Nova Friburgo 16.05.2018

Die Freiburger Botschaft in Brasilien

Die Casa Suiça erfüllt ihre Rolle als Ort der Begegnung immer mehr.
Was als Schulkäserei startete, wird immer mehr zu einem Kulturzentrum: die Casa Suiça ausserhalb von Nova Friburgo.

Das Schweizer Haus – Casa Suiça – ist das eigentliche Verbindungssymbol zwischen der brasilianischen Stadt Nova Friburgo und dem Land ihrer Vorfahren, Freiburg. «Es ist wie eine kleine Freiburger Botschaft in Brasilien», meinte am Montag der Koordinator der 200-Jahr-Feiern Nova Friburgos, Raphaël Fessler. Dieser Komplex, der etwa 25 Kilometer ausserhalb der Stadt liegt, war am Montag Schauplatz einer offiziellen Zeremonie aller Hauptbeteiligten des Jubiläums. Ursprünglich entstand das Schweizer Haus als Schulkäserei, dessen erster Käser Othmar Raemy noch entsetzt über die Qualität der angelieferten Milch gewesen war. Die Milch und somit auch der Käse verbesserten sich mit der Zeit, eine Schokoladenfabrik kam hinzu und später noch ein Museumsteil. Am Dienstag wurde nun das Auditorium Pierre Kaelin als neuer Bestandteil des Casa Suiça eingeweiht. Gemäss dem Bürgermeister Nova Friburgos, Renato Bravo, soll der Saal mit seinen rund 120 Plätzen für Seminare, Workshops, Theater, Konzerte oder Ausstellungen genutzt werden. Staatsrat Jean-Pierre Siggen (CVP) betonte, dass das Auditorium mehr denn je zu einem Treffpunkt wird, insbesondere für junge Leute, welche die Erinnerung an die Migration vor 200 Jahren aufrechterhalten.

Scheck der Stadt Freiburg

Als Beispiel für interkulturelle Begegnungen diente der Auftritt des Blasorchesters des Kollegiums St. Michael, das den neuen Saal mit dem Schweizer Psalm einweihte. Auch die Stadt Freiburg trägt ihren Teil zur neuen Ausrichtung bei. Syndic Thierry Steiert überreichte einen Scheck von 10 000 Franken für Material und Einrichtungen der Schule, die gleich an die Casa Suiça angrenzt. Nationalratspräsident Dominique de Buman (CVP) erinnerte daran, wie wichtig die Kontakte der Schweiz nach Brasilien waren und immer noch sind. Im Jahr, als sich rund 2000 Schweizer per Boot auf den Weg nach Brasilien machten, wurde in Rio de Janeiro auch gleich das erste Schweizer Konsulat in Übersee gegründet. Für de Buman ist Nova Friburgo ein Symbol: Die Auswanderer hätten mit Schweiss, Glauben und Vertrauen ins Leben eine Stadt gegründet, die heute mehr Einwohner zählt als Bern. «Diese Geschichte ändert unseren Blick auf die Flüchtlinge, die heute an unsere Tür klopfen», so de Buman. Raphaël Fessler, der das Präsidium der Vereinigung Freiburg-Nova Friburgo nun abgeben will, hatte am Schluss der Feier einen Wunsch übrig: «Nun müssen die Jugendlichen die Verantwortung für die Beziehungen beider Freiburg übernehmen. Sie müssen unsere Mission fortführen.»