08.11.2016

«Ich bin in vielen Dossiers zu Hause»

Der neu gewählte CVP-Staatsrat Olivier Curty will in den Regierungssitzungen zwischendurch auch Deutsch sprechen.
Der neue CVP-Staatsrat Olivier Curty ist bereit für sein Amt, wie er den FN nach der überraschenden Wahl in der ersten Runde sagt.

Olivier Curty, wie haben Sie geschlafen?

Ich habe gut geschlafen, die Nacht war aber kurz.

Sie haben also gefeiert?

Sie können sich vorstellen, dass ich in erster Linie Danke sagen wollte: Ich ging in die CVP-Stämme im Sense-, See- und Greyerzbezirk und habe mich dort für die Unterstützung bedankt.

Am Sonntag konnten Sie Ihren Erfolg fast nicht fassen. Ist er mittlerweile zu Ihnen durchgedrungen?

Ja, es stand schliesslich in grossen Buchstaben in den Freiburger Nachrichten. Und ich glaube alles, was in den FN steht. (lacht)

Sie haben nicht damit gerechnet, bereits im ersten Wahlgang den Sprung in den Staatsrat zu schaffen. Wie erklären Sie sich, dass es geklappt hat?

Es haben sicherlich mehrere Dinge den Ausschlag gegeben. Das bürgerliche Bündnis hat sehr gut gespielt. Dann hat mich gefreut, dass ich im Sense- und Seebezirk so viele Stimmen geholt habe. Daraus kann ich schliessen, dass für Deutsch­freiburg eine Vertretung im Staatsrat wichtig ist und sich die Leute mobilisiert haben.

Es hat also gewirkt, dass Sie sich als See- und Sensebezirkler verkauft haben?

Ja, das waren meine Trümpfe. Dass Beat Vonlanthen und Erwin Jutzet in ihren Bezirken jeweils sehr gute Resultate erzielt haben, ist klar. Sie sind erfahrene und verdienstvolle Politiker. Aber bei einem Neuling wie mir ist es doch wirklich erstaunlich.

Im Vorfeld war verschiedentlich zu lesen, dass die CVP ihren Regierungssitz an die SVP verlieren könnte. Lagen diese Stimmen völlig falsch oder teilten Sie diese Befürchtung auch?

Man sollte nicht mit Befürchtungen in einen Wahlkampf steigen. Ich habe das ganz anders wahrgenommen. Ich wollte eine gute Kampagne machen und unbedingt den Deutschfreiburger Sitz verteidigen. Dabei ging es mir aber nicht darum, gegen jemanden anzutreten; ich habe mich auf mich selber konzentriert. Hätte jemand anderes besser abgeschnitten, hätte ich mir zumindest nicht vorwerfen müssen, nicht alles getan zu haben.

Setzt Sie Ihr Erfolg unter Druck? Sie müssen nun zwei Bezirke vertreten.

Nein, das setzt mich nicht unter Druck. Als Staatsrat vertritt man nicht einen Bezirk oder eine Sprachgemeinschaft, sondern man ist gewählt, um den Kanton als Ganzes vorwärtszubringen. Ein Staatsrat ist kein Interessenvertreter. Aber natürlich werde ich die Sensibilitäten der Deutschfreiburger und meine Kenntnisse über die Region in den Staatsrat hineintragen. Das sehe ich als eine grosse Herausforderung, auf die ich mich sehr freue.

Sie haben angekündigt, bei einer Staatsratssitzung auch einmal Deutsch zu sprechen. Werden Sie das nun tun?

Ja. Es ist wichtig, dass die viel zitierte Zweisprachigkeit unseres Kantons auch im Staatsrat Einzug hält. Es gilt aber, auch Rücksicht auf die Sprachkenntnisse der anderen Mitglieder zu nehmen.

Welche Direktion möchten Sie am liebsten übernehmen?

Es wäre nicht seriös, wenn man sich zur Wahl stellen würde und sich nicht vorstellen könnte, jede Direktion zu übernehmen. Ich bin bereit für jede Direktion.

Aber haben Sie keine Präferenzen? Die Justiz- und die Volkswirtschaftsdirektion werden frei.

Natürlich habe ich Präferenzen, aber dazu werde ich Ihnen nichts Genaues sagen. Es wäre vermessen, jetzt damit vorzupreschen. Der neue Staatsrat wird gemeinsam darüber entscheiden.

Vorerst bleiben Sie noch Vize-Staatskanzler. Beeinflusst die Wahl nun Ihre Arbeit?

Ich werde noch gut fünf Wochen Vizekanzler sein. Durch meine Wahl wird die Arbeitslast steigen, denn ich möchte gewisse Dossiers noch beenden und vor allem meinem Nachfolger oder meiner Nachfolgerin einen gut organisierten Arbeitsplatz übergeben.

Wie wird die Nachfolge geregelt?

Dafür ist der Staatsrat zuständig. Ich gehe davon aus, dass die Stelle möglichst bald ausgeschrieben wird.

Gehen Sie davon aus, dass die Arbeitslast als Staatsrat im Vergleich zu heute nochmals ansteigen wird?

Im Vergleich zu anderen Neulingen habe ich den gros­sen Vorteil, dass ich die Funktionsweise der Regierung sehr gut kenne und auch in vielen Dossiers zu Hause bin. Aber natürlich, es wird gelten, eine Direktion zu entdecken; das ist eine Herausforderung. Ein Staatsratsmandat ist kein Teilzeitpensum, dessen bin ich mir bewusst.

Werden Sie noch Zeit haben für Ihre Familie und für Ihre Hobbys wie das Joggen?

Natürlich, das ist zentral, um leistungsfähig zu sein. Ich bleibe Familienvater und Ehemann, und ich will weiterhin genügend Zeit mit meiner Frau und den beiden Kindern verbringen. Auch Musik und Sport sind mir wichtig, man muss zwischendurch abschalten können, davon kann die Arbeit nur profitieren. Oft kommen einem in der Freizeit die besten Ideen.

Sind Sie also auch nächstes Jahr wieder am Start beim Murtenlauf?

Zwei, drei Läufe werde ich nächstes Jahr wie bisher absolvieren. Ob es aber gerade der Murtenlauf sein wird, weiss ich nicht. Mit 20 Leistungskilometern ist er ein harter Brocken.

Zur Person

Seit 2008 Vizekanzler

Der neue Freiburger CVP-Staatsrat Olivier Curty kennt den Regierungsbetrieb bereits gut: Der 44-Jährige ist seit 2008 Freiburger Vizekanzler. Zuvor hatte er im Stab für internationale Polizeikooperation bei der Bundespolizei Fedpol gearbeitet. Olivier Curty wohnt seit rund 15 Jahren in Murten, ist verheiratet und Vater zweier Töchter. Geboren und aufgewachsen ist Olivier Curty im Sensebezirk, in St. Ursen. Er schloss eine Lehre in einem Treuhandbüro ab und machte anschlies­send die Wirtschaftsmatura im Kollegium St. Michael und erlangte 1996 das Lizenziat in Politikwissenschaften an der Uni Lausanne. Es folgte ein Master am Europainstitut der Universität Basel. Olivier Curty ist Mitglied des Generalrats Murten und gibt als Hobbys Musik und Sport an.

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«Ich wollte eine gute Kampagne machen und unbedingt den Deutschfreiburger Sitz verteidigen.»

Olivier Curty

neu gewählter CVP-Staatsrat