VAL-DE-CHARMEY 22.07.2017

«Der liebe Gott ist auch ein Armailli»

FAV-Vizepräsident Oskar Lötscher (links) begrüsst Sennen in Trachten aus den Kantonen Freiburg (rechts) und Bern (Mitte).
Auf der Alp Vounetz feierte der Freiburgische Alpwirtschaftliche Verein gestern sein 120-jähriges Bestehen. Dabei wurden die Gewinner des Jubiläumswettbewerbs und ihre Produkte präsentiert.

Es war ein wahrlich paradiesischer Tag auf der Alp Vounetz. Strahlendes Bilderbuchwetter, atemberaubende Fernsicht, schwarzweiss gescheckte Freiburger Kühe mit fröhlich bimmelnden Glocken auf der Weide, Alphornklänge, Fahnenschwinger, bärtige Sennen in farbenfrohen Trachten und Doppelrahm aus einer gemeinsamen Holzschüssel … Beim 120-Jahr-Jubiläum des Freiburgischen Alpwirtschaftlichen Vereins (FAV) wähnte man sich geradezu in einem Heidifilm im Greyerzerland.

Unter den rund 300 Gästen gaben sich auch zahlreiche prominente Persönlichkeiten des Kantons die Ehre – so die Nationalräte Jacques Bourgeois (CVP) und Dominic De Buman (CVP), Grossratspräsident Bruno Boschung (CVP), der Oberamtmann des Greyerzbezirks, Patrice Borcard (CVP), CVP-Kantonalpräsident André Schoenenweid, Bischofsvikar Nicolas Glasson, der Syndic von Val-de-Charmey Yves Page (FDP), der Ammann von Plaffeien Otto Lötscher (Talschaft Schwarzsee) sowie der abtretende Sanima-Verwalter Hubert Jungo.

«Nicht nur Profitstreben»

«Der liebe Gott ist auch ein Armailli», sagte Bruno Boschung in seiner Ansprache, nachdem er a cappella «Là-haut sur la montagne» angesungen hatte. Die Alpen leisteten einen bedeutenden Beitrag zur Freiburger Wirtschaft, aber auch zur Attraktivität für den Tourismus, so der Grossratspräsident. Bischofsvikar Nicolas Glasson erinnerte daran, dass man unter Wirtschaft nicht nur Profitstreben, sondern auch das Engagement von Menschen mit verschiedensten Kompetenzen für ein gemeinsames Ziel verstehen sollte.

Syndic Yves Page liess die letzten Jahrhunderte der Geschichte des Tals Revue passieren und wies auf die Bedeutung der Alpen für das kulturelle Erbe und die Identität der ganzen Region hin. Und Nationalrat Jacques Bourgeois – der auch Direktor des Schweizerischen Bauernverbands ist – schlug den Bogen zur Abstimmung vom 24. September, bei der es um die Ernährungssicherheit geht: «Ein Ja am 24. September sichert auch der Jugend unter unseren Landwirten eine Zukunft.»

Ausschau nach Trends halten

«Unser Verein ist sich der aktuellen Probleme bewusst, denen die Landwirtschaft im Allgemeinen und die Berglandschaft im Besonderen gegenüberstehen», sagte der Vereinspräsident Philippe Dupasquier bei der vorgängigen, rustikalen Pressekonferenz im Chalet Vounetz. Daher setze sich der Freiburgische Alpwirtschaftliche Verein mit all seiner Energie für den Erhalt einer florierenden Alpwirtschaft ein, ebenso für die Anerkennung und Verwertung der Alpprodukte sowie den Erhalt des alpwirtschaftlichen Kulturerbes. Zudem halte der Verein stets Ausschau nach neuen Trends und Vorschlägen verschiedener Akteure aus der Region.

Die eigentlichen Stars des Tages aber waren die Produkte. Der FAV hatte nämlich aus Anlass seines Jubiläums einen grossen Wettbewerb durchgeführt, bei dem im vergangenen Jahr 100 Produkte – darunter 23 aus dem deutschfreiburger Teil – einer achtköpfigen Jury präsentiert wurden: Käse, Milchprodukte, Fleisch und Honig.

Goldmedaille beim Honig

Von den Deutschfreiburgern gewann Simon Spengler aus Schmitten eine Goldmedaille in der Kategorie Alphonig. Der Plaffeier Karl Müller holte mit seinen «Gantrischli»-Produkten zwei Silbermedaillen beim Halbhartkäse und bei der Butter. Hedwig Cottier aus Im Fang gewann beim Frischkäse eine Silbermedaille mit ihrem «Geis Chies vom Gagerli» und eine Bronzemedaille mit einem anderen Ziegenkäse. Und FAV-Vizepräsident Oskar Lötscher aus Schwarzsee gewann mit seiner Bratwurst eine Silbermedaille beim verarbeiteten Fleisch.

Heute geht auf der Alp Vounetz ein Tag der offenen Türen mit zahlreichen Animationen über die Bühne, vom Regionalmarkt über volkstümliche Musik bis zu Schwinger-Vorführungen. Die Familie Piller demonstriert ausserdem im Chalet Vounetz die Herstellung von Gruyère und Vacherin.

 

Die Goldmedaillengewinner: Georges und Sébastien Bise (Gesamtsieger), Alexandre Murith (Gruyère d'Alpage AOP), Jacques Ruffieux (Vacherin Fribourgeois d'Alpage AOP), Francis und Julien Tena (andere Hartkäse), Association Ferme des Grands Bois (andere Halbhartkäse), Pierre-André Barras (Alpziger), Frères Boschung (Frischkäse), Gérard Biland (Weichkäse), Nicolas Remy (Butter), Coopérative des producteurs de fromages d'alpage (Fondue moitié-moitié), Coopérative des producteurs de fromages d'alpage (Fondue Vacherin Fribourgeois AOP d'alpage), Georges und Sébastien Bise (Frischfleisch), Georges und Sébastien Bise (verarbeitetes Fleisch), Simon Spengler (Alphonig).

Serie

120 Jahre im Dienste der Alpwirtschaft

Der Freiburgische Alpwirtschaftliche Verein feiert sein 120-jähriges Bestehen. Die Beweggründe, die damals zur Gründung führten, sind aktueller denn je: die Rahmenbedingungen für die Bewirtschaftung der Alpen verbessern und so die Zukunft der Voralpengebiete zu sichern. Die FN rücken dieses Engagement in den Fokus einer Artikelserie.

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