FREIBURG/Crans-Montana 01.02.2019

Ohne Crans-Montana geht es auch

In den Freiburger Skistationen ist man mit dem Magic Pass zufrieden – in Crans-Montana nicht. Die Walliser erwägen gar, sich vom Angebot zurückzuziehen.
Crans-Montana erwägt, aus dem Magic Pass auszusteigen. Die Freiburger Skistationen sind über diese Ankündigung nicht sonderlich beunruhigt. Sie sind mit dem Angebot zufrieden, würden aber ein Ausscheren der Walliser bedauern.

«Der Ausstieg aus dem Magic Pass ist für uns tatsächlich ­eine Option, wenn auch nicht die erste»: Mit diesen Worten bestätigte Philippe Magistretti, Präsident der Betriebsgesellschaft der Bergbahnen Crans-Montana Aminona (CMA), gestern auf Anfrage der FN mehrere Medienberichte. Die Gründe dafür seien vielfältig, so Magistretti. Man sei in Crans-Montana nicht zufrieden mit der Geschäftsleitung der Trägergenossenschaft des Magic Pass, der Magic Mountains Cooperation. Dies betreffe die Verteilung der Umsätze, aber auch den Umgang mit Kundendaten sowie die Einführung verschiedener Neuerungen. «Die Magic Mountains Cooperation wird so geführt, als ob es Crans-Montana gar nicht geben würde», sagt Magistretti. «Eine echte Partnerschaft würde für uns einen gegenseitigen Austausch und entsprechende Diskussionen bedeuten, dies ist aber nicht der Fall.»

Dass die Stammgäste in Crans-Montana an Spitzentagen wegen der vielen Magic-Pass-Kunden unter noch längeren Schlangen zu leiden hätten, sei in diesem Kontext nur ein Faktor unter mehreren und nicht von der Hand zu weisen. Es stimme zwar, dass die Umsatzzahlen zugenommen hätten. Aber nach dem aus seiner Sicht kommerziell «katastrophalen» ersten Magic-Pass-Winter im Jahr zuvor wolle dies nichts heissen.

Eine andere Option neben einem Ausstieg ist für Magistretti eine dynamischere Preisgestaltung oder eine Partnerschaft mit anderen Skistationen, um sich verstärkt als «Premium Destination» positionieren zu können. Es stimme, dass Crans-Montana wie alle anderen Stationen einen 3-Jahres-Vertrag mit der Magic Mountains Cooperation abgeschlossen habe, welcher erst 2020 auslaufe. Man habe sich damals jedoch ausbedungen, dass eine vorvertragliche Kündigung dieses Vertrags ohne Konventionalstrafe möglich sei. Bis zur nächsten Versammlung der 30 angeschlossenen Stationen vom 14. Februar wolle man sich in Crans-Montana hinsichtlich des weiteren Vorgehens entscheiden. Magistretti verhehlt nicht, dass die Strategie seines Unternehmens derjenigen des tschechischen Investors Radovan Vitek entspreche, dem 80 Prozent der CMA-Aktien gehören sollen.

Ist es Viteks Geld?

Im Kanton Freiburg löst diese Ankündigung aus dem Wallis gemischte Gefühle aus. «Ich fände es schade, wenn Crans-Montana nicht mehr dabei wäre, aber es würde sicher nicht den Tod des Magic Pass bedeuten, und wir hoffen immer noch auf eine einvernehmliche Lösung», sagt Felix Bürdel, Verwaltungsratspräsident der Kaisereggbahnen Schwarzsee AG. «Aber es ist ihre Entscheidung.» Im Schwarzsee habe man bis jetzt sehr gute Erfahrungen mit dem Magic Pass gemacht, diesen Winter mache er 38 Prozent der Erstdurchgänge aus. Dass der Magic Pass künftig die Zusammenarbeit mit anderen Stationen – etwa im Oberwallis – suchen könnte, sei denkbar. Er könne aber noch nichts Genaues dazu sagen. Bei den anderen Freiburger Stationen tönt es ähnlich. «Es wäre sicher nicht gut, wenn das grosse Crans-Montana nicht mehr dabei wäre», sagt Thomas Buchs, Betriebsleiter der Jaun-Gastlosen Bergbahnen AG, «vor allem für die Kunden.» Dass dies das Ende des Magic Pass bedeuten würde, glaubt indes auch er nicht. Für Claude Brodard, Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen von La Berra, würde ein Ausstieg von Crans-Montana «einen Verlust an Attraktivität» für den Magic Pass bedeuten. In seinem Skigebiet sei man jedenfalls zufrieden mit diesem neuen Angebot, von dem schätzungsweise 40 Prozent seiner Gäste Gebrauch machen würden. Eric Châtelain, Vizedirektor der Monte-Pente de Corbetta AG in Les Paccots, vermutet gar, dass die in Crans-Montana erhobenen Vorwürfe lediglich «Taktik» seien, um eine bessere Gesprächsbasis zu haben. Derselben Meinung ist auch Sébastien Jacquat, Direktor der Berg­bahnen von Charmey. Er vermutet, dass es Viteks Geld sei, das Crans-Montana ermögliche, selbst die Bedingungen diktieren zu wollen.

Magic Mountain Cooperation

«Vorvertragliches Ausscheiden wäre ein Vertragsbruch»

Antoine Micheloud, Direktor der Bergbahnen Molé­son und Mitglied der Verwaltung der Magic Mountains Cooperation, wollte die Ankündigung Crans-Montanas nicht kommentieren und verwies auf eine offizielle Stellungnahme der Magic Mountains Cooperation zum Thema. In dieser wird betont, dass der nächste ordentliche Kündigungstermin für alle Teilnehmer des Magic Pass der Januar 2020 ist und ein ausservertragliches Ausscheiden Crans-Montanas einen Vertragsbruch darstellen würde. Magic Mountains würde sich vorbehalten, für einen allfälligen wirtschaftlichen Ausfall Schadenersatz zu verlangen. Bis zum heutigen Tag sei jedoch keine formelle Kündigung Crans-Montanas eingegangen. So oder so tangiere diese Auseinandersetzung die Gültigkeit der sich gegenwärtig im Umlauf befindlichen Magic-Pass-Abonnemente nicht. Weiter wolle man die Angelegenheit nicht kommentieren.

jcg