person haben kann, zeigen sich aktuell im Kanton Freiburg stärker als zuvor. Das Kantonsarztamt hat am Dienstagabend 240 Bewohnerinnen und Bewohner des Kantons aufgefordert, sich unverzüglich in Quarantäne zu begeben. Dies, nachdem sie sich am Freitag- oder Samstagabend zusammen mit einer mit dem Coronavirus infizierten Person in einer Bar oder einem Club aufgehalten hatten.

«Wir haben nach dem Senden der SMS die Personen telefonisch kontaktiert, um sicherzustellen, dass sie unserer Aufforderung nachgehen», sagte Kantonsarzt Thomas Plattner gegenüber den FN. Von den 240 Personen waren 170 erreichbar. 30 Betroffene verstanden die Aufforderung sprachlich nicht. Das Kantonsarztamt setzt das sogenannte Contact-Tracing fort. Die Kontaktangaben stammen von Listen, welche zwei der drei Lokale an den jeweiligen Abenden gemäss kantonalen Vorschriften erstellt haben. «Vom dritten Lokal gibt es keine Kontaktliste.»

Vorübergehende Schliessung

Bei diesem Lokal handelt es sich um die QG Bar in der Gemeinde Farvagny im Saanebezirk, wie Vizeoberamtmann Patrick Nicolet sagte. Das Oberamt des Saanebezirks hat in Absprache mit der Freiburger Direktion für Gesundheit und Soziales die vorübergehende Schliessung der QG Bar angeordnet. Dies, weil sich die Betreiber nicht an die Vorschriften gehalten und auch gegen andere Betriebsregeln verstossen haben, wie es in einer Mitteilung heisst. Die Betreiber der Bar waren nicht erreichbar.

Kantonsarzt Thomas Plattner sowie Vizeoberamtmann Patrick Nicolet gaben keine Auskunft darüber, wie die beiden andere Lokale heissen. Gemäss der Zeitung La Liberté handelt es sich um die Freiburger Bar La Habana und den Kai Club. Auf Facebook haben sich beide Betriebe geäussert: La Habana annulliert bevorstehende Veranstaltungen und der Kai Club schliesst vorübergehend, um den Innenraum zu desinfizieren.

Noch kein Ansteckungsfall

Die betroffenen Personen werden nicht systematisch auf das Coronavirus getestet, wie Thomas Plattner erklärt. «Erst wenn jemand Symptome entwickelt, empfehlen wir einen Test.» Zur Zeit ist kein Ansteckungsfall bekannt. Jedoch sei es auch noch zu früh, um festzustellen, ob die infizierte Person an den beiden Abenden jemanden angesteckt hat. Üblicherweise werden nur enge Kontaktpersonen einer infizierten Person angewiesen, sich in Quarantäne zu begeben. «In Bars sitzt man aber so eng beieinander, dass es nicht mehr möglich ist, zu identifizieren, wer mit wem Kontakt hatte», so Plattner. Deshalb reagierte das Kantonsarztamt so breitflächig.

Verschärfte Kontrollen

Die Lage sei ernst, betonen die Behörden in ihrer Mitteilung. Nicht nur die strikte Einhaltung der Quarantäne, sondern auch die Einhaltung der Schutzkonzepte seitens von Gaststätten würden auch künftig unangekündigten Kontrollen unterzogen. Seit Mitte Juli sind Gastrobetriebe verpflichtet, die Handynummern ihrer Gäste zu notieren sowie nach einem gültigen Ausweis zu fragen. Die Direktion für Gesundheit und Soziales kündigt in ihrem Communiqué an, dass die Kontrollen in Zukunft noch verschärft werden. Der Branchenverband Gastro Freiburg reagiert auf die Situation mit Verständnis für die Behörden. «Uns sind die Schutzmassnahmen sehr wichtig», sagte Xavier Pirlet im Namen des Verbands. Gastro Freiburg stehe in engem Kontakt mit dem Kanton und kommuniziere die Richtlinien gegenüber seinen Mitgliedern. Die von diesem Fall betroffenen Gaststätten seien nicht Mitglieder, so Pirlet.

Verbreitung

Das Coronavirus ist im Kanton breit verteilt

Es sei jeweils schwer nachzuvollziehen, wo genau sich eine Person mit dem Coronavirus angesteckt habe, sagte Kantonsarzt Thomas Plattner gegenüber den FN. «Nur selten gab es Fälle, wie beispielsweise Beerdigungen, an denen sich Ansteckungen gehäuft haben und zurückverfolgt werden konnten.» Beim sogenannten Contact-Tracing gehe es darum, dass gesunde Personen informiert würden, wenn sie in Kontakt mit einer infizierten Person waren. «Im Kanton Freiburg sei nicht feststellbar, dass es in einem Bezirk zu mehr oder zu weniger Ansteckungen komme. Im Kanton Freiburg kam es am Donnerstag zu neun neuen Fällen. Schweizweit hat das Bundesamt für Gesundheit gestern 220 neue laborbestätigte Infektionen gemeldet.

sf