jaun 18.07.2020

Vom Dorf Jaun in die ganze Schweiz

Johanna und Anya Zia in ihrem Haus in Jaun. Hier werden die personalisierten Geschenkboxen von The Woof Club befüllt.
Zwei britische Expats mischen das Schweizer Online-Shopping für Tiere auf. In der alten Mühle in Jaun haben Anya und Johanna Zia ein kleines Versandunternehmen für Geschenkkörbe für Tiere gegründet. Das in der Schweiz neue Konzept stösst auf Nachfrage.

Die Schweiz ist ein kleines Land. Und dennoch nehmen neben der ständigen Wohnbevölkerung von rund 8,6 Millionen Personen andere Lebewesen einen beträchtlichen Teil ein: Laut der Plattform Statista leben nicht weniger als 1,6 Millionen Katzen und eine halbe Million Hunde in den verschiedenen Regionen des Landes. Herr und Frau Schweizer lieben ihre Haus­tiere. Das schlägt sich auch in Statistiken zum Haustierbedarf nieder. Zirka 476 Millionen Schweizer Franken Umsatz seien im Jahr 2019 im Sektor Hunde- und Katzenfutter prognostiziert worden.

An diesem Markt möchten sich nun zwei Britinnen beteiligen – mit einer Geschäftsidee, die es so in der Schweiz bislang noch nicht gebe, wie Anya Zia sagt. Sie hat 2019 die Firma The Woof Club gegründet, die in der alten Mühle in Jaun, direkt im Dorfzentrum, ihren Sitz hat. Das Konzept ist einfach, in der Schweiz aber noch neu: «Wir betreiben einen Online-Versand für Geschenkboxen für Hunde und Katzen. Darin befinden sich Tierfutter, Kauspielzeuge und Pflegeprodukte wie Hundeshampoos», sagt die Geschäftsführerin. Das Ganze wird über die unternehmenseigene Webseite vertrieben. Einen Laden gibt es also nicht. «Bestellungen können online gemacht werden. Wir bearbeiten diese und senden die Pakete dann direkt nach Hause.»

Haustier als Familienmitglied

Es gebe mittlerweile viele Schweizer, die in Haustieren mehr sehen als nur einfache Tiere, so Zia. Wichtige Themen, die in der Gesellschaft diskutiert werden, hielten in letzter Zeit auch Einzug in die Welt von Hund und Katze. «Die Leute beschäftigen sich immer mehr mit ihrer Gesundheit und naturbezogenen Themen. Das adaptieren sie nun auch für ihren Haustiere», so Anya Zia. Es gäbe beispielsweise Vegetarier, die ihre Tiere ebenfalls vegetarisch ernähren, dabei aber nicht auf die wichtigen Nährstoffe verzichten möchten. «Die Kunden fragen sehr genau nach, welche Zutaten im von uns angebotenen Futter sind, vor allem, weil auch Hunde und Katzen Allergien haben ­können.»

Zia beobachtet, dass sich die Beziehung zwischen Mensch und Tier an sich wandle. Gerade in Grossbritannien und den USA seien ein Hund oder eine Katze vollwertige Mitglieder der Familie. Diese Entwicklung spürten sie auch vermehrt in der Schweiz. Da setzt Woof Club nun an. Das Start-up bietet personalisierte Geschenkboxen an, deren Inhalt von Tier zu Tier variiert. Genau diese Personalisierung sei in Nordamerika und Grossbritannien bereits etabliert. In der Schweiz schliesst nun The Woof Club die Marktlücke im Haustiergeschäft. «Das neue Konzept kommt bei den Leuten richtig gut an», schwärmt Anya Zia.

Die Idee zum Online-Shop kam ihr in England. Nun versucht die ehemalige Wirtschaftsprüferin, mit dem Konzept von Geschenkboxen für Tiere in der Schweiz durchzustarten. Woof Club kauft die Produkte in der Schweiz und auch im Ausland bei Spezialisten, die sich auf ökologische und natürliche Tiernahrung und andere nachhaltige Bedarfsartikel spezialisiert haben. Diese Produkte werden je nach Wunsch der Kundschaft in Überraschungsboxen verpackt und in die ganze Schweiz verschickt. Denn Kunden hätten sie im ganzen Land, sagt Johanna Zia und fügt hinzu: «Wir beliefern neben Freiburg auch Städte wie Bern, Zürich oder Basel, aber auch Genf und St.  Gallen.» Wählen könnten die Tierbesitzer zwischen einmaligen Lieferungen, beispielsweise für den Geburtstag des Tiers, und Abonnementen. Dabei würden in regelmässigen Abständen Pakete nach Hause geschickt.

Corona verlieh Auftrieb

Im Gegensatz zu anderen Unternehmen, die durch die Corona-Massnahmen Einbrüche des Umsatzes verkraften müssen, läuft es bei The Woof Club rund. «Die Schweizer verbrachten viel mehr Zeit im Internet und kauften auch vermehrt online ein. Davon konnten wir tatsächlich profitieren», wie Anya Zia sagt. Sie habe gemerkt, dass sich die Besitzer in der Zeit des Shutdown mehr mit ihren Haustieren beschäftigen und ihnen auch einmal etwas Gutes tun wollen. Genau dafür seien die Geschenkboxen gedacht.

Positiver Blick in die Zukunft

Das Unternehmen besteht aus der Geschäftsführerin und ihrer Mutter Johanna Zia. Diese helfe beim Kundenkontakt, da sie neben Englisch auch Deutsch und Französisch spricht. Beide sind glücklich über die Entwicklung des Unternehmens. «Bis jetzt blieben uns die Kunden treu», freut sich Anya Zia. Die Beziehung zu ihnen sei gut, fügt Johanna Zia hinzu. «Auf Plattformen wie Facebook und Instagram fragen die Leute nach Rat im Umgang mit ihren Haustieren. Sie möchten wissen, was für ihre Lieblinge das Beste ist.»

Obwohl in den vergangenen Monaten Kundschaft hinzukam, ist The Woof Club noch nicht selbsttragend. Man sei aber auf gutem Weg und wage auch schon einen Blick in die Zukunft, so Anya Zia. Um die Produktion und Effizienz zu steigern, sind sie beispielsweise im Gespräch mit einem Atelier für Menschen mit psychischen oder körperlichen Behinderungen. «Die Menschen im Atelier könnten so an der Produktion mitwirken, beispielsweise, indem sie sich um das Verpacken der personalisierten Produkte kümmern», sagt Johanna Zia. Ebenfalls geplant sei eine Anpassung der Software, um die Geschenkboxen effizienter und schneller erfassen und bearbeiten zu können. «Wir möchten in Zukunft auch eigenes Futter anbieten», sagt Anya Zia. Auch da sei man bereits mit Partnern in Kontakt.

«Das neue Konzept kommt bei den Leuten richtig gut an.»

Anya Zia

Gründerin von The Woof Club