Freiburg 23.05.2020

Die beiden Freiburger Kantonsärztinnen arbeiten bis auf weiteres nicht mehr

Die Kantonsärztinnen haben ihr Amt am 1. März angetreten.
Das Kantonsarztamt ist derzeit verwaist. Gemäss Recherchen der FN gehen die beiden Kantonsärztinnen im Jobsharing ihrer Arbeit nicht mehr nach.

Die beiden Kantonsärztinnen, Barbara Grütz­macher und Stéphanie Boichat Burdy, die das Amt im Job­sharing übernommen haben, gehen ihrer Arbeit derzeit nicht mehr nach. «Ich bin aktuell nicht bei der Arbeit», sagte Barbara Grützmacher gestern auf eine Anfrage der FN. Mehr könne sie im Moment nicht sagen, vielleicht einmal zu einem späteren Zeitpunkt.

Die FN versuchten auch Stéphanie Boichat Burdy zu erreichen. «Ich bin bis auf weiteres abwesend. Ihre Nachrichten werden nicht gelesen», lautete die automatische Antwort auf eine E-Mail-Anfrage. Telefonisch hat das Kantonsarzt­sekretariat die FN an die Direktion für Gesundheit und Soziales verwiesen. Generalsekretärin Claudia Lauper bestätigte die Information per Mail: «Die Kantonsärztinnen sind zurzeit abwesend, Dr. Plattner ist interimistisch zuständig.» Thomas Plattner ist Vorsteher des Amts für Gesundheit. Er sagt, dass über die Art der Vakanz derzeit keine Aussagen gemacht werden könne. Eine Kommunikation erfolge nächste Woche.

Grützmacher und Boichat Burdy haben ihr Amt als Kantonsärztinnen im Jobsharing am 1.  März angetreten. Sie traten die Nachfolge an von Kantonsarzt Chung-Yol Lee, der sein Amt auf Ende Februar niederlegte. Die beiden Frauen waren zuvor schon stellvertretende Kantonsärztinnen: Boichat Burdy ab Juli 2018 und Grützmacher ab Februar 2019. Sie traten in den letzten Wochen an Medienkonferenzen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie auf. Boichat Burdy zuletzt am 7. Mai, als sie über die Test- und Contact-Tracing-Strategie informierte.

Ärzteschaft überrascht

In Ärztekreisen zeigt man sich überrascht. «Ich hatte keinerlei Informationen dazu», sagt Jean-Daniel Schumacher, Arzt und FDP-Grossrat. Er habe den Eindruck, die beiden Frauen hätten die Covid-Krise gut gemeistert. Ebenfalls ahnungslos zeigte sich der Arzt und CVP-Grossrat Marc-Antoine Gamba. Mit der Corona-Krise sei ihre Arbeit gewiss schwer gewesen. Er habe aber festgestellt, dass die Kantonsärztinnen noch wenig sichtbar waren. Schreiben vom Amt ­habe meist das Sekretariat ­signiert.