Freiburg 13.01.2021

Der Schnee kommt genau richtig

Vieles bleibt uns verwehrt zu Corona-Zeiten. Auf Schnee muss diesen Winter jedoch kaum jemand verzichten, und laut Wetterfrosch wird es so weitergehen. Das freut viele: Der Wintersport erlebt einen regelrechten Boom.
So viel Schnee gab es schon lange nicht mehr, und es schneit weiter. Was macht das Wetter genau? Der ehemalige DRS-Wetterfrosch Mario Slongo aus Tafers erklärt: «Beim aktuellen Wetter beobachten wir einen klassischen Ablauf. Wir erleben diesen Winter eine Wettervariante, wie sie im Schulbuch steht: Um Weihnachten hatten wir eine Südwestwindlage mit Föhn, also mit warmer Luft vom Mittelmeer.» Am 25. Dezember drehte sich die Wetterlage: «Kalte Polarluft von der Nordsee strömte zu uns.» An den Alpen staute sich die kalte Luft aus Nordwest: «Man kann sich das wie eine Badewanne vorstellen, die sich vom Norden bis zu den Alpen ausdehnt.» Der Kälteeinbruch mit der eisigen Polarluft führte in Kombination mit der feuchten Warmluft aus Südwesten dazu, dass es zünftig schneite, so viel wie schon lange nicht mehr: «Ich habe an meiner Wetterstation in Tafers am 31. Dezember eine grosse Ladung Schnee gemessen: Es waren 13 Zentimeter Neuschnee. Insgesamt hatten wir Ende Jahr in Tafers eine Schneedecke von 17 Zentimetern.» 
 
In diesen Tagen wiederholt sich dieser Ablauf laut Wetterfrosch Mario Slongo: «Aus West Südwest kommt relativ warme und feuchte Atlantikluft, die die Polarluft überlagert.» Diese sogenannte Gegenstromlage führe meist zu ergiebigen Niederschlägen. «Es bräuchte stürmische Winde, um die schwerere Kaltluft in Bodennähe auszuräumen, das ist aktuell nicht in Sicht.» Somit werde es in den nächsten Tagen einiges an Schnee geben, «in den Niederungen vielleicht aber auch Regen oder nassen Schnee». In den Bergen werde es wohl einen Meter Neuschnee geben.
 
Wasser als Wärmespeicher
Doch nicht überall liegt seit dem 31. Dezember Schnee: In der Region Murten war es damit rasch vorbei, erst seit gestern Nachmittag sind die Gemüsefelder im Grossen Moos wieder schneebedeckt. Das hat mit den Seen zu tun: «Das Klima in der Dreiseenregion ist milder und ausgeglichener als anderswo», erklärt der Wetterfrosch. «Wasser ist ein guter Wärmespeicher: Die drei Seen sind ein Wärme-Ausgleichsbecken und geben die gespeicherte Wärme langsam ab.» Einzig und allein diese Wärmespeicherkapazität der Seen führe dazu, dass am Mont Vully Weinreben wachsen könnten «und wir sehr guten Freiburger Wein haben». Die Region Murten und Kerzers erlebe deshalb weniger extreme Wetterlagen als Tafers oder gar Plaffeien: «Das voralpine Klima in Tafers ist viel rauer.» Im Jahresdurchschnitt betrage der Temperaturunterschied ein bis zwei Grad. 
 
Die aktuelle Wetterlage kennt Mario Slongo gut: «Es war früher meistens so, dass an Weihnachten Föhnlagen mit warmer Luft vom Mittelmeer den Ton angaben und darauf ein Kälteeinbruch mit eisiger Luft von Norden her folgte. Das führte zu Schneefällen im Januar.» Er sei früher gerne langlaufen gegangen und habe sich vor vielen Jahren für Langlaufloipen im Gantrischgebiet eingesetzt. «Doch auch wir spüren den Klimawandel, die Vorarbeiten waren für die Katz.» Im Jahresdurchschnitt sei es in Tafers inzwischen zwei Grad wärmer. 
 

Die Materiallager sind praktisch leer

Schneeschuhe, Tourenski und Langlaufausrüstungen sind derzeit in den Sportgeschäften Mangelware. 
 
«Der Dezember hat viel verändert», sagt Heinz Egger. Noch im November hatte der Inhaber des Sportgeschäfts Mondo Sport in Murten das Schlimmste befürchtet, weil Team- und Hallensport brachlagen und die Leute der Wintersaison verhalten entgegenblickten. In den Hallen läuft zwar immer noch nichts, doch die Lust der Leute, sich draussen zu bewegen, spüren die Sportgeschäfte. «Langlaufausrüstungen, Schneeschuhe oder Tourenski – unsere Bestände sind praktisch leer», sagt Egger. Er habe fünfmal nachbestellt. «Derzeit bekommt man schweizweit kaum noch etwas – auch die Lager der Lieferfirmen sind leer.» 
 
So leid es ihm tut, die Kundenwünsche nicht befriedigen zu können, so sehr freut es ihn, dass es seit Dezember in der Sportgeschäftsbranche besser läuft. Dazu beigetragen hat, dass endlich wieder einmal richtig Winter ist. «Die Leute investieren etwas, um rausgehen zu können.» Weil es kalt sei, liefen auch Handschuhe, Socken und andere Bekleidungsstücke recht gut. Er habe festgestellt, dass sich auch Leute ausrüsten, die sonst nicht oder nicht oft in ein Sportgeschäft kamen. 
 
Anders sieht es bei der Skivermietung aus: Weil keine Schullager stattfänden, habe er etwa 50  Prozent weniger Ski vermieten können. Zudem würden auch viele Eltern darauf verzichten, sich auszurüsten. Doch das nimmt Heinz Egger angesichts der Lage gern in Kauf. Sportgeschäfte in anderen Kantonen seien schlechter dran, weil sie geschlossen bleiben müssten. 
 
Winter geht weiter
«Ich kann mich nicht beklagen», sagt auch Hugo Raemy, Inhaber von Mahu Bike & Sportshop in Plaffeien. Das gut laufende Geschäft des Sommers sei nahtlos weitergegangen. Der Entscheid, dass die Freiburger Skilifte offen bleiben dürften, habe die Nachfrage nach Winterausrüstungen zusätzlich angekurbelt. Verkauf und Vermietung seien gut gelaufen. Die meisten seiner Kunden kämen aus der Region, doch habe er vereinzelt auch Nachfragen von ausserhalb erhalten – etwa die Anfrage eines Franzosen, der gleich 16 Paar Tourenski-Ausrüstungen mieten wollte. «Diesem Anliegen konnte ich leider nicht entsprechen.» Auch Hugo Raemy spürt die schweizweit grosse Nachfrage nach Wintersportartikeln. Weil es bei gewissen Marken keine Chance gebe, Nachschub zu bekommen, sei er soweit möglich auf andere Marken ausgewichen. Er schaue jeden Tag, wo er noch Ware beschaffen könne. «Denn es sieht so aus, als ob der Winter noch eine Weile bleibt.» Gerade für Skitouren vertrage es gut noch ein paar Zentimeter Schnee mehr.
Auch er hofft, dass sein Geschäft offen bleiben kann. «Wir nehmen es, wie es kommt», sagt Hugo Raemy. Zu tun haben er und sein Team genug – unter anderem damit, die Velos für den Frühling vorzubereiten.
 

In den Freiburger Wintersportgebieten geht alles langlaufen

Das Langlaufen hat in den vergangenen Jahren stark an Popularität gewonnen. In dieser Saison interessieren sich vermehrt junge Menschen für diese Sportart.
 
Wer nicht Ski fahren oder Snowboarden kann, geht langlaufen. Dieser Trend ist derzeit für die Sportgeschäfte besonders spürbar. In den Freiburger Bergen sind die Langläuferinnen und Langläufer deshalb auch vermehrt anzutreffen. 
 
Viele jüngere Neueinsteiger
«Die Beliebtheit des Langlaufens nimmt seit Jahren zu», sagt Natacha Mooser, Präsidentin des Langlaufzentrums Im Fang in Jaun. Wie Mooser erläutert, hat es vor einigen Jahren den sogenannten Dario-Cologna-Effekt gegeben. Das Langlaufen wurde interessanter, kam häufiger im Fernsehen, und so wollten mehr Leute diese Sportart erlernen. Diese Saison habe es einen regelrechten Boom beim Langlaufen gegeben: «Wir sehen viel mehr Besucherinnen und Besucher als sonst. Vor allem viele junge Menschen fangen mit dem Langlaufen an», sagt Mooser. 
 
Ausdauer und Kraft
Die Neugierde und der Fitnessaspekt dieser Sportart ziehe die Gäste an. Sie kombiniere nämlich Ausdauer, Koordination und Kraft. Beim Langlaufen sei der Sportler zudem nicht abhängig von Skiliften, sondern selbstständig unterwegs. Oft ist er auch allein auf den Loipen. 
 
«Ich denke, dass der Boom auch etwas damit zu tun hat, dass es beim Skifahren für viele noch eine zu grosse Unsicherheit gibt», sagt Mooser. Langlaufen sei zudem billiger als die traditionellen Wintersportarten und für alle Altersstufen geeignet. «Viele Besucherinnen und Besucher wollen auch etwas Neues ausprobieren und versuchen sich im Langlaufen. Meistens macht es ihnen dann so viel Spass, dass sie bei diesem Sport bleiben», sagt Mooser.
 
Grosse Nachfrage
Auch bei der Vermietung der Winterausrüstung spüre das Langlaufzentrum Im Fang den Zuwachs. Die Nachfrage sei gross, sagt Mooser. Genau wie in Jaun läuft auch im Gantrischgebiet die Vermietung von Langlaufausrüstung sehr gut. «Wir merken ganz klar, dass mehr Leute auf die Loipen gehen», sagt Gregor Wyder, Leiter des Langlaufzentrums Gantrisch. Es sei eine Alternative, die noch möglich sei. Mit 45 Kilometern Loipe hätten die Langläuferinnen und Langläufer im Gantrischgebiet auch genügend Platz, so dass sie einander nicht in die Quere kämen.
 
Beliebt seien auch die Langlaufkurse. «Die Schnupperkurse sind eigentlich immer ausgebucht, und die Privatkurse haben sehr zugenommen diese Saison», so Natacha Mooser. Auch im Gantrischgebiet erfreut sich das Langlaufen steigender Beliebtheit. Wegen der Reduzierung der Gruppengrösse bei den Kursen braucht es im Gantrisch nun auch mehr Kursleiterinnen und -leiter.
 

Nicht alle Schneeschuhwanderer respektieren die Regeln der Wildruhezone

Immer mehr Menschen gehen in der Wildruhezone La Berra Schneeschuh laufen. Doch einige halten sich nicht an die dortigen Vorschriften.
 
Viele Menschen zieht es in die Berge: zum Skifahren, zum Snowboardfahren, zum Schlitteln, zum Langlaufen, zum Skitouren und auch 
zum Schneeschuhlaufen. Diese Sportart hat in den letzten Jahren immer mehr an Beliebtheit gewonnen. 
 
Die Freiburger Sportgeschäfte schaffen es kaum noch, die vielen Tourenskifahrer, Langläufer und Schneeschuhwanderer auszurüsten. Da die Lieferfirmen ihre Lager geleert haben, ist derzeit kaum noch Nachschub zu bekommen (siehe auch Text links). Aber auch warme Kleidung ist sehr gefragt.
 
Konflikt Wildruhezone
Im Freiburger Skigebiet La Berra sind jede Saison viele Besucherinnen und Besucher mit Schneeschuhen anzutreffen, wie Didier Kilchoer, Direktor der Bergbahnen La Berra, auf Anfrage der FN sagt. Besonders viele sind es diese Saison. Vor allem ins Wildruhegebiet La Berra zieht es die Wintersportler. Dort gibt es zum Schutz der Natur und der Wildtiere eigens markierte Wege, die benutzt werden müssen.
 
Wanderer dürfen diese Wege nicht verlassen, sonst drohen Ordnungsbussen. «Es kommt leider regelmässig vor, dass Skitourengänger oder Schneeschuhwanderer die vorgesehenen Wege verlassen und wir sie büssen müssen», sagt Wildhüter Pascal Riedo. 
 
Drei Wildhüter sind für die Wildruhezone La Berra zuständig und sorgen dafür, dass die Regeln eingehalten werden. Sie verteilen auch Bussen. 
100 Franken beträgt die Busse für das Verlassen des Wegs, 150 Franken sind es, wenn jemand seinen Hund nicht an der Leine führt. Neben den Wildhütern sind im Gebiet auch Ranger im Einsatz, die die Gäste aufklären und sensibilisieren, aber bei Regelbrüchen keine Bussen verteilen dürfen. 
Die Bussen wurden erst letztes Jahr eingeführt. Davor haben die Wildhüter Besucher gemahnt und informiert. «Es hat aber nicht mehr gereicht. Deshalb haben wir letztes Jahr angefangen, Ordnungsbussen zu verteilen», sagt Riedo. Einige Gäste hätten kein Verständnis für die Regeln in der Wildruhezone und verstünden die Einschränkungen zugunsten der Natur nicht, so Riedo.
 
Tiere brauchen Ruhe
«Seit wir Bussen verteilen, hat sich die Lage ein wenig verbessert», sagt der Wildhüter. Er hofft, dass die Menschen mehr Respekt für die Natur und die Wildtiere zeigen und die Regeln befolgen würden. Denn für die Tiere ist es vor allem im Winter wichtig, dass die Menschen auf den gekennzeichneten Wegen bleiben. «Im Winter brauchen die Tiere ihre Ruhe. Wenn sie immer wieder gestört werden, verbrauchen sie mehr Energie, als sie aufnehmen können», sagt Riedo. Das könne fatal für sie sein. Ausserdem gewöhnen sich die Tiere laut Wildhüter mit der Zeit an die Menschen und wissen, dass diese nur dem Weg entlang laufen. Wenn die Besucher dann plötzlich kreuz und quer durch die Wildruhezone wandern würden, dann sei das unberechenbar für die Tiere, sagt Riedo. «Es ist wichtig, die Tiere zu respektieren, so dass sie ihre Winterruhe haben.»