Granges-Paccot 14.01.2020

Polizeiausbildung hat neu ein Praxisjahr

Mit der gestrigen Waffenübergabe in Colombier hat die Polizeischule offiziell begonnen.
Mit der gestrigen Waffenübergabe hat ein neuer Jahrgang von Polizeiaspiranten die Ausbildung in Angriff genommen. Erstmals dauert diese nun aber zwei Jahre. Auf ein Schuljahr folgt neu ein Praxisjahr. Auf die Zahl der Bewerber hatte dies keinen Einfluss.

Es wurde schnell einmal kalt: Am Montag gab es Willkommensworte, Material und etwas Zeit zum Kennenlernen, und am Mittwoch ging es schon auf die dreitägige Übung «Hibernatus». Biwakieren bei Minustemperaturen inbegriffen.

Die gemeinsame Polizeischule der Kantone Freiburg, Neuenburg und Jura hat letzte Woche mit der Ausbildung eines neuen Jahrgangs begonnen; gestern fand in Colombier     NE die Waffenübergabe statt. Rund 50 Aspiranten, da­runter 25 aus Freiburg, haben diese Berufsausbildung in Angriff genommen.

Der Auftakt unterschied sich kaum von denjenigen der letzten Jahre. Und doch ist etwas fundamental neu: Die Polizeiausbildung dauert neu nicht mehr ein, sondern zwei Jahre.

Ein Schuljahr, ein Praxisjahr

«Es ist eine Vorgabe des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation», sagt Schuladjutant Yvan Buchs, verantwortlich für die Durchführung der Polizeischule im Kanton Freiburg. Es sei die einzige Berufsausbildung gewesen, die nur ein Jahr gedauert habe, meint er.

In der bisherigen einjährigen Ausbildung waren theoretische und praktische Aspekte vereint. «Der praktische Teil kam etwas zu kurz», so Buchs. Er bestand im Wesentlichen aus einem Praktikum im April und einem weiteren im Sommer.

Die neue zweijährige Ausbildung zum Polizisten besteht nun aus einem Schuljahr und einem Praxisjahr. Wie Buchs präzisiert, gelten die angehenden Polizisten im ersten Jahr als Aspiranten. Zum Abschluss dieses Jahres erfolgt eine Prüfung der Einsatzfähigkeit, und es kommt zu einer «technischen Vereidigung». Im zweiten Jahr sind die Absolventen dann «Polizisten in Ausbildung». Zum Abschluss erfolgen die Brevetierung und die Aushändigung des Eidgenössischen Fachausweises.

Trotz der Verdoppelung der Dauer wird das bisherige Ausbildungskonzept nicht über den Haufen geworfen. Die Lerninhalte bleiben im Wesentlichen gleich, wenn auch Buchs sagt, dass die Überprüfung der Kompetenzen mehr Gewicht erhalte.

Auch der Praxisteil im zweiten Jahr basiert auf Bewährtem. Die Absolventen werden da schon den verschiedenen Polizeikorps zugeteilt und gehören zum «aktiven Bestand». In diesem zweiten Jahr er­halten die Auszubildenden Coachs, die ihnen bei Einsätzen zur Seite stehen. «Bereits bisher stellten wir den Neuen im Freiburger Polizeikorps Coachs zur Seite», so Buchs.

Der Praxisteil wird aufgeteilt, so dass angehende Gendarmen je sechs Monate bei der mobilen und bei der bürgernahen Polizei verbringen. Bei der Kriminalpolizei gibt es Wechsel zwischen den Brigaden.

Im Praxisjahr sind auch Kurzpraktika bei Partnern geplant, aber noch nicht definitiv, sagt der Schuladjutant. Möglich wären sie etwa beim Zentralgefängnis, der Ambulanz, der Staatsanwaltschaft oder der Fremdenpolizei.

Nebst den Coachs erhalten die Polizisten in Ausbildung im zweiten Jahr auch Mentoren. Diese begleiten sie bei der Vorbereitung und der Nachbearbeitung ihrer Einsätze.

«Einfach Polizist werden»

Neu gehört zur Ausbildung das Erstellen einer Portfolioarbeit. Laut Buchs müssen die Auszubildenden darin vier Handlungssituationen dokumentieren und reflektieren. Den Abschluss bildet eine mündliche Prüfung, bei der auch die Portfolioarbeit nochmals diskutiert wird.

«Polizist ist und bleibt ein Praxisberuf», sagt Yvan Buchs. «Wir wollen keine Akademiker ausbilden.»

Zwar seien mit 252 für dieses Jahr und 252 auch für das nächste Jahr etwas weniger Dossiers eingegangen als die letzten Jahre, aber doch mehr als etwa 2014 und 2015. «Die zweijährige Ausbildung hat keinen Einfluss auf die Anzahl der Bewerbungsdossiers», ist Buchs überzeugt. «Sie wollen einfach Polizist werden.»

Zahlen und Fakten

Neue Lohnsumme für das zweite Jahr

50 Aspirantinnen und Aspiranten haben die interkantonale Polizeischule Freiburg, Neuenburg, Jura in Angriff genommen. Für den Kanton Freiburg sind es 25 Anwärter: 21 Männer und 4  Frauen, 16 Französisch- und 9 Deutschsprachige, 21 für die Gendarmerie und 4 für die Kriminalpolizei. Ein Aspirant verdient 4850 Franken im Monat, ein Polizist im ersten Jahr 5470 Franken. Der Lohn für das neue zweite Ausbildungsjahr liegt dazwischen: 5270 Franken.