Freiburg 14.01.2020

«Haben an Glaubwürdigkeit gewonnen»

«Klar ist, dass die Gletscher nicht wieder wachsen werden – das Umweltthema wird aktuell bleiben», sagt Bruno Marmier.
Heute Abend legt Bruno Marmier sein Amt als Kantonalpräsident der Freiburger Grünen nieder. Der Politstratege schaut auf die letzten Wahlen und seine neun Jahre im Vorstand zurück. In dieser Zeitspanne haben die Freiburger Grünen deutlich zugelegt.

Bruno Marmier gibt heute Abend sein Amt als Präsident der Freiburger Grünen ab. Der Gemeinderat von Villars-sur-Glâne und Grossrat war seit 2011 Vorstandsmitglied, in den letzten vier Jahren präsidierte er die Kantonalpartei.

In den vier Jahren, in denen Sie Präsident der Freiburger Grünen waren, haben diese stark zugelegt. Der Wähleranteil bei den nationalen Wahlen ist von 5,3 auf 12,5  Prozent gestiegen. Ist so ein erfolgreicher Moment also der richtige Zeitpunkt für den Rücktritt?

Ja. Es gibt Zeiten, in denen eine Partei an Stärke gewinnt, und es gibt Zeiten, in denen man dieses Wachstum vorbereitet. Ich war nun neun Jahre lang im Vorstand, und wir haben hart gearbeitet, um im Kanton Freiburg voranzukommen. Bereits bei den eidgenössischen Wahlen 2015 haben die Freiburger Grünen zugelegt, obwohl die Grünen schweizweit kaum zusätzliche Stimmen holten. Dieses Wachstum hat sich dann auch auf kommunaler und kantonaler Ebene bestätigt.

Hat dieses Freiburger Wachstum nicht auch damit zu tun, dass die Grünen in Freiburg etwas Verspätung hatten?

Klar hatten wir im Gegensatz zu anderen Kantonalparteien noch keinen Nationalratssitz. Im Kanton Freiburg ist es aber auch schwieriger als beispielsweise im Kanton Aargau, einen Sitz zu holen, da Freiburg kleiner ist und nur sieben Abgeordnete hat.

Es gab aber auch einen strukturellen Rückstand.

Es braucht Zeit, eine Partei aufzubauen. Dazu muss man in den Gemeinden präsent sein. Diese solide Basis haben wir in den letzten Jahren aufgebaut. Und wir machen weiter, bald gründen wir Sektionen in der Broye und im Seebezirk. Es zeigt sich: Sobald in einer Gemeinde Grüne im Generalrat sitzen, werden sie auch in den Grossen Rat gewählt. Das heisst aber auch, dass eine Partei genügend Mitglieder braucht, um das Projekt zu tragen.

Hätten Sie vor vier Jahren gedacht, dass Sie Ihr Präsidium mit einem solch guten Resultat bei den eidgenössischen Wahlen abschliessen?

Wir waren auf jeden Fall auf gutem Weg, einen Nationalratssitz zu holen. Dass wir aber so gut abschneiden, war sicher eine Begleiterscheinung der Mediatisierung des Klima-Themas – das war ein Bonus.

Böse Zungen könnten auch sagen, dass die Grünen bei diesen Wahlen gar nicht schlecht abschneiden konnten.

Klar haben wir vom Thema profitiert. Aber die Zahlen zeigen, dass wir bereits seit längerer Zeit zulegen. Alle merken nun, dass unser Umgang mit den natürlichen Ressourcen nicht mehr tragbar ist.

Wird sich dieses gute Resultat in den kommenden Jahren – bei den kommunalen und kantonalen Wahlen 2021, bei den eidgenössischen Wahlen 2023 – also bestätigen?

Ich habe keine Kristallkugel, mit der ich in die Zukunft schauen könnte. Klar ist aber, dass die Gletscher nicht wieder wachsen werden – das Umweltthema wird aktuell bleiben. Wir Grünen haben an Glaubwürdigkeit gewonnen. Die anderen Parteien sprechen sich zwar auch alle für Massnahmen aus, die das Klima schützen sollen, doch wenn es um konkrete Vorlagen geht, die etwas verbessern könnten, stehen sie auf die Bremse. Sie künden viel an und setzen kaum etwas um. Solange das so ist, wird es die Grünen brauchen.

Im Kanton Freiburg spannt die Linke zusammen, um bei Wahlen erfolgreich zu sein. Lange waren CSP und Grüne aber vor allem Wasserträger für die SP. Hat sich dies für Ihre Partei mit den letzten Nationalratswahlen verändert?

Ein Bündnis hat auf Dauer nur Bestand, wenn alle Beteiligten auf die eine oder andere Art davon profitieren. Wir waren Wasserträger, als wir selber zu schwach waren, um eigene Kandidatinnen und Kandidaten in Parlamente oder Regierungen zu bringen. Im Herbst haben wir nun dank der Unterlistenverbindung mit der CSP einen Nationalratssitz geholt – und das Bündnis zu dritt hat den zweiten Sitz der SP gerettet. Die CSP ihrerseits profitiert in der Stadt Freiburg, wo wir ihr seit 15 Jahren zum Sitz im Gemeinderat verhelfen.

Bei der Ersatzwahl für die grüne Staatsrätin Marie Garnier im März 2018 hat die Linke es nicht geschafft, eine gemeinsame Kandidatin aufzustellen. Am Schluss ging der Sitz an die FDP. Wirkt dieser Streit zwischen den Grünen und der SP noch nach?

Diese Ergänzungswahl hat uns eine grosse Glaubwürdigkeit gebracht. Unsere Kandidatin hat allein 20 000 Stimmen holen können. In einer Gesamterneuerungswahl kommen wir damit auf einen Sitz im Staatsrat. Die anderen Parteien müssen nun entscheiden, ob sie ein grünes Zugpferd auf ihrer Liste wollen oder nicht. Die Partnerschaft mit der SP ist dadurch ehrlicher als zuvor.

Hat sich mit dem Zwist bei der Ersatzwahl ein Konflikt zwischen Ihnen und Benoît Piller, dem SP-Präsidenten, aufgebaut, der einer Zusammenarbeit schadet?

Nein, wir haben keinen Konflikt. Das hat sich bei den eidgenössischen Wahlen gezeigt: Wir sind bereit, an einer echten Partnerschaft zu arbeiten. Da­rum haben wir auch die Unterlistenverbindung der Grünen mit der CSP eingebracht. Und es ist klar, dass beispielsweise bei Staatsratswahlen Kandidatinnen und Kandidaten aus allen drei Parteien auf die gemeinsame Liste gehören, sonst sind die Mitglieder der Parteien ohne Kandidaten nicht für den Wahlkampf motiviert. So wird es auch nicht möglich sein, für einen zweiten Wahlgang nur Leute einer einzigen Partei aufzustellen.

Wahl

Neu mit einem Co-Präsidium

An der Versammlung der Grünen stellen sich heute Mirjam Ballmer und Julien Vuil­leu­mier zur Wahl: Sie möchten die Grünen in einem Co-Präsidium führen. Der 39-jährige Ethnologe Vuilleumier ist Vizepräsident der grünen Stadtpartei, war 2018 Freiburger Generalratspräsident und Wahlkampfleiter bei den eidgenössischen Wahlen 2019. Die 37-jährige Ballmer rückte mit 24 Jahren in Basel-Stadt in den Grossen Rat nach. 2008 bis 2011 war sie im Vorstand der Grünen Schweiz, von 2012 bis 2016 Kopräsidentin der Grünen Basel-Stadt. Nach ihrem Umzug nach Freiburg wurde sie 2016 Vorstandsmitglied der Grünen der Stadt Freiburg. 2018 rückte sie in den Grossen Rat nach. Die Geografin ist stellvertretende Generalsekretärin der Konferenz für Wald, Wildtiere und Landschaft.

Zur Person

Grossrat und Gemeinderat

Bruno Marmier lebt in Villars-sur-Glâne, ist verheiratet, Vater von zwei kleinen Mädchen und selbstständiger Übersetzer. Politisch hat der 45-Jährige schon viel Erfahrung gesammelt: Er ist Grossrat, Gemeinderat und Vorstandsmitglied der Agglomeration Freiburg. Er ist zudem Gründungsmitglied der Genossenschaft Optima Solar Freiburg. Marmier präsidierte die Grünen des Kantons Freiburg seit 2016; bereits seit 2011 war er Mitglied des Kantonalvorstands.