Freiburg 26.02.2020

Februar-Stürme werfen 10 000 Bäume um

Daniel Pürro
Die Stürme Petra und Sabine haben in der ersten Februarhälfte im Kanton Freiburg rund 20 000 Kubikmeter Holz umgeworfen – besonders betroffen ist der Sensebezirk. Das ist weniger als ein Zehntel der normalen Holzernte. Die Experten befürchten jedoch, dass der Schaden schlimmer werden könnte, wenn frühlingshafte Bedingungen den Flug des Borkenkäfers begünstigen.

Auf Petra folgte Sabine – Anfang Februar fegten zwei Stürme mit Spitzenwindgeschwindigkeiten von über 200  Stundenkilometern über das Land. Sie haben zahlreiche Schäden verursacht, auch im Kanton Freiburg, wo infolge des Unwetters gar ein Mensch bei einem Verkehrsunfall zu Tode kam.

Der Kanton Freiburg war zwar weniger betroffen als einige Deutschschweizer Kantone, wie das Amt für Wald und Natur in einer Mitteilung schreibt. «Die meteorologischen Voraussetzungen für den Orkan Sabine waren die gleichen wie damals bei Lothar», sagt Willy Eyer, Chef der Sektion Wald und Naturgefahren, nämlich eine Westwind-Situation mit einem starken Tiefdruckgebiet über Nordafrika. Deshalb habe man sich im Vorfeld des Sturms auch grosse Sorgen gemacht. Der Orkan Sabine, der unter anderem in der Westschweiz «Ciara» genannt wurde (siehe Kasten), erreichte in höheren Lagen denn auch Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 Stundenkilometern. «Sabine fiel dann aber schwächer aus als befürchtet.»

«Verdaubarer Schaden»

Dennoch: 10 000 Bäume sind wegen der Stürme Petra und Sabine umgestürzt. Das entspricht einem Holzvolumen von etwa 20 000 Kubikmetern. Es ist eine erste provisorische Erhebung. Möglicherweise werde diese Zahl noch nach oben korrigiert, wenn das ganze Ausmass des Schadens aufgenommen worden sei, so Eyer.

20 000 Kubikmeter tönt zwar nach viel. Willy Eyer relativiert die Zahl jedoch. «Es war kein Riesenereignis», sagt er, und es sei ein «verdaubarer Schaden» – vor allem im Vergleich zu den 250 000 Kubikmetern, die normalerweise durchschnittlich pro Jahr genutzt werden. Es handelt sich mehrheitlich um Streuschäden, also nicht um ausgedehnte Schadensflächen, sondern auf verschiedene Gebiete verteilte Schadensfälle. Bei den gebrochenen oder geworfenen Bäumen handelt es sich mehrheitlich um Fichten oder Weisstannen.

Vor allem im Sensebezirk

Besonders betroffen war bei diesen Orkanen der Sensebezirk mit rund 7000 Kubikmetern Holzvolumen. In den Wäldern rund um Murten sind etwa 2000 Kubikmeter Holz am Boden. Auch alle anderen Bezirke sind betroffen, am wenigsten der Vivisbachbezirk. Schweizweit hat Sabine gemäss ersten Schätzungen rund 305 000 Kubikmeter Holz beschädigt.

Borkenkäfer wartet

Die Forstdienste werden in den nächsten Wochen und Monaten die betroffenen Bäume so weit wie möglich wegräumen. Das ist auch im Hinblick auf die Folgeschäden wichtig. Denn der Borkenkäfer ist bereits in den Startlöchern. Eine Fichte, die am Boden liegt und noch frische Rinde hat, ist ein gefundenes Fressen für den Käfer. Wenn der sich ankündigende Frühling weiter fortschreitet und warmes und trockenes Wetter bringt, dann sind die Voraussetzungen für ein Käferhoch gegeben.

«Der Borkenkäfer vermehrt sich sowieso», erklärt Willy Eyer. Normalerweise rechne man aber mit zwei Generationen pro Jahr. In Jahren mit viel Schadholz am Boden können drei oder gar vier Generationen von Käfern schlüpfen. «Schon eine zusätzliche Generation verursacht massiv mehr Schäden. Je länger die Saison der Borkenkäfer dauert, desto ungünstiger für den Wald.» Finde der Käfer nicht mehr genug Nahrung bei am Boden liegenden Stämmen, wechsle er zu gesunden Bäumen, was das Ausmass des Schadens vervielfache.

Deshalb wolle man die beschädigten Fichten und Weisstannen fällen, entrinden und aus dem Wald räumen, bevor die ersten Käfer ausfliegen. In einem weiteren Schritt werden die Nadelwälder regelmässig kontrolliert, um beim Auftreten von Käfernestern rechtzeitig reagieren zu können, wie das Amt für Wald und Natur in der Mitteilung schreibt.

Fakten

Von Petra, Sabine und Ciara

Ekart, Lolita, Petra, Sabine – in diesem Winter haben schon einige Hoch- und Tiefdruckgebiete für Schlagzeilen gesorgt. Getauft werden sie an der Freien Universität Berlin, die die Namen verkauft. Für knapp 300 Euro darf man den Namen eines Hochdruckgebiets bestimmen. Ein Tief ist mit knapp 200 Euro etwas günstiger. Grund dafür ist, dass die Tiefdrucksysteme meist kurzlebiger sind und so weniger lange auf der Wetterkarte sichtbar sind. Das Geld kommt der Klima- und Wetterbeobachtung zugute. Hochdrucksysteme in geraden Jahren bekommen männliche Namen. In den ungeraden Jahren ist es genau umgekehrt. Die Namensgebung ist nicht international verbindlich, und die Namen werden vor allem im deutschsprachigen Raum und in Osteuropa benutzt. In Grossbritannien, Skandinavien und Südeuropa können die Wettersysteme andere Namen haben. So hatte der Orkan, der bei uns Sabine hiess, bereits in Grossbritannien den Namen Ciara bekommen. Dieser wurde auch in der französischsprachigen Schweiz gebraucht.

Quelle: SRF Meteo

Gefahren im Wald

Appell an die Eigenverantwortung

In seiner Medienmitteilung warnt das Amt für Wald und Natur vor den Gefahren durch umfallende Bäume und herunterstürzende Äste. Einige Bäume seien durch die Stürme, aber auch durch die Trockenperioden der letzten Jahre geschwächt. Gerade die Buchenwälder, deren Systeme durch die Trockenheit der Vorjahre gelitten hätten, seien noch geschwächt. Die Buche ist im Mittelland die Hauptbaumart.

Restrisiko bleibt

Einige der jetzt durch die Februar-Stürme geschädigten Bäume befinden sich in Wäldern, die oft und gerne von Spaziergängern und Sportlern frequentiert werden. «Der freie Zugang zum Wald ist gemäss Zivilgesetzbuch für die Öffentlichkeit nach wie vor gewährt», so Willy Eyer vom Amt für Wald und Natur. Das Risiko sei nach den Stürmen auch nicht wesentlich grösser als sonst im Wald. «Wir rufen einfach in Erinnerung, dass man im Wald immer damit rechnen muss, dass Äste herunterfallen.» Es gebe keine Garantie dafür, dass alles geräumt sei. «Wir appellieren an die Eigenverantwortung jedes Einzelnen.»