Freiburg 10.10.2014

Medizin-Master kommt im Rat gut an

Wenn es nach den Grossräten geht, wird in einige Jahren der erste Student seinen Medizin-Master in Freiburg machen. Bild Aldo Ellena

 

Am Anfang war der Mangel an Hausärzten. Viele Grossräte hatten schon festgestellt, dass die Allgemeinmediziner vor allem in den Randregionen immer seltener werden, dass die medizinische Grundversorgung auf dem Land gefährdet ist. Deshalb sind in den letzten vier Jahren gleich drei Postulate an den Staatsrat eingegangen, welche diesen aufforderten, die Situation zu analysieren und Massnahmen vorzuschlagen.
Nun hat der Staatsrat einen Bericht zu all diesen Vorstössen vorgelegt (FN vom 1.10), und dieser stösst im Freiburger Parlament auf fast einhellige Zustimmung. Ralph Alexander Schmid (GLP, Lugnorre) hatte in seinem Vorstoss gleich die Ideen geliefert, die nun die Basis für den Bericht bilden: die Einführung eines Master-Studiums für Human-Medizin mit einem Hausarzt-Lehrstuhl an der Universität Freiburg.
Bei der gestrigen Diskussion über den Bericht bezeichnete Schmid ein solches Angebot als «positiv für den Kanton und die ganze Schweiz». Freiburg würde dabei gemäss Schmid nicht zu anderen Universitäten in Konkurrenz treten, denn der Mangel an Hausärzten sei schweizweit. «Da werden Kompetenzen vermittelt wie nirgendwo sonst.»
Fortsetzung nötig
Ihm pflichtete Bernadette Hänni (SP, Murten) bei. «Als einzige Uni schickt Freiburg seine Medizinstudenten an andere Kantone weiter», sagte sie, und wies darauf hin, dass der jetzige Bachelor in Freiburg keine Fortsetzung finde. «Die Studie sagt, ein Master in Freiburg sei möglich. Das hat mich positiv überrascht und ist erfreulich.» Sorgen um Interessenten müsse sich Freiburg nicht machen, so Hänni, denn von 2000 Kandidaten in der Schweiz erhalte nur ein Drittel einen Studienplatz.
Der Arzt Michel Zadory (SVP, Estavayer-le-Lac) sagte, beim erstmaligen Durchlesen des Berichts habe er die Idee eines Masters für utopisch und selbstmörderisch gehalten. «Beim zweiten Mal fühlte ich: Eine Freiburger Filiale ist gar nicht so sinnlos. Im Gegenteil: Es ist für unsere Universität machbar.» Marc-Antoine Gamba (CVP, Freiburg), auch er ein Arzt, erkannte, dass gemäss Studie andere Universitäten zur Zusammenarbeit bereit seien: «Das wäre tatsächlich sehr nützlich bei der Positionierung von Hausärzten.»
Während die Idee eines Master-Studiums von keiner Seite angegriffen wurden, kam die unsichere Finanzierung in den meisten Wortmeldungen zur Sprache. «Die Finanzierung muss noch detaillierter studiert werden», so Grossrat Schmid. Zadory erwähnte für die ersten fünf Jahre eine Summe von 101 Millionen Franken, davon 46 Millionen für die Infrastruktur und der Rest für den Betrieb.
Zadory warf eine öffentlich-private Zusammenarbeit als mögliches Modell ein. Diese Idee griff auch SP-Staatsrätin Anne-Claude Demierre auf: «Der Studiengang bietet eine einmalige Möglichkeit im Kampf gegen den Fachkräftemangel. Es braucht aber eine Machbarkeitsstudie, vor allem zur Finanzierung. Da wird auch eine öffentlich-private Finanzierung geprüft. Der Staatsrat hat die Erziehungs- und die Gesundheitsdirektion beauftragt, Schlüsse zu
ziehen.»
Bei der allgemeinen Diskussion um den Hausarztmangel forderte Grossrat Schmid eine bessere Koordination und Zusammenarbeiten zwischen der kommunalen und kantonalen Ebene. Marc-Antoine Gamba wies auf die zahlreichen Arzt- und neu Gemeinschaftspraxen hin und wünscht sich, dass diese neben dem Freiburger Spital, dem Netzwerk für psychische Gesundheit und der Universität ein weiterer gleichwertiger Ansprechpartner werden.

 

Zahlen und Fakten
Eine Kostenschätzung
für den Master
Die Studie für einen Master-Lehrgang in Medizin geht von Kosten von 30 bis 40 Millionen Franken für ein neues Gebäude aus. 3,4 Millionen Franken sind einmalige Kosten für die Einrichtung der Lehrstühle. Danach fallen jährlich wiederkehrende Kosten von 12,75 Millionen Franken an, davon rund die Hälfte als Lohnaufwand für die Lehrstühle. An Unterrichtsaufwand geht die Studie von 3,5 Millionen Franken pro Jahr aus. uh