Freiburg 14.04.2018

Groupe E immer weniger unter Strom

Das eigentliche Stromgeschäft von Groupe E verliert weiter an Gewicht. Der Geschäftsbericht 2017 des Energieunternehmens zeigt auf, dass der Ertrag mehr denn je auf verschiedene Geschäftsbereiche aufgeteilt ist. In Zukunft zählt auch die Kälte dazu.

Groupe E gilt als einer der vier Pfeiler der Freiburger Wirtschaft. Unterdessen stützt das Unternehmen sein Geschäftsmodell selber auf vier Pfeiler ab: Wärme, Service, Netznutzung und Stromgeschäft. Mit einem Umsatz von 222 Millionen Franken war im letzten Jahr das Segment Service erstmals das stärkste der Gruppe. Das Stromgeschäft lag mit 221 Millionen Franken leicht darunter. Zu den Dienstleistungen zählen Installa­tions­arbeiten, Unterhaltsarbeiten, Lösungen für Energieeffizienz, Ingenieurdienstleistungen, Strassenbeleuchtung und Elektromobilität.

Der Sektor Wärme hat gegenüber 2016 um 6,1 Prozent zugenommen und der Sektor Service um 2,7 Prozent. Hingegen gingen die Einnahmen aus der Netznutzung um 8,3 Prozent und die Stromeinkünfte um 0,9 Prozent zurück.

Willy Zeller, Direktor für Finanzen und Informatik von Groupe E, sagte, dass das Geschäftsmodell nun solide auf die vier Pfeiler verteilt sei. Dies erlaube es, Rückgänge in den traditionellen Geschäftsbereichen auszugleichen.

Weiter tiefe Strompreise

Einen Rückgang im Geschäft mit dem Strom gab es trotz einer gesteigerten Produktion auf total 1329 Gigawattstunden. Dies entspricht einer Steigerung um 5,8 Prozent und ist auf eine höhere Beteiligung an den Gommerkraftwerken sowie die hohe Auslastung des Gaskombikraftwerks Timelkam in Österreich zurückzuführen. Negativ wirkten sich dagegen die tiefen Preise auf dem Strommarkt sowie der geringere Konsum aufgrund der milden Temperaturen im letzten Jahr aus.

Cashflow gesteigert

Generaldirektor Dominique Gachoud sprach trotzdem von einem erfreulichen Resultat. Der Umsatz lag mit 686 Mil­lionen Franken unter dem­jenigen von 2016 (704 Millionen Franken). «Mit einem um 31 Millionen höheren Cashflow von 168  Millionen Franken haben wir eine schöne Leistung erbracht. Die Rentabilität entwickelt sich weiter positiv», so Gachoud.

Wie das Unternehmen gestern aufzeigte, hat es die finanzielle Stabilität behalten können, obwohl beispielsweise die Dividenden am Stromriesen ­Alpiq von 45 Millionen Franken im Jahr 2012 auf null zurück­gegangen sind. Kompensiert wurde dies beispielsweise durch eine um 66 Millionen Franken höhere Bewertung der Beteiligung an der BKW. So ergab sich wie im Vorjahr ein Nettogewinn von 112 Millionen Franken. Auch wies Gachoud darauf hin, dass Groupe E 2014 ein Programm zur Effizienzsteigerung eingeläutet hat, für das sich das Unternehmen von externen Fach­leuten beraten liess. Daraus habe man nun eine um 20 Millionen Franken bessere Kosteneffizienz pro Jahr erreicht. Finanzchef Willy Zeller sagte gar, dass sich dieser Betrag auf 25 Millionen Franken steigern liesse. Sparpotenzial fand Groupe E etwa bei der Informatik, bei der internen Organisation und in Synergien bei den Ressourcen. Personal wurde gemäss ­Gachoud keines entlassen.

Wie der Generaldirektor ausführte, wird sich Groupe E in Zukunft weiter diversifizieren. Beispielsweise möchte das Unternehmen nicht nur die Produktion von Wärme steigern, sondern in Zukunft auch Kälte produzieren und verkaufen. Mit der allgemeinen Klimaerwärmung habe dieser Bereich Potenzial.

Vormarsch in die Westschweiz

Auch geografisch breitet sich Groupe E mit ihren Geschäftseinheiten immer mehr in der Westschweiz aus. So will die Tochter Groupe E Connect vier neue Firmengebäude in Matran, Monthey VS, Mont-sur-Rolle VD und Boudry NE er­öffnen. Laut Gachoud würden 85 zusätzliche Arbeitsplätze ­geschaffen. Mit dem Sitz in Mont-sur-Rolle erhofft sich Groupe E auch einen besseren Zugang zum Genfer Markt mit Grossprojekten beim Flughafen oder im französischen Annemasse.

Weiter sieht Groupe E ein Kompetenzzentrum zur industriellen Wasseraufbereitung in Riddes VS vor.

Zahlen und Fakten

Investitionen in den Unterhalt

2017 erzielte Groupe E einen konsolidierten Umsatz von 686 Millionen Franken: Dies ist ein leichtes Minus von 2,5 Pro­- zent gegenüber dem Vorjahreswert von 704 Millionen Franken. Die Einbussen bei den Stromtarifen sowie Abschreibungen von Anlagen wirkten sich direkt auf das Betriebsergebnis aus: von 106 Millionen Franken 2016 auf 59 Millionen Franken. Die Dienstleistungen verzeichnen ein Wachstum von 2,7 Prozent, ebenso der Bereich Wärme, der um 6,1  Prozent wächst. Um Sondereffekte bereinigt be­trägt das EBIT 74 Millionen Franken gegenüber 86 Mil- lionen im Jahr 2016. Der Cash- flow in Höhe von 168 Millionen Franken ermöglicht Groupe E die Finan­zierung von Investitionen in Höhe von 100 Mil- lionen Franken für den Unterhalt der Infrastruktur.

uh