Freiburg 31.08.2019

«Es gibt wohl keine Sitzverschiebung»

Markus Bapst ist zuversichtlich: Der Co-Präsident der Freiburger CVP geht davon aus, dass seine Partei ihre beiden Sitze im Nationalrat halten kann. Der frei gewordene Sitz eröffne allen Kandidierenden der CVP-Liste eine reelle Chance auf eine Wahl.

Die CVP verliert seit Jahren bei allen Wahlen an Stimmenanteilen – auch im Kanton Freiburg. Kam die Partei bei den Nationalratswahlen 1995 noch auf einen Wähleranteil von gut 35 Prozent, waren es bei den letzten Wahlen 2015 noch 22,7 Prozent. Sie hat noch zwei der sieben Freiburger Nationalratssitze inne. Im Grossen Rat musste die CVP im Jahr 2016 das Prädikat stärkste Partei an die SP abgeben.

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Markus Bapst kennt all diese Zahlen. Trotzdem ist der Co-Präsident der Freiburger CVP zuversichtlich. Auch wenn bei den Wahlen im Oktober zu allem auch noch das langjährige Zugpferd Dominique de Buman fehlt: Er kann wegen der parteiinternen Amtszeitbeschränkung nicht mehr antreten. Und Grossrat Eric Collomb, der lange Zeit als sein Nachfolger gehandelt wurde, will nicht antreten: weil de Buman nicht vorzeitig zurücktritt, was Collomb ermöglicht hätte, als Bisheriger ins Rennen zu steigen – immer ein Vorteil in den Wahlen. Doch nun ist der einzige vakante Nationalratssitz jener der CVP. «Klar, nun liebäugeln alle mit unserem freien Sitz.»

Doch Bapst sagt: «Wir holen wieder genügend Stimmen, um unsere beiden Sitze zu halten.» Zum einen sei die CVP-Liste sehr stark. Zum anderen seien die Listenverbindungen sehr wichtig: Vier Jung-CVP-Listen werden der Mutterpartei Stimmen zuschanzen, ebenso die Listenverbindung mit GLP, BDP und EVP. «Rein mathematisch reicht das für zwei Sitze.» Die Listen der Jungen CVP haben der Mutterpartei bei den letzten Wahlen 2,8 Prozent Wähleranteil gebracht. Die GLP kam damals auf einen Stimmenanteil von 2,6 Prozent, die BDP auf knapp 1 Prozent und die EVP auf 0,7 Prozent.

Mit den Listenverbindungen will die CVP Freiburg möglichst viele Wählerinnen und Wähler der Mitte ansprechen. «Es ist für uns ein grosser Vorteil, dass die GLP mit uns zusammenarbeitet», sagt Bapst. So könne auch die CVP vom grünen Aufwind profitieren, der durch das Land wehe. Aber auch BDP und EVP seien eine wertvolle Hilfe: «In unserer Partei denken nicht alle genau gleich – konservativere Wählerinnen und Wähler können eher mit der EVP etwas anfangen, liberalere stimmen eher für die GLP und die BDP und unseren linken Flügel.» Kurz: Mit dieser Listenverbindung könne die CVP breiter Stimmen sammeln, als wenn sie allein unterwegs wäre.

Bapst ist nicht nur davon überzeugt, dass die CVP ihre beiden Sitze halten kann. Er geht noch weiter: «Es gibt wohl keine Sitzverschiebung.» Die Linke, die bei den letzten Nationalratswahlen vor vier Jahren einen Sitz verloren hat, hole diesen kaum zurück, trotz Rückenwind für die Grünen dank der aktuellen Klimadebatte. Denn auch wenn der CVP-Mann Dominique de Buman fehlt: «Die SP tritt ohne ihr Schwergewicht Jean-François Steiert an, der nun im Staatsrat ist», sagt Bapst. Bei den letzten Wahlen war Steiert mit 30 717 Stimmen der bestgewählte Freiburger Nationalrat; de Buman lag mit 25 905 Stimmen auf Rang drei. «Diese 56 600 Stimmen verteilen sich nun neu», sagt Bapst – «und zwar links und in der Mitte». Der SP fehle ein ebenso gewichtiger Kandidat wie damals, während die CVP mit Nationalrätin Christine Bulliard-Marbach trumpfen könne. Sie erhielt 2015 mit 23 308 Stimmen den viertgrössten Zuspruch.

Bapst sieht im vakanten CVP-Sitz auch einen Vorteil für seine Partei: Der freie Sitz eröffnet mehr als nur der bisherigen Kandidatin eine reelle Chance auf eine Wahl, so dass sich alle ins Zeug legen. «Wir haben eine sehr kompetitive Stimmung unter unseren Kandidatinnen und Kandidaten.» Alles in einer guten Atmosphäre, wie Bapst betont: So gebe es weder interne Querelen noch einen Stadt-Land-Graben wie bei früheren Wahlen.

Vier Frauen – «ein Novum»

Nebst Christine Bulliard-Marbach ist auf der CVP-Liste auch Bruno Boschung zu finden; der Grossrat ist ebenso ein Sensler wie die Nationalrätin. Ist das im französisch geprägten Kanton Freiburg denn nicht ein Nachteil? «Im Gegenteil, das ist ein Vorteil», sagt Bapst und weist darauf hin, dass mit dem zweisprachigen Stadtfreiburger Bernhard Altermatt sogar ein dritter Deutschsprachiger auf der Liste zu finden ist. «Wir wollten ganz klar weg vom Bezirksdenken», sagt Bapst. «Wir haben unsere Liste mit einem regionsübergreifenden Blick zusammengestellt.» So seien verschiedene Berufe und verschiedene Altersgruppen vertreten. Und eine Frauenmehrheit. «Das ist ein Novum für die CVP», sagt Bapst. «Das Einzige, was wir bedauern könnten: Wir haben keinen Landwirt, der für die CVP kandidiert.»

njb/Bilder Antoine Vullioud

Bisher

Christine Bulliard-Marbach

Die 59-jährige Christine Bulliard-Marbach wurde 2011 als klare Zweitplatzierte der CVP-Liste in den Nationalrat gewählt. Zuvor hatte die Mutter dreier Kinder viel politische Erfahrung gesammelt: 1996 wurde sie in den Gemeinderat von Ueberstorf gewählt; von 2006 bis 2016 war sie Gemeindepräsidentin. Auch war sie von 2001 bis 2011 Mitglied des Grossen Rats. Als Nationalrätin hat sie sich für die Anstossfinanzierung für neue Kita-Plätze starkgemacht und für das Gleichstellungsgesetz gekämpft. Die Anliegen des Kantons Freiburg hat sie beispielsweise verteidigt, als sie sie sich für den Halt der Freiburger S-Bahn in Düdingen einsetzte, der letzten Dezember Tatsache geworden ist. Sie ist Präsidentin der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur. Die ausgebildete Primarlehrerin leitet einen Landwirtschaftsbetrieb.

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Anne Meyer Loetscher

Die 46-jährige Anne Meyer Loetscher aus Esta­vayer ist seit 1999 selbstständige Grafikerin. Die Politik hat sie quasi mit der Muttermilch aufgesogen: Sie ist die Tochter der ehemaligen CVP-Nationalrätin Thérèse Meyer-­Kaelin, die 2005 die grosse Kammer präsidiert hat. Mit 27 Jahren stieg sie selber in die Politik ein: als Generalrätin. 2006 bis 2011 sass sie im Gemeinderat von Estavayer-le-Lac. 2011 wurde sie in den Grossen Rat gewählt. Sie präsidiert das Sekretariat des Familienklubs des Parlaments sowie die interparlamentarische Kommission für die Kontrolle des Interkantonalen Spitals der Broye. Zudem ist sie Mitglied der Einbürgerungskommission des Grossen Rats und der Administrativkommission der Kantonalen Sozialversicherungsanstalt. Sie bezeichnet sich auf ihrer Internetseite als «überzeugte Zentristin». Anne Meyer Loetscher ist Mutter von zwei Kindern.

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Jean-Luc Mossier

Den 56-jährigen Jean-Luc Mossier aus Remaufens kennen viele wegen seiner Tätigkeit als Direktor der Wirtschaftsförderung Kanton Freiburg: Siebeneinhalb Jahre stand er an deren Spitze, bevor er auf Januar dieses Jahres seiner beruflichen Laufbahn eine neue Wende gab und Beauftragter für strategische Projekte der Volkswirtschaftsdirektion wurde. Diese 50-Prozent-Stelle ist dem Generalsekretariat angegliedert. Mossier behielt beim Stellenwechsel die Verantwortung für die Gesetzesvorlage über die aktive Bodenpolitik. Zudem ist er Vorstandsvorsitzender von Swiss Fresh Water. Politisch war er bisher nicht aktiv. Jean-Luc Mossier ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Eine Tochter hat das Paar in Russland adoptiert. Ein Sohn litt an einer seltenen genetisch bedingten Krankheit, dem LND-Syndrom; er starb 2015 im Alter von 24 Jahren.

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Bruno Boschung

Der 56-jährige Bruno Boschung ist in Wünnewil-Flamatt aufgewachsen, wo er auch heute noch lebt. Seit 2008 ist der Kaufmann Leiter der Generalagentur Bern/Deutschfreiburg bei den Basler Versicherungen. Von 2006 bis 2012 präsidierte Bruno Boschung die Bezirkspartei CVP Sense. 2001 kandidierte er das erste Mal erfolglos für den Grossen Rat und rutschte 2004 nach, seither wurde er stets wiedergewählt. 2017 präsidierte er das Kantonsparlament. 2018 wurde er Mitglied der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission (FGK) des Grossen Rats. Seit 2011 ist er zudem Generalrat von Wünnewil-Flamatt. Und seit letztem Dezember ist er Mitglied des Exekutivrats der Katholisch-Kirchlichen Körperschaft. Bruno Boschung ist verheiratet und hat drei Söhne sowie ein Grosskind. Seine Hobbys sind das Wandern, das Lesen, das Skifahren und die Natur.

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Francine Defferrard

Die 51-jährige Juristin Francine Defferrard stammt aus Villars-sur-Glâne. Sie hat an der Universität Freiburg Rechtswissenschaften studiert und arbeitet als Anwältin in Freiburg. Sie ist spezialisiert auf dem Gebiet des Aktienrechts, insbesondere auf die Übertragung von Namensaktien. Seit 2008 ist Francine Defferrard Generalrätin in ihrer Wohngemeinde; 2013/14 präsidierte sie den Generalrat. 2016 wurde sie in den Grossen Rat gewählt: Dort ist sie Mitglied der Justizkommission. Sie setzt sich für die Gleichstellung in Lohnfragen ebenso ein wie für die Stärkung des Schweizer Bildungssystems. Auf ihrer Homepage schreibt sie zudem: «Unser Schweizer Gesundheitssystem ist krank. Wesentliche Massnahmen sind möglich, ohne die Versorgungsqualität zu beeinträchtigen.» Francine Defferrard hat ihre gesamte Ausbildung in Freiburg absolviert.

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Marie France Roth Pasquier

Die 50-jährige Marie-France Roth Pasquier ist seit 2011 Gemeinderätin in Bulle und als solche für Jugend, Integration, Verkehr und Regionalisierung verantwortlich. Sie präsidiert seit 2016 die Mobul-Agglomeration. 2016 wurde die Politologin in den Grossen Rat gewählt. Als Grossrätin ist sie Präsidentin der kantonalen Kommission für kulturelle Angelegenheiten, Vorstandsmitglied des Tourismusförderungsfonds und Mitglied der Justizkommission. Auch innerhalb der Partei engagiert sie sich: Sie ist Co-Präsidentin der kantonalen CVP. In Bulle ist sie Vizepräsidentin der Kulturkommission und der Kommission Bulle sympa und Mitglied der Kommission Jugend und Familie. Sie ist Vizepräsidentin des Gemeindeverbands Greyerz und sitzt im Vorstand der Orientierungsschulen des Greyerzbezirks und im Vorstand des Kulturvereins CO2. Marie-France Roth Pasquier ist verheiratet und hat drei Kinder.

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Bernhard Altermatt