FReiburg 26.05.2018

Die Visitantinnen zeigen ihre Schätze

Mutter Monique-Baptiste Stulz und Schwester Marie-Jeanne Wirth (v.l.) mit dem neuen Buch über die Visitantinnen.
Die Freiburger Visitantinnen, das kantonale Amt für Kulturgüter und das Visitantinnen-Museum im französischen Moulins haben gemeinsam eine Ausstellung und ein 320-seitiges Buch über die Geschichte und Kunstschätze des Ordens in Freiburg vorgestellt.

Die Schätze der Sakristei des Freiburger Visitantinnenklosters werden bis zum 24. Dezember erstmals in einem Museum präsentiert, nämlich im Musée de la Visitation im französischen Moulins. Die Ausstellung geht aus Anlass des 25-jährigen Bestehens des Museums über die Bühne und trägt den Titel «Quand la Suisse ouvre ses coffres» («Wenn die Schweiz ihre Schatzkisten öffnet»).

Besondere Aufmerksamkeit geniesst dabei eine umfassende Sammlung liturgischer Ornamente des 17. bis 20. Jahrhunderts. Aus edlen Seidenstoffen geschneidert und mit Gold-, Silber- und Seidenstickereien verziert, wurden einige dieser Gewänder von den Visitantinnen selbst angefertigt. Diese bemerkenswert gut erhaltene Sammlung wurde seit der Ankunft der Schwestern in Freiburg im Jahr 1835 zusammengestellt. In Frankreich konnte ein derartiges Kultur­erbe infolge der Zerstörungen während der Französischen Revolution nur selten bewahrt werden.

Rund 2000 Objekte

Die Ausstellung ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen den Visitantinnen Freiburgs, dem Amt für Kulturgüter des Kantons Freiburg und dem Mu­seum in Moulins.

Gemeinsam haben sie in zweijähriger Arbeit ein 320-seitiges Buch zur Begleitung der Ausstellung verfasst, das die Geschichte der Gemeinschaft, ihrer Gebäude, ihrer Sakristei, ihrer Goldschmiedekunst, ihrer Gemälde und ihrer Bilder vorstellt.

Gestern wurde das Buch im Garten des Visitantinnenklosters Freiburg den M­edien präsentiert. Dabei waren nicht nur die Oberin und die Archivarin des Klosters, Mutter Monique-Baptiste Stulz und Schwester Marie-Jeanne Wirth, anwesend, sondern auch Aloys Lauper, stellvertretender Dienstchef beim Amt für Kulturgüter und Mitverantwortlicher der Veröffentlichung, sowie Camille Collaud, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Amt für Kulturgüter.

«Diese von den Schwestern angeregte Erinnerungsarbeit begann mit einer systematischen Bestandesaufnahme des religiösen Erbes des Klosters», so Lauper. Nahezu 2000 Objekte wurden dokumentiert und fotografiert. Dabei kamen aus allen Epochen stammende und aus verschiedensten Materialien bestehende Unikate zum Vorschein, von kostbaren liturgischen Objekten über Tafelsilber bis hin zu Utensilien aus Silber, Kupfer, Zinn oder Weissblech, von Devotionalien bis zu Sanduhren, die den Alltagsrhythmus bestimmten, vom Klostermobiliar bis zur Kirchenausstattung.

Der historische Kontext

«Eine Vielzahl dieser Werke zeugt von den privilegierten Beziehungen, welche die Gemeinschaft fortlaufend zu den Familien der Schwestern, ihren Wohltäterinnen, Gönnern, Pensionärinnen, Schülerinnen und Exerzitantinnen pflegten» so Lauper weiter.

Massgeblich sei auch gewesen, dieses Kulturerbe in einen historischen Kontext einbetten zu können. Die Visitantinnen pflegen nämlich eine originelle Beziehung zu ihrer Geschichte und stellen seit der Gründung des Ordens 1610 für jedes Kloster Annalen, Rundschreiben und Lebensbeschreibungen zusammen. «Sie bewahren so ein wertvolles Familienarchiv, das den Wissenschaftlern zur Verfügung gestellt wurde», so Lauper. «Dies erlaubte, die Geschichte des Klosters in Freiburg neu zu schreiben.» Letztlich ermöglichte dies auch, die Geschichte des Ortes Revue passieren zu lassen. Von Jean-François Reyff entworfen und zwischen 1653 und 1663 errichtet, zählen die Kirche mit zen­triertem Grundriss und der erste Wohntrakt zu den bedeutendsten Bauten aus jener Zeit. Sie wurden 1726 durch einen neuen Flügel und 1862 durch ein Pensionat ergänzt. Dieses begründete den eigentlichen Ruf der Freiburger Visitantinnen bis zur Schliessung des Pensionats im Jahr 1922.

Stalins Tochter

Das Buch, das als Katalog der Ausstellung in Moulins fungiert, erinnert auch an die jüngere Geschichte der Gemeinschaft im 20. Jahrhundert als Zuflucht für zahlreiche Frauen, darunter die Tochter Stalins, Swetlana Alliluljewa, im Jahr 1967 (die FN berichteten).

Einen besonderen Platz haben gemäss der salesianischen Tradition auch der Garten und die Bilder inne. So wurden diesen beiden Themen zwei besondere Kapitel gewidmet. Einige Werke konnten malenden Schwestern zugeschrieben werden, die so zur Gestaltung des Orts beitrugen.

Gérard Picaud, Jean Foisselon, Aloys Lauper (Hg). Quand la Suisse ouvre ses coffres. Trésors de la Visitation de Fribourg. Paris, Moulins (Somogy éditions d'Art et Musée de la Visitation): 2018. 320 Seiten. Preis: Fr. 59.

Zahlen und Fakten

Im Jahr 1610 in Annecy gegründet

Die Visitantinnen oder Salesianerinnen gehören dem Orden von der Heimsuchung Mariens an. Dieser wurde im Jahr 1610 vom heiligen Franz von Sales und der heiligen Johanna Franziska von Chantal in Annecy gegründet. Der Orden der Heimsuchung ist ein beschaulicher Orden mit Klausur. Insofern gehören persönliches Gebet und Chorgebet zu den wichtigsten Aufgaben der Salesianerinnen. Dazu kommen vielfältige Dienste für die Klostergemeinschaft, etwa in Verwaltung, Haus und Garten. Einige Schwestern sind in der Erwachsenenbildung oder auch im erzieherischen Bereich tätig. Gegenwärtig gibt es 153 Visitantinnenklöster auf vier Kontinenten, auch in Ländern wie dem Libanon, Südkorea, Burundi, Ruanda und Kongo.

jcg