Freiburg 16.05.2019

Lösung für Kantonsbibliothek gefunden

Von den Statikproblemen ist der Gebäudeteil betroffen, in dem sich die Mediathek befindet.
Die Statikprobleme der Kantons-und Universitätsbibliothek werden behoben, und der Um- und Ausbau kann rechtzeitig beginnen. Dies, weil der Kanton in Romont ein Zwischenlager für die Bücher gefunden hat.

Statische Probleme in den alten Magazinen der Kantons- und Universitätsbibliothek (KUB) zwangen zum Handeln. Nun ist eine Lösung gefunden. Die Bücher dieses Gebäudeteils werden ab September für eine Dauer von bis zu fünf Jahren in einer leer stehenden Halle des früheren Tetra-Pak-Geländes in Romont zwischengelagert. In einer zweiten Phase werden auch alle anderen Bücher der Bibliothek dort untergebracht werden. Dies erlaubt es der Bibliothek, im Sommer 2020 plan­gemäss mit dem Um- und Ausbau zu beginnen, den das Freiburger Stimmvolk vor einem Jahr genehmigt hatte.

Der Freiburger Staatsrat hat diesen Entscheid an seiner Sitzung vom Dienstag gefasst, wie er in einem Communiqué mitteilt. Eine Lösung drängte sich seit Anfang Jahr auf, als die statischen Probleme in diesem Bibliothekstrakt genauer untersucht wurden. Schon zuvor waren Decken mit Stützen gesichert worden.

Ein beauftragter Ingenieur empfahl, die Bücher aus dem Sektor der alten Magazine zu verlegen, um die Belastung der Deckenplatten zu verringern. Wie bisher sollen Sensoren die Bewegungen des Gebäudes kontinuierlich überwachen.

Halle gehört dem Kanton

Für die empfohlene Lösung fehlte bisher das nötige Zwischenlager für die Bücher. Letztes Jahr hatte der Kanton in Domdidier einen Standort für das geplante Kulturgüterdepot in Aussicht. Auf diesen verzichtete er aber, weil ein Unternehmen vor Ort dort expandieren möchte.

Nun präsentiert der Staats­rat eine Halle des ehemaligen ­Tetra-Pak-Gebäudes in Romont als Zwischenlösung. Es handelt sich um Räumlichkeiten neben der von der Firma Pharmafocus genutzten Fläche. Diese Räume sind derzeit frei und gehören dem Kanton. Er hatte sie nach dem Wegzug von Tetra Pak gekauft.

Diese Lagerhalle kann bis maximal 2024 als Zwischenlösung genutzt werden, schreibt der Staatsrat. In dieser Zeit soll ein fester Standort für das Kulturgüterdepot gefunden und realisiert werden. Gemäss dem Communiqué geht der Staatsrat davon aus, dass er in der zweiten Hälfte 2019 einen definitiven Entscheid für das Kulturgüterlager fällen kann.

Die Räumlichkeiten in Romont hatte der Kanton gekauft, um Unternehmen eine Infrastruktur anbieten zu können. Wie der Staatsrat schreibt, habe die vorüber­gehende Nutzung durch die KUB keinen negativen Einfluss auf das Entwicklungspotenzial des Standorts. So sei eine weitere Halle verfügbar, und wenn ein Unternehmen mit hoher Wertschöpfung die Räume wolle, müsste die KUB diese Flächen innert eines Jahres freigeben.

Zweistöckige Regale

Die rund neun Meter hohe Halle in Romont bietet nach Angaben von Kantonsarchitekt Gian Carlo Chiovè gute Lagerbedingungen. Vorher seien aber gewisse Arbeiten notwendig, wie das Abdichten der Gebäudehülle und die Einrichtung eines Monoblocks auf dem Dach, der optimale klimatische Bedingungen für die Bücher gewährleistet. Auch eine Heizung muss eingebaut und das Brandschutzsystem aufgerüstet werden. Laut Chiovè erfolgen noch Kontrollen, um sicherzugehen, dass die Halle vollständig dicht ist.

Die Halle ist nicht in Stockwerke unterteilt, deshalb werden zweistöckige Kompakt-Regale eingerichtet. Das zu installierende Material wird auch im künftigen kantonalen Lager für Kulturgüter zum Einsatz kommen. Die Arbeiten sollten in den nächsten drei Monaten ausgeführt werden können, sagt Chiovè.

Der Staatsrat beziffert die Kosten für den Umzug und die Arbeiten auf 3,86 Millionen Franken. Was später im Kulturgüterdepot wiederverwendet werden kann, hat einen Wert von 800 000 Franken. Zudem wird das Gebäude in Romont einen Mehrwert erhalten, der bei der späteren Ansiedlung einer Firma zugutekomme.

Für den Direktor der KUB, Martin Good, werden mit dem Lager in Romont gleich zwei Probleme gelöst: Die Gefahr der Statik wird gebannt, und der Um- und Ausbau kann zeitgerecht erfolgen. «Es ist zum jetzigen Zeitpunkt die bestmögliche Lösung», so Good. Das Gebäude im Romont eigne sich logistisch wie klimatisch, und die Fläche von 2876 Quadratmetern sei aus­reichend.

«Ideal wäre ein Standort in der Stadtmitte gewesen, aber auch Romont ist gut erschlossen», so Good. Selbst ausserkantonale Lösungen waren geprüft worden. Der Betrieb in der KUB wird während der Arbeiten in Freiburg weitergehen. «Für die Ausleihe soll die Lieferfrist maximal 24 Stunden betragen», sagt Good. Einige Mitarbeiter werden temporär in Romont arbeiten.

Chronologie

Suche nach einem Kulturgüterdepot

Die KUB soll für 79 Millionen Franken renoviert und erweitert werden. Das Stimmvolk hiess den Kredit am 10. Juni 2018 mit grosser Mehrheit gut. Als Voraussetzung dafür galt, dass die Bücher in einem Kulturgüterdepot gelagert werden können. Ein erstes Projekt im Schumacher-Gebäude in Schmitten scheiterte, weil die Gebäudestatik die Lagerung nicht erlaubte. Letztes Jahr präsentierte der Staatsrat eine Lösung auf einer freien Parzelle in Domdidier. Die internatio­nal tätige Firma Wago braucht nun aber diese Fläche für ein Ausbauprojekt. Weil der Kanton immer noch auf der Suche nach einem Kulturgüterdepot ist, hat er sich nun für die Zwischenlösung in Romont entschieden.

uh