FREIBURG 20.08.2019

Wiedereinsteiger verzweifelt gesucht

Ein neuer Ausbildungsgang für ehemalige Berufsleute soll dem Personalmangel im Pflegesektor entgegenwirken. Der Kanton und der Bund beteiligen sich an diesem ambitionierten Projekt, das von der Hochschule für Gesundheit lanciert wurde.

Der Pflegesektor hat mit einer akuten Personalknappheit zu kämpfen. Gemäss einer Studie des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums verlassen 45,9 Prozent des Personals ihren Beruf früher oder später. Dies entspricht einer der höchsten Ausstiegsquoten in der gesamten Berufswelt. Und auch bei den unter 35-Jährigen beträgt die Ausstiegsquote bereits ein Drittel.

Mit zahlreichen Partnern

Auch der Kanton Freiburg ist von dieser Entwicklung tangiert. Nur 57,4 Prozent des Personals, das 2025 im Kanton nötig sein wird, ist derzeit überhaupt ausgebildet. Zu diesem Schluss kam eine Studie der Hochschule für Gesundheit und Soziales bereits vor zwei Jahren. Auch wenn die Zahlen über dem schweizerischen Mittel liegen, besteht doch Handlungsbedarf. Die Hochschule für Gesundheit Freiburg hat dieser Personalknappheit den Kampf angesagt. Wie sie in einem Communiqué schreibt, lanciert sie mit verschiedenen Partnern ein neues Programm der beruflichen Wiedereingliederung für Personen, die seit mehreren Jahren nicht mehr im Pflegebereich tätig sind. Dieser Ausbildungsgang, der Theorie und Praxis miteinander verbinden soll, startet im Oktober dieses Jahres auf Französisch, ein Jahr später auch auf Deutsch. Ebenfalls mit im Boot sind das Freiburger Spital (HFR), das Interkantonale Spital der Broye (HIB), das Freiburger Netzwerk für psychische Gesundheit (FNPG), der Spitex-Verband Freiburg, der Verband freiburgischer Alterseinrichtungen (VFB) sowie die Hochschule für Gesundheit und Soziales.

«Kenntnisse reaktivieren»

Der Ausbildungsgang ist nötig, weil sich der Pflegebereich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt hat, was einen Wiedereinstieg in den Beruf erschwert, wie es im Communiqué weiter heisst.

Der Fokus des achtwöchigen Lehrgangs wird bei der Langzeitpflege liegen, wobei auf zwei Wochen Theorie sechs Wochen Praktikum folgen. Die Inhalte sollen es erlauben, «die eigenen Kenntnisse zu reaktivieren, neue Kompetenzen zu erwerben und die aktuellen Herausforderungen des Berufs zu verstehen».

Im Theorieteil sollen eine selbstkritische Praxis und eine klinische Evaluation entwickelt werden – so dass die Kursteilnehmer Vertrauen in ihr eigenes Handeln gewinnen. Die Ergänzung durch ein Praktikum in einem Spital, in der Pflege zu Hause oder im medizinisch-sozialen Umfeld soll den Wiedereinstieg in den Beruf zusätzlich erleichtern.

Budget gesichert

«Die Personalknappheit im Pflegebereich ist für die Allgemeinheit tatsächlich ein beträchtliches Problem», sagt Coralie Wicht, Verantwortliche für den Ausbildungsgang bei der Hochschule für Gesundheit, im Gespräch gegenüber den FN. Deshalb würde sich die Gesundheitsdirektion auch an den Kurskosten beteiligen. Die Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer hätten demgegenüber nur eine Einschreibetaxe von 300 Franken zu bezahlen. Eine Beschränkung der Ausbildungsplätze gebe es nicht.

Laut der Kommunikationsverantwortlichen der Hochschule für Gesundheit, Amélie Roy, ist das Startbudget des Ausbildungsgangs allerdings für zehn Teilnehmer pro Jahr berechnet worden. «Es beträgt 5300 Franken pro Teilnehmer, wobei je 2500 Franken vom Bund und vom Kanton übernommen werden. «Dieses Budget ist für die nächsten fünf Jahre gesichert», so Roy.

Nach Waadtländer Vorbild

«In der Langzeitpflege und in der Pflege zu Hause ist die Personalknappheit derzeit sogar noch fast akuter als im Bereich der Spitäler», sagt der VFA-Generalsekretär Emmanuel Michielan. Im Kanton Waadt gebe es daher schon länger ein derartiges Wiedereingliederungs-Programm. Nun ziehe Freiburg nach – auch weil es schlicht zu umständlich wäre, die Kursteilnehmer allesamt nach Lausanne zu schicken.