FREIBURG 12.06.2019

Der heikle Spagat zwischen Notendruck und Gleichbehandlung

Eine Motion fordert, dass Noten und Bewertungen an deutschsprachigen Schulen erst ab der Klasse 5H eingeführt werden. Der Staatsrat lehnt dies jedoch ab.

In Sachen Schulnoten soll gemäss dem Willen des Staatsrats alles so bleiben wie gehabt. Die Kantonsregierung empfiehlt dem Grossen Rat eine entsprechende Motion der Grossratsmitglieder Christine Jakob (FDP, Murten) und Ueli Johner-Etter (SVP, Kerzers) zur Ablehnung. Die beiden hatten im April dieses Jahres gefordert, dass Noten und Bewertungen an den deutschsprachigen Schulen erst nach dem ersten Schulzyklus (Klasse 1H bis 4H) Einzug halten sollen (die FN berichteten). Dies nachdem kurz zuvor bereits 376 Deutschfreiburger Lehrer in einer vom Berufsverband Lehrerinnen und Lehrer Deutschfreiburg (LDF) lancierten Petition forderten, dass die Kinder in den ersten beiden Schuljahren nach dem Kindergarten, 3H und 4H, noch nicht anhand einer Bewertungsskala in Form von Noten oder Prädikaten beurteilt werden. Sie schlugen eine «förderorientierte Beurteilung» vor.

«Ausgewogener Kompromiss»

«Die vorliegende Regelung stellt einen ausgewogenen Kompromiss zwischen den beiden Sprachregionen dar», sagt Andreas Maag, Amtsvorsteher für den deutschsprachigen Unterricht. «Er trägt auch der immer grösseren Mobilität der Bevölkerung Rechnung und soll verhindern, dass innerhalb einer Familie Kinder in zwei komplett verschiedenen Schulsystemen eingeschult werden.»

«Es stimmt, dass sich der Lehrplan 21 nicht explizit zur Art der Bewertung äussert», räumt LDF-Präsidentin Jacqueline Häfliger ein. «Die Kommission, die sich mit diesem Thema befasste, tat dies aber schon und gab auch eine Empfehlung im Sinne einer förderorientierten Beurteilung ab.» Der Kanton hätte aus ihrer Sicht durchaus die Möglichkeit, den Lehrplan 21 in diesem Sinne umzusetzen. Auf die Schüler würde klar Druck ausgeübt, wenn sie schon früher mit Noten beurteilt würden.

Gemäss dem Zentralpräsidenten des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz, Beat Zemp, gehe es hier letztlich um einen politischen Entscheid, bei dem die Kantone die Entscheidungshoheit hätten und entsprechend auf unterschiedliche Systeme setzen würden. Der Unterschied ist für ihn folgender: Bei einer förderorientierten Beurteilung werde vor allem auf die Entwicklung der Stärken und Schwächen eines Kindes geschaut und weniger Gewicht auf den Vergleich eines Kindes mit anderen Kindern in der gleichen Klasse gelegt.