Freiburg  13.01.2018

Ein Solidaritätsfonds für die Aras

Einige Abwasseranlagen im Kanton Freiburg müssen aufrüsten – das kostet.
Die Abwasserreinigungsanlagen müssen aufrüsten, um Mikroverunreinigungen aus dem Wasser entfernen zu können. Der Staatsrat schlägt vor, die Umstellung unter anderem mit einem Solidaritätsfonds zu finanzieren.

Rund hundert Abwasserreinigungsanlagen – kurz Ara – in der Schweiz müssten aufgerüstet werden: Sie benötigen eine zusätzliche Reinigungsstufe, um Mikroverunreinigungen aus dem Wasser entfernen zu können. Der Bund kommt für drei Viertel der nötigen Massnahmen auf, ein Viertel müssen die Gemeinden finanzieren.

Die beiden Grossratsmitglieder Nadia Savary-Moser (FDP, Vesin) und Pierre-André Grandgirard (CVP, Cugy) haben den Freiburger Staatsrat gefragt, ob er sich bewusst sei, welche grossen finanziellen Herausforderungen damit auf die Gemeinden zukämen?

23 Millionen Franken

In seiner Antwort beziffert die Kantonsregierung dies nun mit 23 Millionen Franken. So viel müssen die Freiburger Gemeinden in den nächsten Jahren ausgeben, um die Aras aufzurüsten. Der Staatsrat betont, dass es aus Sicht des Kosten-Nutzen-Verhältnisses sinnvoll wäre, die Zahl der Abwasserreinigungsanlagen im Kanton von heute 25 innert zwanzig Jahren auf noch elf zu reduzieren. Dies, indem vermehrt regionale, grössere Anlagen geschaffen werden, an die mehrere Gemeinden angeschlossen sind, teilweise aus zwei Kantonen.

Bei der Finanzierung setzt der Freiburger Staatsrat auf das Verursacherprinzip, wie es auch der Bund vorsieht: Das habe eine bedeutende Lenkungswirkung und sei für Grosseinleiter wie Industriebetriebe ein Anreiz, die Fracht, die sie der Ara zuleiten, zu reduzieren. «Anlagen zur Behandlung von Mikroverunreinigungen können die Mengen verringern, die in die Oberflächengewässer gelangen, sie können aber die Mikro­ver­unreinigungen nicht vollständig beseitigen.» Darum sei es wichtig, bei den Verursachern anzusetzen und die Abwassermenge zu reduzieren.

Nicht alle Aras müssen aufgerüstet werden: Erst ab einer gewissen Grösse muss die Abwasserreinigungsanlage in der Lage sein, Mikroverunreinigungen aus dem Wasser zu eliminieren. Das bedeutet, dass nicht alle Gemeinden Geld investieren müssen. Darum will der Staatsrat in Ergänzung zum Verursacherprinzip einen Solidaritätsfonds schaffen. In diesen sollen alle Betreiber von öffentlichen Abwasserreinigungsanlagen einen jährlichen Betrag einzahlen. Der Fonds subventioniert dann bis 2040 vordringlich die nötige Umrüstung der Aras.

Definition

Allerkleinste Verunreinigungen

Heute entfernen die Abwasserreinigungsanlagen (ARA) in erster Linie Nährstoffe wie Kohlenstoff, Phosphor und Stickstoff aus dem Abwasser. Unzählige Stoffe werden nicht oder nur teilweise zurückgehalten. Eine grosse Anzahl von chemischen Substanzen – wie Medikamente, Kosmetika, Biozide, Lebensmittelzusatzstoffe, Reinigungsmittel, Imprägnierungsmittel, Farben – wird somit ständig in die Gewässer eingetragen. Dort können diese Substanzen, die unter dem Begriff Mikroverunreinigungen zusammengefasst werden, bereits in geringen Konzentrationen Wasserlebewesen schädigen oder die Trinkwasserressourcen beeinträchtigen, wie das Freiburger Amt für Umwelt schreibt.

njb